Lokalsport

Revolutionäre Pläne an den Platten

Tischtennis Die bisherigen drei baden-württembergischen Einzelverbände planen, sich zu einem großen Landesverband zusammenzuschließen. Von Michael Oehler

Noch ist alles beim Alten. In Baden-Württemberg existieren seit jeher drei Tischtennisverbände parallel. Die Verbände Baden (BTTV), Südbaden (STTV) und Württemberg-Hohenzollern (TTVWH) agieren rechtlich eigenständig und organisieren ihren Spielbetrieb unabhängig voneinander. Diese überholte Struktur soll nun aber bald der Vergangenheit angehören. „Die Planungen zur Gründung eines gemeinsamen Tischtennisverbands Baden-Württemberg laufen bereits auf Hochtouren“, gibt der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des TTVWH, Herbert Schulze, erste Einblicke in die revolutionären Bestrebungen der Verbände.

„Die Zeit ist reif. Wir wollen die vorhandenen Kräfte in einer neuen Struktur bündeln“, gibt TTVWH-Präsident Rainer Franke in Anbetracht der immer geringer werdenden Anzahl an Spielern und ehrenamtlich Engagierten das Startsignal.

Am 8. Januar beginnt die Umwandlung mit einer Kick-off-Veranstaltung in Grünwettersbach bei Karlsruhe. Dort sollen alle Mitarbeiter bis zur Basis über das weitere Vorgehen informiert und frühzeitig ins Boot geholt werden. „Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die einzelnen Bezirke und den Spielbetrieb haben wird, können wir erst nach der erforderlichen Gremienarbeit sagen“, so Schulze.

Dafür wurden bereits zwölf Arbeitskreise gegründet und personell paritätisch mit je einem Vertreter der drei bisherigen Landesverbände besetzt. Hier wird die Grundlagenarbeit geleistet. Es werden beispielsweise die unterschiedlichen Ordnungen zusammengeführt, die in den zugehörigen Landessportbünden unterschiedliche Finanzierungsmodelle abgestimmt und Maßnahmen der Sportentwicklung zusammengefügt. Marco Bebion, beim TTVWH ausgebildeter Betriebswirt, unterstützt seit 1. Oktober die Ehrenamtlichen bei ihren Bemühungen um die bestmögliche Vorbereitung der geplanten Fusion. Bis zum Jahr 2019, spätestens aber zum 1. Januar 2020 soll diese dann endgültig über die Bühne gehen.

Schon viel konkreter gediehen sind die Planungen über eine bundeseinheitliche Wettspielordnung, die für alle aktiven Tischtennisspieler Veränderungen mit sich bringen wird. Zum 25. Mai 2017 löst das neue Regelwerk die bisherigen verbandsspezifischen Reg­lements ab und wird für alle Landesverbände bindend sein. „Am 9. März werden wir im Rahmen eines außerordentlichen Bezirkstags die Vereine über die bevorstehenden Neuerungen in Kenntnis setzen“, erklärt Thomas Jäger, der stellvertretende Vorsitzende des Bezirks Esslingen.

Über eine Änderung werden die meisten froh sein: Die bisher sehr undurchsichtige und umständliche Stammspielerregelung wird der Vergangenheit angehören. Bisher bestand eine Mannschaft aus sechs Stammspielern. Absolvierte ein gesetzter Stammspieler weniger als drei Einsätze pro Runde, erhielt er eine Markierung. Trat dieser Spieler wiede­rum in der darauffolgenden Halbrunde drei Spiele in Folge nicht an, verlor er seinen Stammspielerstatus. Bestand die bisherige Mannschaft dann aus weniger als sechs Stammspielern, musste der zum Reservespieler Degradierte durch einen anderen Akteur aus einer tieferen Mannschaft ersetzt werden. So konnte es innerhalb einer Halbserie für einzelne Spieler zur Veränderung ihrer Mannschaftszugehörigkeit kommen. Dieser Zustand wird nun abgeschafft. In Zukunft gilt die einfache Regel: Spieler, die nicht an zwei Meisterschaftsspielen der letzten Halbrunde teilgenommen haben, werden Reservespieler. Nehmen sie in der nächsten Halbrunde an zwei Meisterschaftsspielen teil, gelten sie wieder als Stammspieler.

Die Unternehmungen zur Festigung des TTBW und zur Implementierung einer national geltenden Wettspielordnung werden die Funktionäre noch eine Weile beschäftigen. Klar ist jedoch, dass diese Reformen notwendig und absolut sinnvoll erscheinen. Diese Revolutionen sorgen für schlankere Strukturen und übersichtliche Regeln.

ARGE ist seit sieben Jahren aktiv

Der geplante Zusammenschluss stand schon einmal kurz bevor. In den 1990er-Jahren scheiterte die Fusion jedoch knapp.

Seit 1999 arbeiten die drei Verbände als Folge der gescheiterten Vereinigung im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) trotzdem schon eng zusammen, seit 2009 geschieht dies als eingetragener Verein „Tischtennis Baden-Württemberg e. V.“

Auswirkungen hat die Zusammenarbeit bisher hauptsächlich auf die Spieler in der sportlichen Spitze, die auf Bundesebene nicht mehr für die einzelnen Verbände antreten, sondern für eine gemeinsame baden-württembergische Mannschaft.mo

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