Lokalsport

Promis im Schrank

Andere aus seiner Generation sammeln seltene Münzen, Briefmarken oder alte Waffen – Johann Würstl (78/Foto: Genio Silviani) sammelt das, was erfahrungsgemäß eher jüngere Semester tun: Autogrammkarten von Stars. Der Schlierbacher sammelt ziemlich erfolgreich. Etwa 2 500 Kopfbilder, nicht nur aus der Welt des Sports und verpackt in 21 prall gefüllte Leitz-Ordner, hat er in den letzten drei Jahrzehnten daheim angehäuft. Es ist ein Hobbylebenswerk, das ihn mit Stolz erfüllt. Wenig Stars, die er nicht auftischen kann.

Neben Fußball-Weltmeistern wie Fritz Walter, Franz Beckenbauer oder Paul Breitner hat der rüstige Schlierbacher auch Konterfeis mit Unterschrift von weniger sportiven Prominenten in den letzten drei Jahrzehnten ergattern können – Mutter Teresa, Dalai Lama oder der palästinensische Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jassir Arafat finden sich in Würstls Promi-Alben ebenfalls verewigt. Aus dem nationalen Schauspielfach stechen Iris Berben und Veronica Ferres ins Auge, das Weiße Haus in Washington ist mit den colorierten Autogrammkarten der Ex-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton vertreten. Knapp 13 Monate hatte Würstl auf die Clinton-Post von der amerikanischen Botschaft in Berlin Anfang der 1990er-Jahre warten müssen.

Doch solche Verzögerungen nimmt Würstl gerne in Kauf. „Manchmal haben die Leute eben keine Zeit“, entschuldigt der gelernte Schriftsetzer mit 40-jähriger Teckbote-Vergangenheit ewig Säumige wie die Regisseurin Doris Dörrie, die Fumic-Brüder und US-Wahlkämpferin Hillary Clinton, deren PR-Büro er bereits im Juli 2012 mit einer sauber übersetzten E-Mail kontaktiert hatte. Trotz der Investition eines frankierten Rückumschlags manchmal nichts zurückzubekommen – es ist Teil seines Hobbys. Abgefunden hat er sich damit schon lange.

Schade findet er ein ausbleibendes Rückschreiben trotzdem, denn schließlich geht ihm damit jemand aus seiner genau definierten Zielgruppe durch die Lappen: „Ich schreibe nur Prominente an, von denen ich denke, dass sich hinter ihnen eine interessante Persönlichkeit verbirgt“. Einen Donald Trump würde er aufgrund dessen verbaler Rüpeleien derzeit eher nicht anschreiben.

Ohnehin hat Johann Würstl sein Sammlerhobby in diesen Tagen ziemlich zurückgefahren, nachdem im Frühjahr seine Frau verstorben ist und er derzeit vor ungeahnten Herausforderungen steht. Erst wenn die Zeit die Wunden verheilen lässt, kann er sich die Fortsetzung seines Hobbys vorstellen. Ganz oben auf seiner To-do-Liste werden dann folgende Namen stehen: Özil, Erdogan und Hillary – Letztere ist dann vielleicht US-Präsidentin.Thomas Pfeiffer

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