Lokalsport

Reifeprüfung beim alten Rivalen

Fußball-Bezirksliga Der VfL will gegen Tabellenführer SC Geislingen entschlossen agieren, während der TV Neidlingen auf Wiedergutmachung aus ist. Von Reimund Elbe

Torjubel in weiß - ob der VfL auch am Sonntag in Geislingen was zu feiern hat? Foto: Markus Brändli
Torjubel in weiß - ob der VfL auch am Sonntag gegen Geislingen was zu feiern hat? Foto: Markus Brändli

Dieses Match hat einen Hauch von Endspiel: Wenn der Bezirksligadritte VfL Kirchheim am Sonntag auf Spitzenreiter SC Geislingen trifft, ist Brisanz vorprogrammiert. Dabei spielt weniger die Rivalität aus Oberligazeiten (siehe Infoartikel) eine Rolle, sondern die Folgen, die sich aus dem Endresultat ergeben können. Verliert der VfL gegen die Geislinger, wäre der Titelgewinn angesichts von zwölf Zählern Rückstand vorerst abgehakt. Ein Remis beließe den Neun-Punkte-Abstand und zumindest etwas Hoffnung auf den Coup. Mit einem Sieg könnten die Kirchheimer nicht nur den Rückstand auf sechs Zähler verkürzen, sondern auch den Vorsprung auf den spielfreien Tabellenvierten SGEH vergrößern.

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VfL-Spielertrainer Markus Schweizer ahnt allerdings, was auf ihn und sein Team zukommt. „Das 7:0 der Geislinger gegen Neidlingen hatte ich in dieser Form nicht erwartet“, sagt der 31-Jährige, aber das Ergebnis habe deutlich gezeigt, in welcher Verfassung sich der Sportclub aktuell befindet.

Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend. Seit fünf Partien ist der SC ohne Gegentor, schoss dabei 25 Treffer. Der Ex-Geislinger Schweizer verfällt trotzdem nicht in Panik. „Unser spät herausgespieltes 2:1 in Deizisau gibt uns viel Selbstvertrauen“, sagte er, „deshalb wollen wir gegen die Geislinger auf Augenhöhe agieren.“ Soll heißen: Eine Überraschung darf‘s gerne sein. Beobachtet hat Schweizer den Tabellenführer bei dessen 2:0 gegen den FV Faurndau am 8. Oktober. Nicht sonderlich aussagekräftig sei die Partie allerdings gewesen, „weil sie nach dem frühen 2:0 wegen der Geislinger Dominanz eigentlich gelaufen war“. Solch eine Chancenlosigkeit gegen den Landesliga-Absteiger wollen die VfL-Kicker vermeiden.

Die drei gegen Deizisau zwangspausierenden Akteure Daniel Zirn (der Torwart plagte sich mit einer Erkältung herum) sowie die mit Adduktorenproblemen kämpfenden Andreas Elsässer und Pascal Herrmann könnten in den Kader zurückkehren. „Wir werden jedenfalls nicht zu risikoreich agieren“, kündigt Schweizer an, „aber auf jeden Fall mit Entschlossenheit.“

Der VfL hat die Reifeprüfung gegen die Übermächtigen aus Geislingen direkt vor sich, die Neidlinger sind vergangenen Sonntag durch jenen Check gefallen. „Selbst wenn wir eine überragende Leistung abgeliefert hätten, wäre wohl kein Punkt drin gewesen“, blickt Neidlingens Spielertrainer Patrick Kölle auf die 0:7-Ohrfeige im Eybacher Tal zurück. Wie wenig amüsant der Kick für Neidlinger Spieler und Funktionäre war, zeigt die Tatsache, dass in der TVN-Kabine aus Frust ein Trikotkoffer zu Bruch ging.

Patrick Kölle will sich allerdings mit diesem Negativerlebnis nicht mehr länger beschäftigen. „Jetzt kommen die Spiele, in den denen wir punkten müssen“, betont der Torjäger. Dem Heimspiel gegen den TSV RSK Esslingen - die Esslinger siegten vergangenen Sonntag 2:1 gegen Berkheim und haben mit 22 Zählern deren vier mehr als der TVN - folgt das Match in Eislingen, dann rückt der FV Vorwärts Faurndau an. „Sechs Punkte aus diesen drei Partien sind unser Ziel“, so Kölle. Die Zahl der einsatzfähigen Akteure stimmt hoffnungsfroh: Nach wie vor gibt es in Neidlingen kaum Personalsorgen, aktuell gar keinen ernsthaft verletzten Akteur.

Von Helmut Groß über Rüdiger Kauf und Andy Buck zu den Schweizer-Brüdern

VfL gegen SCG: Das klingt nach reichlich regionaler Fußball-Nostalgie. Es sind allerdings nicht nur die Oberligaduelle in den Achtziger- und Neunzigerjahren mit meist deutlich über 1 000 Zuschauern pro Spiel, die zum besonderen Verhältnis der beiden Vereine beigetragen haben, sondern auch die vielen Personalien.

Der Weg von der Steige unter die Teck wurde dabei wesentlich häufiger eingeschlagen als andersherum. Ob Helmut Groß, der mit seinem Konzept der ballorientierten Raumdeckung eine ganze Generation von Fußballtrainern prägte und der Teckregion als Kirchheimer Coach in den Achtzigerjahren einen Fußballboom bescherte, oder Rüdiger Kauf. Der VfL war für den Mittelfeldrenner nach seinem Wechsel aus Geislingen von 1996 bis 1998 ein wichtiger Karriere-Zwischenstopp. Andreas Buck fand 1987 den Weg unter die Teck. Eingefädelt wurde der Transfer damals eben von Groß und VfL-Manager Jürgen Wolters. Buck legte eine ähnlich beeindruckende Bundesliga-Laufbahn hin wie Kauf. Auch der spätere Bundesligaprofi Michael Oelkuch oder Harald Huber zu VfL-Regionalligazeiten gehörten zum Strom jener Geislinger, die zum VfL kamen.

Mit den Schweizer-Brüdern Markus und Michael, zwölf Kilometer südlich von Geislingen in Deggingen aufgewachsen, schließt sich der Kreis. Der aktuelle VfL-Spielertrainer spielte insgesamt drei Jahre für den SC. „Für mich war es der Einstieg in den Landesligafußball“, betont Markus Schweizer. Nach einer Zwischenstation in Weilheim ist er nun seit über drei Jahren beim VfL. Zwillingsbruder Michael schnürte fünf Jahre die Kickstiefel für den Sportclub. Und noch ein dritter aktueller VfL-Akteur hat Geislinger Vergangenheit: Benedikt Petzet. Der 30-Jährige kickte zwei Spielzeiten im Eybacher Tal.

Das letzte Duell auf Punktspielebene zwischen Kirchheim und Geislingen datiert vom 9. Mai 2013. An jenem Donnerstag kassierte der damalige Landesligist VfL an der Jesinger Allee unter Flutlicht eine 0:3-Niederlage und stieg am Ende der Saison in die Bezirksliga ab. Der freie Fall von der Verbands- in die Kreisliga ging damals somit ungebremst weiter.

Der Geislinger Tiefgang fand im Juni dieses Jahres mit dem Abstieg aus der Landesliga eine Fortsetzung, was erst das Wiedersehen mit dem alten Rivalen aus Kirchheim möglich machte.rei