Lokalsport

Schlägerei bleibt ohne sportrechtliche Folgen

Nach Gewaltexzess bei Holzmadener Jugendfußballturnier hat der Fußballverband keine Handhabe

Zumindest sportrechtlich hat die Massenschlägerei beim Jugendfußballturnier in Holzmaden Ende Juni keine Auswirkungen. Da die beteiligten Personen keine Vereinsmitglieder sind, ist der FC Eislingen vom Vorwurf des sportwidrigen Verhaltens freigesprochen worden. Auch Veranstalter TSV Holzmaden hat seitens des Sportgerichts nichts zu befürchten.

Holzmaden. Erleichterung beim TSV Holzmaden: Der Verein muss sportrechtlich keine Konsequenzen wegen der Vorfälle am Rande des von ihm Ende Juni veranstalteten Jugendfußballturniers befürchten. Das Bezirkssportgericht Neckar/Fils hatte nach der Massenschlägerei unter Zuschauern mit etlichen Verletzten geprüft, ob und gegebenenfalls inwieweit Fehlverhalten der beteiligten Vereine vorlagen.

„Versäumnisse beim Veranstalter TSV Holzmaden waren keinesfalls festzustellen“, heißt es in der gestern veröffentlichten Urteilsbegründung, die in der Urweltgemeinde so nicht unbedingt erwartet worden war. „Ehrlich gesagt hatte ich kurz nach den Ereignissen schon die Befürchtung, dass der Verein belangt werden könnte“, sagt Holzmadens Abteilungsleiter Marius Remmler, der an einer Neuauflage des bundesweit in die Schlagzeilen geratenen Turniers im kommenden Jahr auf jeden Fall festhalten will. „Jugendleitung und Verein wollen damit auch ein Zeichen setzen. Allerdings werden wir uns im Vorfeld genau über die teilnehmenden Vereine informieren“, so Remmler.

Schaden kann dies nicht. Wie der Urteilsbegründung, die den genauen Tathergang rekonstruiert, zu entnehmen ist, war eine der bei der Schlägerei in Holzmaden beteiligten Personen bereits zuvor negativ aufgefallen, als er bei einem Hallenturnier im Februar in Wäschenbeuren aufs Spielfeld gestürmt war, um den Schiedsrichter anzugreifen. Ordner hatten dies damals verhindert. Dabei handelt es sich um den Vater eines F-Jugendspielers aus Reihen des FC Eislingen. Der Verein konnte nach dem Vorfall in Wäschenbeuren laut Sportgerichtsurteil jedoch nachvollziehbar darlegen, „dass er sich intensiv und ausreichend mit der Thematik um den Vater des Spielers auseinandergesetzt und überaus präventiv auf diesen eingewirkt hatte.“ Das Verhalten des Mannes war danach seitens des FC Eislingen glaubhaft als unauffällig beschrieben worden.

Da aber weder er noch drei weitere in Holzmaden beteiligte und ermittelte Personen Mitglieder des FCE sind, fallen sie nicht unter die Rechtsprechung des Verbands, das Sportgericht musste den Verein vom Vorwurf des sportwidrigen Verhaltens in Verbindung mit Verantwortlichkeit für Ordnung und Sicherheit freisprechen. „Nach einhelliger Überzeugung sind dem FC Eislingen überhaupt keine Versäumnisse vorzuwerfen“, loben die Bezirkssportrichter Bippus, Bausch, Bühler, Mendler, Neß, Prei­ßing und Reutter.

Aus dem Schneider sind die vier Schläger jedoch nicht. „Ein Vorgehen gegen diese Personen muss ausschließlich den staatlichen Ermittlungsbehörden überlassen bleiben“, heißt es im Urteil. Die sind in Gestalt der Staatsanwaltschaft Stuttgart momentan dabei, den Fall zu prüfen. Im Raum steht eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung. Mit einer Entscheidung, ob und auf welchem Wege es dazu kommt, ist jedoch nicht vor Ende August zu rechnen.

Was bei betroffenen Vereinen wie dem TSV Holzmaden bleibt, ist die Frage nach der künftigen Handhabe. „Müssen wir jetzt bei allen Jugendturnieren oder Turnieren wie dem Teckbotenpokal Platzordner stellen“, fragt sich nicht nur TSVH-Funktionär Marius Remmler, „schließlich handelt es sich hier doch in erster Linie um ein gesellschaftliches Problem. Und das kann man nicht auf dem Fußballplatz lösen.“

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