Lokalsport

Schiris Schuld

Es kam wie von Insidern vorausgesagt: Das Notzinger Skandal-Fußballspiel vom 18. September 2016 wird weder 3:0 noch 0:3 gewertet, sondern wiederholt. Die bei Abbruch-Spielen gerne genommenen Grüne-Tisch-Wertungen waren aus mehreren Gründen diesmal keine Option. Erstens, weil keiner der beiden Vereine einen gravierenden Regelverstoß beging, zweitens, weil es auf dem Platz zwar Verbalinjurien der Spieler, aber keine körperliche Randale gab, und drittens, weil der Abbruch-Pfiff die einsame Fehlentscheidung eines unerfahrenen Schiedsrichters war. Zu diesem Schluss kam das Sportgericht Neckar/Fils mit 5:0 Richterstimmen.

Für die Bezirksjuristen gab es im Falle Notzingen keine zwei Meinungen: Tobias Schäfers Abpfiff in der 73. Minute war ein Pfiff zu viel. Denn keiner wollten den vorzeitigen Fußball-Feierabend – nur er. Gut möglich, dass er in den Minuten überbordender Emotionen tatsächlich dachte, die Gesundheit könne leiden – unmöglich aber, mit welchem Gegenrezept er darauf reagierte: Anstatt als Referee seinen angestammten Autoritätsvorteil auszunutzen und die Spieler in eine zehnminütige Denkpause zu schicken, schickte er sie nach Hause.

So entsteht Ungerechtigkeit im Fußball: Ein Pflichtspiel, das womöglich schon entschieden war, fängt wegen eines völlig überflüssigen Abpfiffs wieder bei Null an. Mit der Konsequenz, dass der TSV Notzingen zum sportlichen Gewinner und die TG-Flüchtlingsmannschaft zum Verlierer der Kreisliga B-Affäre wird.

Thomas Pfeiffer zum jüngsten Sportgerichtsurteil

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