Lokalsport

Schnapszahl sorgt für Feierlaune

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Silvesterlauf 2018, Zieleinlauf mit Fackelträgern: Foto: Markus Brändli

Es ist jener Augenblick, auf den Silvesterlauf-Organisationschef Alexander Rehm mit Hochspannung gewartet hat: Um 16.20 Uhr erreicht ihn über den Knopf im Ohr eine frohe Botschaft, direkt von der Strecke übermittelt durch Siegfried Hauff. „555 Teilnehmer wurden am Ho-Chi-Minh-Pfad gezählt“, berichtet Lauftreffleiter Rehm, ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht. Nach dem Steilstück kurz vor der Burg wird traditionsgemäß die Anzahl der vorbeilaufenden oder zu diesem Zeitpunkt bereits gehenden Silvesterläufer registriert.

555: Die Schnapszahl sorgt für Feierlaune bei den Organisatoren. Sie ist gleichbedeutend mit der zweitbesten Beteiligung in der Geschichte des etwas anderen, weil ohne Zeitnahme durchgeführten, Jahresabschluss-Klassikers. Lediglich ein Jahr zuvor (603) stürmten mehr Joggerinnen und Jogger vom Kirchheimer Rathaus auf die Teck und zurück. „Eine großartige Teilnehmerzahl“, befindet folglich Lauftreffleiter Rehm, „gerade auch deshalb, weil wir in diesem Jahr keine besonders angenehmen Bedingungen haben.“ Dieser 31. Dezember ist in der Tat nichts für Schönwetter-Symphatisanten. Die Burg? Tief in Wolken und Nebel gehüllt. Die Wege? Nass und stellenweise matschig. Die Szenerie wirkt allgemein recht düster - zumindest hört es zehn Minuten vor dem Start auf zu regnen.

Doch die Witterungsbedingungen sind überhaupt kein Gute-Laune-Killer in den letzten Stunden des alten Jahres. „Die Atmosphäre ist einmalig“, schwärmt beispielsweise Silvesterlauf-Debütant Jörg Veigel, als er nach 18 Kilometern Laufvergnügen lächelnd im Ziel ankommt. Schnell noch ein Erinnerungsfoto von der Premiere, dann geht der 41-jährige Ötlinger mit der Familie zum gemütlichen Teil über. Unter den 115 Frauen im Feld ist Linn Kazmaier, seit frühester Kindheit stark sehbehindert - begleitet wird sie von Mutter und Bruder. „Geht nicht, gibt‘s bei Linn nicht“, sagt die Lenningerin Ulrike Abendschein vom Silvesterlauf-Organisationsteam. Sie kennt die sportbegeisterte Realschülerin aus Lenningen, verfolgt ihren Weg schon eine Weile mit. Linn habe ein großes Ziel: Die Paralympischen Winterspiele in Peking 2022.

Um 17 Uhr dann der emotionale Höhepunkt mit Gänsehaut-Garantie: Angeführt von 30 Fackelläufern absolvieren die Teilnehmer die letzten Meter in der Fußgängerzone - gefeiert von rund 300 applaudierenden Zuschauern und empfangen mit den Klängen der Posaunen und Trompeten der Turmbläser. Aus einem ganz besonderen Blickwinkel sieht Armin Hurler diese Szenerie. Der Trompeter ist einer der acht Turmbläser, die vom Rathausturm einen feierlichen Anstrich geben. „Dieser Silvesterlauf-Termin ist ein ganz besonderer im Jahr, der Blick über die nächtliche Stadt und auf die ins Ziel kommende Läufer ist schon sehr beeindruckend“, betont das Stadtkapelle-Mitglied.

Einige Meter weiter unten tummelt sich Heinz Bulmer unter den Zuschauern. Seit mehr als 30 Jahren ist der Wendlinger Stammgast beim Kirchheimer Silvesterlauf. Diesmal erfüllt er sich eine ganz besondern Wunsch. „Ich habe diesmal extra früher aufgehört, ich wollte nämlich unbedingt einmal den stimmungsvollen Zieleinlauf am Rathaus als Zuschauer sehen“, lautet die verblüffende Begründung des 61-jährigen Wendlingers für das diesmalige Nicht-Finalisieren des Rennens. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, eine schöne Stimmung“, lautet Bulmers Urteil. Der Lauf-Routinier gehörte 1999 zu jener Gruppe Entschlossener, die nach der Absage des Silvesterlaufs (der einzigen in der Historie) infolge des Orkantiefs Lothar damals die Strecke an Silvester in Eigenregie absolvierte.

Als alle Läuferinnnen und Läufer im Ziel sind, gibt es seitens der Organisatoren noch eine passende Hymne obendrauf. Zum Queen-Klassiker „We are the Champions“ werden die Teilnehmer zur Verpflegungsstation in den Rathaus-Arkaden geleitet. Brezeln, heiße Getränke, unzählige Selfies und Gespräche - der Kirchheimer Silvesterlauf klingt genauso fröhlich bis heiter aus, wie er um 15 Uhr begonnen hat.

Um 18 Uhr erinnert fast nichts mehr an die 37. Auflage des lokalen Laufevents. Lautsprecher und Zusatzlicht sind abgebaut, nur noch aus dem Inneren des Rathauses dringt Licht und Lachen. Für das 40-köpfige Organisationsteam um Alexander Rehm sowie die weiteren Heferinnen und Helfer hat nun auch der gemütliche Teil begonnen - im besten Wissen, dass der Silvesterlauf 2018 ein Mutmacher für kommende Auflagen ist. Reimund Elbe

@ Das Video von Andreas Schmid mit den Highlights zum Silvesterlauf gibt es auf der Homepage des Teckboten unter www.teckbote.de

Mancher Läufer baute auf den göttlichen Beistand und das Kruzifix im öffentlichen Raum. Markus Söder hätte seine helle Freude da
Mancher Läufer baute auf den göttlichen Beistand und das Kruzifix im öffentlichen Raum. Markus Söder hätte seine helle Freude daran.
Tierisch anstrengend, aber nicht tierisch ernst: Der Silvesterlauf war für Mensch und Tier der perfekte Start in Richtung neues
Tierisch anstrengend, aber nicht tierisch ernst: Der Silvesterlauf war für Mensch und Tier der perfekte Start in Richtung neues Jahr.
Trotz aller Anstrengung sah man viele glückliche Gesichter - ein gutes Omen.
Trotz aller Anstrengung sah man viele glückliche Gesichter - ein gutes Omen.
Die ersten Läufer dienten offensichtlich als „Nebelspalter“. Beim Eintreffen des großen Pulks hatte sich der Nebel rund um die T
Die ersten Läufer dienten offensichtlich als „Nebelspalter“. Beim Eintreffen des großen Pulks hatte sich der Nebel rund um die Teck nahezu verzogen.
Nach dem Zieleinlauf am Rathaus gab es bei Brezeln und heißen Getränken noch manch netten Plausch.
Nach dem Zieleinlauf am Rathaus gab es bei Brezeln und heißen Getränken noch manch netten Plausch.
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