Lokalsport

Pünktlich zum Turnierstart tun sich Abgründe auf

Handball Der Trainer weg, die Bezirksliga-Mannschaft in Auflösung – in Owen wirft der SV-Cup lange Schatten.

Foto: Mirko Lehnen

Owen. Den richtigen Zeitpunkt für Hiobsbotschaften gibt es nicht. Die hier hätte trotzdem zu keinem schlechteren Zeitpunkt hereinschneien können: Während im Owener Handball Mann und Maus auf den Beinen sind, um mit dem SV-Cup das größte Ereignis des Jahres vorzubereiten, wird bekannt: Bastian Klett, Schlüsselfigur auf dem Spielfeld und seit fünf Wochen Trainer der ersten Mannschaft, wirft hin. Schlimmer noch: Die Bezirksliga-Mannschaft ist in Auflösung begriffen. Wie es weitergehen soll, weiß zur Stunde keiner.

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Was ist passiert? Die „Auener Jungs“, so der imageprägende Markenname, der nach dem Wiederaufstieg vor drei Jahren die Zeitenwende hätte einläuten sollen, haben sich als Torfabrik der Bezirksliga zuletzt einen Namen gemacht. Kein Team setzte bedingungsloser auf Offensive, kein Team erzielte mehr Treffer als die Gelben. Bastian Klett, mit 230 Einschlägen in 24 Spielen einsame Spitze als Torjäger der Liga, hatte maßgeblichen Anteil daran. Sein älterer Bruder Steffen als Teilzeit-Spielmacher oder Dirigent auf der Bank, Bastian als der Vollstrecker im Rückraum - das funktionierte. Bis Mitte Juni, eine Woche vor Beginn der Vorbereitung, bekannt wurde, dass Steffen Klett beim Baden-Württemberg-Oberligisten TSG Söflingen auf die Trainerbank wechseln wird. Dort, wo mit Markus Brodbeck, der die beiden Brüder zu Württembergliga-Zeiten in Owen trainierte, ein enger Freund als Sportchef tätig ist.

Bastian Klett sprang für seinen Bruder ein, versprach, als Spielertrainer den Übergang bis Sommer 2019 zu gestalten, wenn die Teams aus Owen und Lenningen in einer Spielgemeinschaft aufgehen sollen. Danach soll endgültig Schluss sein mit Handball. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar: Die neue Saison wird kein Selbstläufer. Die Personaldecke ist dünn. Von unten kommt wenig nach, zumal die Bereitschaft zu leistungsorientiertem Training im Unterbau gering sein soll. Ein Punkt, der die beiden ehrgeizigen Brüder in Owen schon lange beschäftigt.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, kam am vergangenen Wochenende dazu. Beim Vorbereitungsturnier in Bernhausen suchte mit Dominic Fischer Owens zweitbester Rückraumschütze das vertrauliche Gespräch mit dem Trainer. Thema: sein bevorstehender Wechsel zum Württembergligisten SG Hegensberg/Liebersbronn. Für Bastian Klett das Signal, die Reißleine zu ziehen. „Wir sind mit dieser Mannschaft in der Bezirksliga nicht konkurrenzfähig“, sagt der 28-Jährige klipp und klar. Darauf habe er die Abteilungsleitung bereits vor Wochen hingewiesen. Geschehen sei nichts. Klett betont: „Dass die Mannschaft zusammenbleibt, war eine Grundbedingung für meine Zusage vor Wochen.“

Nachvollziehbar oder nicht - Fakt ist: Was beide Brüder in Owen hinterlassen, lässt sich als veritabler Scherbenhaufen bezeichnen. Schon jetzt haben Spieler wie Kreisläufer Tobias Bäuchle angekündigt, ihr mit der Fusion geplantes Karriereende im gelben Trikot nun vorziehen zu wollen. Andere wollen dem Beispiel offenbar folgen oder denken zumindest über einen Schlussstrich nach. „Eine Katastrophe“, gesteht TSV-Abteilungsleiter Florian Einselen. „Das haben wir so nicht kommen sehen.“ Für den 25-Jährigen, Kopf eines drastisch verjüngten Abteilungsgremiums, eine „brutal schwierige Situation“, wie er zugibt, und gleichzeitig die erste knallharte Bewährungsprobe. Er sagt: „Gut möglich, dass es nach dem SV-Cup zum kompletten Cut kommt.“

Nur: Was danach käme, weiß im Moment niemand. Das Training läuft schon seit Wochen. Es muss schnell ein Trainer her, womöglich eine halbe Mannschaft. Das Team vom Spielbetrieb abzumelden, ist laut Einselen keine Option. „Wir wollen und wir werden Bezirksliga spielen“, bekräftigt er fast trotzig. Zunächst gilt es jedoch, das eigene Turnier mit Anstand über die Bühne zu bringen. Der TSV ist Titelverteidiger. Die Mannschaft soll in gewohnter Form auflaufen, womöglich sogar mit Bastian Klett als Trainer. „Mein Angebot für Sonntag steht“, sagt der. „Es ist eine Option“, meint Abteilungschef Florian Einselen. Zuvor müsse sich jedoch die Mannschaft zu dieser Frage äußern.

Keine Auswirkungen auf Fusion

Dass die Situation Auswirkungen auf die geplante Vertragseinigung mit der SG Lenningen haben könnte, schließt Einselen aus. „Wir haben die SG informiert, alles läuft weiter wie vorgesehen.“ Schließlich feiert der SV-Cup im Jugendbereich eine Premiere. Dort werden erstmals Teams unter dem Namen HSG Owen/Lenningen auflaufen. Und Bastian Klett? Der hält sich zu seiner Zukunft bedeckt. „Stand heute höre ich auf“, sagt er. Wenn attraktive Angebote für das eine Jahr kämen, werde er sie prüfen. Das Gerücht, wonach er seinem Bruder zur TSG Söflingen in die BWOL folgen wolle, dementiert er: „Wenn das der Plan gewesen wäre, hätte ich in Owen nicht zugesagt.“Bernd Köble