Lokalsport

Pohl lässt aufhorchen: Bronze am Boden

Turn-DM: Gelungene Premiere des Kirchheimers – Auch am Reck deutsche Spitzenklasse

Felix Pohl vom VfL Kirchheim hat den Nachweis geliefert, dass er nach seinem Wechsel vom Jugend- in den Aktivenbereich weiter zu Deutschlands besten Turnern zählt: Bei den deutschen Meisterschaften holte er am Boden die Bronzemedaille. Auch am Reck unterstrich er mit Platz fünf seine Zugehörigkeit zur deutschen Spitzenklasse. Im Mehrkampf wurde er Siebter.

Machte bei den deutschen Aktiven-Meisterschaften in Gießen eine gute Figur: Mit den Plätzen drei, fünf und sieben etablierte sic
Machte bei den deutschen Aktiven-Meisterschaften in Gießen eine gute Figur: Mit den Plätzen drei, fünf und sieben etablierte sich Felix Pohl gleich in der deutschen Spitzenklasse. Foto: Georg Hrivatakis

Gießen. Zwei Tage lang bejubelten 2 500 Zuschauer in der Gießener Sporthalle Ost die deutsche Turnelite. Dabei wurden die neuen deutschen Mehrkampfmeister Elisabeth Seitz bei den Frauen und Fabian Hambüchen bei den Männern he­rausragend gefeiert – die Gerätefinalisten allerdings ebenso.

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Erstmals konnte sich der Kirchheimer Felix Pohl durch den Mehrkampf im Feld der Aktiven auch für die Gerätefinals empfehlen. Mit einem hoch gesteckten Ziel war der 19-Jährige nach Hessen gereist. 82,50 Punkte sollten es nach sechs Geräten möglichst werden. Zum Einstand turnte Felix Pohl am Pauschenpferd, und als er kurz vor dem Ende der Übung auf dem Boden stand, war fast klar, dass diese Marke nicht mehr zu erreichen sein würde. Umso motivierter ging der VfL-Turner an die Ringe, wo er sein Leistungspotenzial präzise abrufen konnte – er war wieder auf Kurs. Als Stammturner des Erstbundesligisten MTV Stuttgart am Sprung hat er zwischenzeitlich genügend Erfahrung gesammelt, um den Radwendesprung mit doppelter Schraube gelungen zu landen. Davon profitierte er in Gießen. Von Gerät zu Gerät arbeitete er sich nun in das vordere Feld. Mit Präzision und Stabilität punktete er am Barren und lag mittlerweile unter den Top-Ten-Turnern Deutschlands.

Als deutscher Vizemeister am Reck und deutscher Meister am Boden konnte der Ex-Jugendturner zuversichtlich vor den letzten beiden Geräten sein. Mit hohen Flugteilen und perfekten Drehkombinationen erntete er größten Beifall mit seiner Reckübung. Nur noch fünf Turner waren an diesem Tag am Reck besser und turnten mehr als 14,10 Punkte. Das bedeutete den Finaleinzug an seinem persönlichen „Königsgerät“, und das gleich in seinem ersten Aktivenjahr. Damit rückte er im Mehrkampf zwischenzeitlich auf den achten Platz vor.

Weiter ging es am Boden und als begnadeter Schraubenturner entlockte der 19-Jährige dem Kampfgericht 14,40 Punkte. Mit 80,25 Punkten rückte Felix Pohl damit auf Platz sieben vor – ein für ihn hervorragendes Ergebnis.

In bester Gesellschaft mit dem erfolgreichsten Turner hierzulande zog Pohl nach dem Reck auch ins Bodenfinale ein: Fabian Hambüchen, sein Teamkamerad in Stuttgart, begleitete seinen Weg. Unangefochten holte sich Hambüchen nach dem Mehrkampftitel auch die deutschen Meistertitel an diesen Geräten. Spannend wurde es um Platz zwei und drei am Boden. Nachdem Andreas Brettschneider, der Erfinder und Namensgeber eines spektakulären Reck-Flugteils, sowie Philipp Herder nicht über 12,25 Punkte kamen, nutzten der Saarländer Waldemar Eichhorn und Felix Pohl das Schwächeln der Konkurrenz gewissermaßen zu einem persönlichen Duell. Es wurde eng – hauchdünn gewann der Turner der TG Saar (14,250 Punkte) vor dem Kirchheimer (14,225). Damit entschieden ganze 0,025 Punkte über Silber und Bronze. Doch bei Felix Pohl kam keine Verärgerung auf. Er war glücklich über die Ehrung zu Deutschlands Nummer drei in einer ausverkauften Halle.

Mit der sechsthöchsten Vornote zog Pohl, der deutsche Jugend-Vizemeister, ins Reckfinale ein und traf neben dem Welt- und Europameister Fabian Hambüchen auf Marcel Nguyen, der bei den Olympischen Spielen in London im Mehrkampf Silber gewonnen hatte. Nach Hambüchen, Cristopher Jursch und Andreas Tobe reihte sich Marcel Nguyen auf Rang vier vor Felix Pohl ein. Waldemar Eichhorn wurde Sechster.

Mit sieben von acht Übungen auf Topniveau empfahl sich Felix Pohl schließlich für die zweite WM-Qualifikation am 3. Oktober in der Stuttgarter Scharrena. Dann geht es um die Fahrkarten für die Weltmeisterschaften in Glasgow.

Die VfL-Bundesligaturnerin Sarina Maier ging in Gießen ebenfalls an den Start und belegte im Mehrkampf den 13. Rang unter den 22 Starterinnen, die für die deutschen Meisterschaften zugelassen wurden. Am Sprung, Balken und Boden überzeugte sie mit sicheren Vorträgen. Ausgerechnet an ihrem Paradegerät, dem Stufenbarren, konnte sie das Flugteil, einen Jäger-Salto, aber nicht zum Hang bringen. Dies hatte erhebliche Punktabzüge, die sie einen möglichen Top-10-Rang kosteten.mp