Lokalsport

Rettung per Fallschirm: Eisele kommt mit dem Schrecken davon

Segelfliegen Bei der WM in Australien ist der 34-jährige Kirchheimer Michael Eisele in über 1 000 Meter Höhe in einen Zusammenstoß verwickelt worden. Von Thomas Pfeiffer

Segelfliegen -  ein faszinierender Sport mit manchem schönen Motiv für den Fotografen. Doch die Gefahr fliegt mit.Foto: Schuster
Segelfliegen - ein faszinierender Sport mit manchem schönen Motiv für den Fotografen. Doch die Gefahr fliegt mit.Foto: Schuster

Bei den 34. Segelflug-Weltmeisterschaften hat Hahnweide-Pilot Michael Eisele (34) den schrecklichsten Moment seiner Segelflug-Karriere erlebt. In über 1 000 Meter Höhe war er mit dem Australier Stephen O‘Donnell kollidiert, wonach sein Flugzeug außer Kontrolle geriet – Eisele musste sich mit dem Fallschirm retten. Ein Helikop­ter brachte ihn später in ein 400 Kilometer entferntes Krankenhaus in der Hauptstadt Canberra.

Dort lag Eisele gestern, drei Tag nach dem Unfall, noch auf der Krankenstation, nachdem er zwar den Zusammenstoß, nicht aber die Landung unverletzt überstanden hatte. „Beim Betreten des Bodens bin ich mit dem linken Fuß falsch aufgekommen“, berichtete er am Dienstag dem Teckboten telefonisch. Später diagnostizierten die Ärzte im Krankenhaus eine Knochenfraktur. Die Operation verlief komplikationsfrei, doch Eiseles Entlassungstag stand zumindest bis gestern Vormittag noch in den Sternen. So oder so ist die WM für den deutschen Ex-Meister und Mitfavoriten in der 15-Meter-Klasse nach dem Crash beendet.

Was für ihn das geringste Prob­lem ist. „Beim Crash hatten wir beide großes Glück“, weiß Eisele, dass er nur haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist. Leicht hätte der Zusammenstoß der Piloten tödlich enden können – nur die Geistesgegenwart beider Sportler bewahrte den Segelflugsport vor einer schlimmen Tragödie. Tags zuvor waren zwei WM-Piloten der 18-Meter-Klasse zusammengestoßen. An ihren Flugzeugen hatte es nur Schrammen gegeben, wonach das Fliegerduo sicher landen konnte.

Bei Eisele verlief der Unfallhergang weitaus gefährlicher. Zwar kann er sich nicht mehr an sämtliche Details des Vorfalls am fünften Flugtag der Weltmeisterschaften erinnern, doch die groben Abläufe hat er abgespeichert. Und so hat der Hauptverantwortliche eines Offshore-Projekts in Wolfschlugen das Unglück im Gedächtnis: „Die 15-Meter-Klasse ist im Pulk geflogen, es war wolkenlos, und die Flugzeuge flogen relativ dicht beisammen. Plötzlich spürte ich, wie es im hinteren Bereich meines Ventus einen Einschlag gibt. Nachdem das Flugzeug nicht mehr lenkbar war, öffnete ich das Cockpit und stieg wie mein Fliegerkollege aus. Dann begann der Fallschirmsprung.“

Über die genaue Ursache des Zusammenstoßes mit dem leicht(er) verletzten Australier und zwei zertrümmerten Flugzeugen können Fachleute nur rätseln. Ob Pilotenfehler, Technikdefekt, Sichteinschränkung oder der sogenannte tote Winkel die Fast-Katastrophe bewirkten, ist offen. Jetzt haben Experten das Wort.

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