Lokalsport

Ruhezwang für den Rastlosen

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Brdaric bei seiner letzten Trainerstation in Erfurt. Foto: F.Steinhorst

Thomas Brdaric? Auf der faulen (Fußball-)Haut liegen und Trübsal blasen ist seine Sache nicht. Aber damit muss er bis auf Weiteres leben. Nicht nur wegen Corona. Der Trainer mit der UEFA-Pro-Lizenz ist seit 13. November 2019 arbeitslos. Die Wege zwischen ihm und Rot-Weiß Erfurt haben sich getrennt, nachdem der Verein aus der Regionalliga Nordost zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Insolvenz anmelden musste.

Jetzt harrt der achtfache deutsche Nationalspieler mit den kroatischen Wurzeln zu Hause in Langenfeld/Rheinland der Dinge, die da vorläufig nicht kommen. Wer braucht schon einen neuen Trainer, wenn gar nicht gespielt wird? „Arbeitslos und Corona, das geht schon an die Psyche“, gibt er unumwunden zu.

Insgesamt 21 Stationen

Die Umstände treffen ihn, den Rastlosen, der sprichwörtlich Hummeln im Hintern hat, besonders hart. So eine Situation hat er in seiner Fußball-Laufbahn noch nie erlebt. Er kickte bei zehn Vereinen, von VfB Neuffen über VfL Kirchheim, VfB Stuttgart bis Hannover 96. In 204 Bundesligaspielen machte er 54 Tore, bestritt acht Länderspiele. Eine Knieverletzung bedeutete 2008 das Karriereende.

Brdaric war ein wilder Stürmer. Eine Reizfigur, die mit aufdringlichem Zweikampfverhalten die Gegenspieler tüchtig nervte. Weil er gegen die Bayern 2002 einmal aufmüpfig auftrat, hat ihn Oliver Kahn am Kragen gepackt und kräftig durchgeschüttelt. Brdaric revanchierte sich mit einer selbst besungenen CD. Mit dem Song verspottete er den Star-Torwart: „Katze Kahn, ich danke dir, dass du mich wachgeschüttelt hast. Du bist doch ein liebenswertes Tier.“

War er als Profi ein Querkopf, tritt der 47-Jährige als Coach ganz cool und professionell auf. Sein Training ist durchdacht. Fehler im Spiel werden systematisch aufgearbeitet. Er füttert fleißig Datenbanken und will ständig dazulernen. Brdaric: „Trainerarbeit ist Detailarbeit. Die Spieler durchblicken sehr schnell, ob ihr Trainer Ahnung hat, wovon er spricht.“

Erfurt war seine elfte Station als Trainer oder Sportdirektor. Bis er wieder „am Mann“ arbeiten kann, wird noch einige Zeit vergehen. Die verbringt er zu Hause mit Frau und drei Jungs. Sein Ausflugslokal „Fährhaus“ am Niederrhein hat er verpachtet. Um die Wartezeit sinnvoll zu nützen, bietet er die eigene bewegende Geschichte als Lehrvortrag an. Titel: „Wie schaffe ich es dauerhaft, unter hohem Druck meine maximale Leistungsfähigkeit abzurufen?“ Klaus Schlütter

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