Lokalsport

Schlierbachs erfolgreichster Sportexport

Donnerstagabend im Vereinsheim des SV Bezgenriet treffen sich knapp 15 Mitglieder zum Training. Unter ihnen die Schlierbacherin Britta Weil, eine der erfolgreichsten Schützinnen der Welt. Die meisten schießen mit dem Luftgewehren. Britta Weil dagegen hat ihre siebeneinhalb Kilo schwere Armbrust dabei. Mit einer altertümlichen Holzwaffe, wie man sie aus Wilhelm Tell kennt, hat das Hochleistungsgerät nicht viel zu tun. Die Armbrust sieht aus wie ein Luftgewehr mit aufgesetztem Bogen, an dem die Sehne gespannt wird. Kostenpunkt: rund 6 000 Euro. Statt mit Pfeilen wird mit Bolzen geschossen, weil sie genauer sind.

Die Präzision ist es auch, die die 22-Jährige fasziniert. Einen guten Schützen macht aber auch Konzentration und Kondition aus. „Manche Wettkämpfe dauern vier Stunden. Es ist unheimlich schwer, über die ganze Zeit die Konzentration zu halten“, erzählt sie. Auch mit einem anderen Vorurteil räumt Weil gleich auf. „Armbrustschießen ist kein Altherrensport. Alt sind die meisten nicht. Und außerdem sind die Frauen eindeutig besser“, lacht sie.

Britta Weil hat das Schießen quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Der Opa war Gründungsmitglied des Schlierbacher Schützenvereins. Die Mutter selbst auch schon aktiv, sogar bei den deutschen Meisterschaften dabei. Mit zehn stand die kleine Britta zum ersten Mal auf der Schießbahn. Zuvor war das Mädchen Hunderte Male als Zuschauerin dabei. Mit elf schoss sie das erste Mal bei der deutschen Meisterschaft und wurde unter 120 Teilnehmern 20. in der Schülerklasse bis 14 Jahre. Nur ein Jahr später stand sie ganz oben auf dem Treppchen – Deutsche Meisterin. „Alle Familienmitglieder waren megastolz auf mich.“ Gefeiert wurde mit Kindersekt, und zur Belohnung gab es das erste große Gewehr. Mit 14 hat Britta die Armbrust für sich entdeckt. Dann ging alles ganz schnell. „Nach den ersten guten Ergebnissen rief der Bundestrainer bei mir an und lud mich zur Sichtung ein.“ Kurz darauf war Weil Mitglied der Nationalmannschaft. Im ersten Anlauf schaffte sie 2010 die Qualifikation zur WM in Frankreich, wo sie gleich mit der Mannschaft Vizeweltmeisterin wurde. 2013 dann ihr bisher größter Erfolg: Europameisterin mit Weltrekord in der Mannschaftswertung. „Den Rekord halten wir bis heute“, erzählt die 22-Jährige nicht ohne Stolz.

Zwölf Medaillen von deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften hängen in ihrem Zimmer zu Hause in Schlierbach. Zehn davon hat sie mit der Armbrust geholt. Zwei mit dem Luftgewehr, mit dem sie parallel in der 1. Bundesliga für den SV Affalterbach aktiv ist.

Der Erfolg hat aber auch seinen Preis. Rund das halbe Jahr ist Britta Weil auf Achse. Jedes Wochenende an einem anderen Ort in Europa. Größere Wettkämpfe dauern sogar ein bis zwei Wochen. Zwei bis drei Mal pro Woche Training. 35 000 Kilometer ist sie in diesem Jahr gefahren und „nebenher“ hat sie ihr Studium der Sozialpädagogik in Ingolstadt erfolgreich abgeschlossen.

Als nächstes steht die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2017 in Kroatien an. Dort will sie unbedingt dabei sein. „Bei großen Wettkämpfen sind immer 300 bis 400 Zuschauer da, das ist schon was anderes“, erzählt Weil. Auch die Stimmung ist toll, es ist nicht mucksmäuschenstill, wie mancher vermutet. „Die Zuschauer haben zum Teil sogar Trommeln und Glocken dabei. Da ist richtig Halligalli.“ Was bei der Quali herausspringt, sei schwer einschätzbar. „Ich trete zum ersten Mal in der Damenklasse von 23  bis 45 Jahren an, da ist wieder alles offen“, weiß die Europameisterin. Aber auch diese Herausforderung wird sie getrost dem Motto antreten, das ihre Mutter ihr mitgegeben hat: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.“Uli Weissinger

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