Lokalsport

Ratlos in Weilheim

Handball-Bezirksliga Der TSV Weilheim sucht in der Owener Teckhalle heute Abend einen Weg aus der Krise, die Gastgeber den Schlüssel zum dritten Sieg im dritten Derby. Von Bernd Köble

Gar so süß wie der Werbepartner vermuten lässt ist das Leben in der Bezirksliga für den TSV bisher nicht.Foto: Markus Brändli
Gar so süß wie der Werbepartner vermuten lässt ist das Leben in der Bezirksliga für den TSV bisher nicht.Foto: Markus Brändli

Wer den Weg heute Abend in die Owener Teckhalle nimmt, der sollte vorher eines nicht tun: in der Handball-Bezirksliga einen Blick auf die aktuelle Tabelle werfen. Die nämlich könnte zum Gedanken verleiten, das Lokalduell zwischen dem TSV Weilheim und Gastgeber Owen verspräche vieles, bloß keine Spannung. Die Owener, seit drei Spielen im Party-Modus, dazu mit dem Ehrenorden zweier gewonnener Derbys dekoriert. Da sollte dem Tabellenschlusslicht nach fünf Niederlagen und dem schlechtesten Saisonstart der handballerischen Neuzeit doch eigentlich die Knie schlottern.

Doch Owens Trainer Steffen Klett kann sich auf ein intaktes Gedächtnis verlassen, das ihm sagt: Spiele gegen Weilheim waren in der Vergangenheit alles, bloß nicht langweilig. Und auch nicht unbedingt erfolgreich: Das bisher letzte Duell an der Lindach verloren die Owener sang- und klanglos. In einer aufgeheizten Partie musste Klett mit Rot vom Feld.

Dass die Gastgeber heute Abend trotzdem als Favorit ins Spiel gehen, hat wohl eher psychische Gründe. Die Mannschaft ist im Lot, der Gegner erkennbar angeschlagen „Es gibt keinen Schalter, den wir umgelegt hätten“, sagt Steffen Klett. „Wir machen in kritischen Phasen einfach weniger Fehler.“ Das gilt vor allem für die Abwehr, hinter der sich Rückkehrer Matthias Carrle zwischen den Pfosten in ein wahres Bollwerk verwandelt hat. In den zurückliegenden drei Spielen, die die Owener für sich entschieden, parierte der Keeper 40 Prozent der Würfe, die aufs Tor kamen. Das sind Werte, die in einem engen Spiel den Unterschied ausmachen.

Ein anderer Erfolgsgarant ist zwar nicht neu aber unverändert zuverlässig: Bastian Klett, der zum zweiten Mal in Folge die Torstatistik in der Liga klar dominiert, ist die Owener Lebensversicherung auf der rechten Rückraumseite. Einzelkönner wie er machen eine Mannschaft in der Regel aber auch verwundbar. Sein älterer Bruder im Trainerjob sieht das anders: „Wenn Basti aus dem Spiel genommen wird, dann haben wir Lösungen“, sagt der. Bestes Beispiel: Im Spiel gegen den VfL Kirchheim erhielten beide Brüder über weite Strecken eine Sonderbewachung. Die Gelben gewannen am Ende dennoch überraschend deutlich mit 30:19.

Was das fürs heutige Spiel bedeutet und mit welcher Strategie Weilheims Trainer Martin Weiss die Aufgabe anpackt, verrät er nicht. Klar ist: Der Mann auf der Bank, der drei Jahre lang das Owener Trikot trug, erlebt harte Zeiten und lechzt nach einem Erfolgserlebnis: „Wir brauchen zwei Punkte - egal wie.“ Dabei ließen die teils unglücklichen Niederlagen zu Saisonbeginn kein Muster erkennen, das alarmierend wäre, auch wenn der Trainer nach dem 23:26 gegen Aufsteiger TuS Stuttgart am vergangenen Wochenende deutliche Worte fand.

Ebersbach-Bünzwangen, Kirchheim, Bernhausen - Das Auftaktprogramm gegen drei Spitzenteams der Liga war hart, zudem fehlten immer wieder wichtige Stammkräfte. Irgendwann beginnt sich die Spirale zu drehen. „Nach fünf Niederlagen sind natürlich alle nervös“, sagt der Trainer. Der schwache Start macht aber auch deutlich: Den Weilheimern ist es nicht gelungen, den Verlust von Spitzenkräften, wie Florian Braun, Manuel Bauer oder Marcel Steinke, erfolgreich abzufedern. Rückkehrer Timmy Hiller tut sich nach zwei Kreuzbandrissen schwer, der junge Luca Pfeffer braucht Zeit, die man in Weilheim im Moment nicht hat. „Wir zeigen immer wieder gute Ansätze“, sagt Martin Weiss. „Aber wenn du nicht gewinnst, schwindet das Selbstvertrauen von Woche zu Woche.“ Ein Sieg in Owen wäre also die wirksamste Beruhigungspille.

So wollen sie spielen

TSV Owen: F.Einselen, Carrle - M.Raichle, B.Klett, Bittner, Kerner, H.Raichle, Bäuchle, Köbel, S.Klett, Thum, C.Einselen

TSV Weilheim: Illi, Latzel; Driesnack, Klett, Seyferle, Hiller, Pfeffer, Höferer, Roth, Banzhaf, Auweter, Klein, Sigel, Späth, Stark.

Tore wie am Fließband

Mit durchschnittlich 30,2 Treffern pro Spiel belegt der Tabellensechste aus Owen nach fünf Spielen Platz zwei in der Bezirksliga, was den Torhunger betrifft. Knapp hinter Tabellenführer EK Bernhausen, der in vier Begegnungen im Schnitt 30,5 Mal ins Schwarze traf. Den größten Anteil daran hat Owens Rekordtorschütze Bastian Klett, der in bisher fünf Spielen durchschnittlich 10,6 Treffer und damit mehr als ein Drittel aller Owener Tore erzielte. Klett knüpft damit nahtlos an seine Rekordsaison im Vorjahr an. Gleichzeitig kassierten die Gelben 138 Gegentreffer, das ist mit 27,6 Toren pro Spiel Liga-Durchschnitt. Zum Vergleich: Der heutige Gegner TSV Weilheim ließ bei gleicher Anzahl von Spielen bisher 145 Tore zu.bk

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