Lokalsport

Restguthaben auf dem Glückskonto

Basketball Die Knights bleiben beim sechsten Heimsieg auch gegen Baunach mit Fortuna im Bunde. Am Samstag würde die Tabellenführung gut ins Gesamtbild passen. Von Bernd Köble

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man ein Basketballspiel verlieren kann. Baunachs Coach Fabian Villmeter erlebte am Samstag ein Scheitern mit besonders viel Frustpotenzial. Ärger, der raus musste. Die Pressekonferenz nach einem denkwürdigen Spiel, aus seiner Sicht der richtige Platz für eine emotionale Schnellentladung. Michael Mai stand schweigend daneben, während sein Kollege hart ins Gericht ging. Mit den Unparteiischen im Allgemeinen und dem Kirchheimer Kampfgericht im Besonderen. Gleich zweimal hatte es in der ersten Spielhälfte Unstimmigkeiten bei der Zeitnahme gegeben. Die Schiedsrichter hatten zwar beide Male korrigierend eingegriffen. Doch wenn am Ende der Bruchteil einer Sekunde über Sieg und Niederlage entscheidet, so wie am Samstag, dann schwillt dem unterlegenen Trainer halt schon mal der Kamm.

Hatte bei Müllers Dreierwurf der Ball die Hand verlassen, noch ehe die Schlusssirene ertönte, oder nicht? Auch in der Videoaufzeichnung ließ sich diese Frage nicht ohne jeden Zweifel klären. Die Entscheidung der Schiedsrichter – für viele Beobachter die richtige. „Wir wissen, dass dieses Urteil genauso gut auch hätte anders ausfallen können“, meint Knights-­Coach Michel Mai.

Kirchheims Trainer hatte folglich Verständnis für den dicken Hals seines Gegenübers. Auch wenn er sich einer deutlich höflicheren Wortwahl bediente: „Baunach war gut genug, um heute als Sieger vom Platz zu gehen.“ Damit war eigentlich alles gesagt.

Wäre die Sache anders ausgegangen, auch Mai hätte sein Vokabular dann vermutlich deutlich verschärft. Er weiß: „In solchen Spielen bist du als Trainer hilflos.“ Doch auf dem Glückskonto seiner Mannschaft, so unglaublich das klingen mag, war noch immer ein Restguthaben. Es gibt nun mal Dinge, die kein Trainer der Welt aus den Köpfen seiner Spieler bekommt. „Genau das, worauf unter der Woche unser ganzer Fokus lag, haben wir nicht umgesetzt“, sagt Michael Mai und meint damit die nötige Ernsthaftigkeit gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner, der Baunach über vierzig Minuten keinesfalls war.

Der überlegene Sieg der Hanauer in der Woche zuvor war als Erfolgsmuster gedacht. Doch die Video-Analyse führte bei weiten Teilen der Mannschaft offenbar zum falschen Schluss. Knights-Gesellschafter Michael Schmauder redete deshalb gar nicht lange um den heißen Brei: „Wir haben den Gegner unterschätzt und die falsche Einstellung an den Tag gelegt“, sagt Schmauder. „Eigentlich unglaublich, dass man so ein Spiel gewinnt.“

Für den Trainer war es ein Weckruf zur rechten Zeit. Gegen Trier muss sich zeigen, ob die Mannschaft ihn gehört hat. Mit einem Sieg bestünde immerhin zum ersten Mal die Chance, die Tabellenspitze zu erobern. Vorausgesetzt Crailsheim findet zu Hause gegen den MBC die passende Antwort auf die bereits dritte Saisonniederlage am Wochenende. Einen Trainer interessieren solche Spekulationen üblicherweise wenig. Michael Mai sagt: „Wenn es der Motivation der Spieler dient, warum nicht?“

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