Lokalsport

Relegationsspiele populär wie nie

Fußball Zu den vier Entscheidungskicks im Bezirk sind vergangenes Wochenende über 7 000 Zuschauer gepilgert.

Die Relegation im Amateurfußball boomt: Den Landesligaentscheid in Neufra verfolgten zuletzt 3¿000 Zuschauer. Foto: Jürgen Emmen
Die Relegation im Amateurfußball boomt: Den Landesligaentscheid in Neufra verfolgten zuletzt 3¿000 Zuschauer. Foto: Jürgen Emmenlauer

Kirchheim. Karl Stradinger fällt ein klares Urteil. „2017 war der absolute Höhepunkt in der Relegationsspiel-Geschichte, was das Zuschaueraufkommen betrifft“, erklärt der Fußball-Bezirksvorsitzende freudestrahlend.

Die Zahlen muten in der Tat gleichermaßen imponierend wie faszinierend an. Allein bei den vier Begegnungen im Bezirk Neckar/Fils am vergangenen Wochenende rückten insgesamt über 7 000 Besucher an. Andere Bezirke in Württemberg melden ebenso grandiose Werte - bis hin zur Völkerwanderung von Neufra. 3 198 Augenzeugen verfolgten vergangenen Sonntag im dortigen Waldstadion den Kampf zwischen dem SV Uttenweiler und der TSG Ehingen um den letzten freien Platz in der Landesliga Staffel 4.

In der Teckregion waren solche Events in den vergangenen Jahren allerdings dünn gesät, 2017 fanden überhaupt keine Relegationsspiele hier statt. Dabei ist der Zugang relativ einfach geregelt. Ausgehend von einer Bewerbung, spätestens im Frühjahr, nennt Karl Stradinger weitere Voraussetzungen für den Zuschlag zur Ausrichtung der Partie. „Teilnahme an der Bezirkspokalauslosung und am Staffeltag“ seien diesbezüglich Pflicht.

Außerdem sei eine „gewisse Infrastruktur wünschenswert“ (Stradinger). Sprich: Ausreichend Parkplätze, wenn möglich gestaffelte Stehplätze, reibungslose Zufahrtsmöglichkeiten und ein weitgehend umzäuntes Sportgelände. Bis zu 15 Bewerbungen kommen laut Stradinger jedes Jahr auf seinen Tisch, manchmal auch für überregionale Entscheidungsspiele.

Bei den Teckregion-Klubs ist das Relegations-Popularitätshoch nicht unbemerkt geblieben (siehe nebenstehender Artikel) - auch weil die neue Zuschauerflut durchaus die Ebbe in mancher Vereinskasse bekämpfen könnte. Zwar teilen sich die teilnehmenden Vereine die Eintrittsgelder, der Ausrichter streicht freilich den Reingewinn aus den Gastronomie-Umsatz komplett ein. Einige Tausend Euro können somit bei einem gut besuchten Match zusammenkommen.Reimund Elbe

Der VfL hat sich bereits beworben

Der TV Neidlingen bekundet durchaus Interesse an einem Relegationsspiel. „Vor zwei Jahren hatten wir kurzfristig die Anfrage zur Ausrichtung, weil aber an diesem Tag eine Hochzeitsgesellschaft in der Reußensteinhalle war, mussten wir aus logistischen Gründen leider absagen“, betont Abteilungsleiter Marlon Lamour. „Reizvoll“ sei eine solche Gastgeberrolle auf jeden Fall, zumal der zum Teckbotenpokal 2013 eingeweihte Stehplatzbereich das Stadion-Fassungsvermögen deutlich erhöht habe.

Beim TSV Ötlingen zeigt man sich ebenfalls aufgeschlossen. Mutmacher ist die mit Bravour bestandene Erstausrichtung des Teckbotenpokals 2015. „Wir sind für Veranstaltungen wie die Relegation durchaus offen“, sagt Abteilungsleiter Roland Süß. Der Teckbotenpokal im Rübholz habe gezeigt, dass man „1 500 Zuschauer und mehr pro Tag bewältigen kann“.

Die SF Dettingen stehen der Ausrichtung ebenfalls positiv gegenüber. „Wir erfüllen die Kriterien, waren auch schon einmal Ausrichter, allerdings ist unser Sportgelände nicht komplett abgeschlossen“, weiß Abteilungsleiter Christian Renz. Grundsätzliches Interesse? „Auf jeden Fall“, so Renz.

Beim SV Nabern beurteilen die Verantwortlichen die Relegation als „eine coole Sache“, wie Abteilungsleiter Michael Dangel betont. Aktuell sei die Ausrichtung solcher Partien zwar „kein Thema“, grundsätzlich hält Dangel jedoch das Sportgelände auf dem Oberen Wasen für durchaus geeignet.

Der TSV Weilheim ist mit Relegationsspielen bestens vertraut. Als Gastgeber mischte der TSVW 2015 mit, als der VfL Kirchheim gegen den VfB Oberesslingen/Zell vor 1 400 Zuschauern spielte. „Die Ausrichtung ist bei uns im Klub grundsätzlich ein Thema, wir haben damit gute Erfahrungen gemacht“, erläutert Weilheims Funktionär Günther Friess. Zunächst stünde jedoch die Vorbereitung auf das Teckbotenpokal-Turnier 2018 im Fokus.

Beim VfL Kirchheim haben die Abteilungsoberen bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Wenige Tage nach Abpfiff der letzten Bezirksligapartie flatterte bei Karl Stradinger die erste Bewerbung für das kommende Jahr auf den Tisch. Absender: VfL-Abteilungsleiter Oliver Klingler. „Wir würden sehr gerne ein Spiel ausrichten. Mit dem Stadion und dem Umfeld wäre das Potenzial dafür da“, sagt der Funktionär.Reimund Elbe

Anzeige