Lokalsport

Schock für den Gründer-Club: Bundesliga-Aus nach 20 Jahren

Sportschießen Nach zwei Pleiten am Schlusskampftag steigen die Luftpistole-Schützen des TSV Ötlingen ab. Schützen-Chef Poppek will sofort wieder rauf. Von Thomas Pfeiffer

Am Ludwigsburger Schießstand: Ohne Teamstar Asgeir Sigurgeirsson verloren die Ötlinger 0:5 - der Abstieg war perfekt.Foto: Denni
Am Ludwigsburger Schießstand: Ohne Teamstar Asgeir Sigurgeirsson verloren die Ötlinger 0:5 - der Abstieg war perfekt.Foto: Dennis Dürr

Zäsur bei den Sportschützen des TSV Ötlingen. Das Gründungsmitglied der Luftpistole-Bundesliga ist nach 20-jähriger Zugehörigkeit künftig nur noch zweitklassig.

Der Schock sass tief – sowohl beim Schützen-Chef als auch der Mannschaft: Die hatte durch die Niederlagen gegen die HSG München (2:3) und SGi Ludwigsburg (0:5) beim Schlussdurchgang am Wochenende ihren Abstieg aus der Beletage des Deutschen Schützen-Bundes (DSB) besiegelt. Das Fatale: In der Endabrechnung fehlte der Rübholz-Truppe ein einziger Punkt zum Vorbeiziehen am SV Willmandingen – sogar eine 1:4-Pleite gegen die Barockstädter (anstatt dem 0:5) hätte zum Liga-Verbleib gereicht. „Sowas ist äußerst ärgerlich. Leider kann man es nicht mehr ändern“, erklärte der 69-jährige Abteilungsleiter Joachim Poppek am Tag nach dem Drama, das eines in zwei Akten war.

Es hatte damit begonnen, dass Weltcup-Schütze Asgeir Sigurgeirsson, der isländische Elektrotechniker, keinen weiteren Urlaubstag opfern konnte und dem Verein schon vor Wochen für den Wettkampf abgesagt hatte. Auch ohne seine Nummer eins gelangen dem TSV-Quintett im Auftaktkampf gegen die Münchner durch einen nervenstark erzielten Sieg von Stefan Scharpf über den albanischen Olympiastarter Arben Kucana im Stechen (10,0:8,8) sowie durch Routinier Markus Geipel zwei Einzelduell-Zähler. Gegen den Endrunden-Aspiranten aus Bayern rochen die Ötlinger fast am Sieg, handelten sich durch Jörg Kobarg, Achim Rieger und Fabian Dröge dann aber doch drei Niederlagen ein, was die interne Drucksituation verschärfte.

Weshalb die Parole am Sonntagnachmittag hieß: Gegen die SGi Ludwigsburg muss unbedingt ein Einzelpunkt her. Am Vormittag hatte Keller-Rivale SV Willmandingen Schlusslicht SG Thumsenreuth in Fürth mit 4:1 bezwungen und war bei Punktgleichheit in der Tabelle am TSV vorbei gezogen. Doch den folgenden Hitchkock-Krimi in der Ludwigsburger Sporthalle am Kugelberg hätten sich die Ötlinger gerne erspart. Zunächst bestand an den Ständen drei und fünf Hoffnung auf den einen Punkt, doch letztlich kassierten Achim Rieger (373:375) und Markus Geipel 370:376) Niederlagen, die fatal waren.

Rieger hätte beim finalen Schuss gegen Rene´ Potteck noch eine einzige Zehn zum Klassenerhalt gebraucht, schaffte letztlich aber nur 7,8 und reihte sich damit genau so in die Reihe der TSV-Nichtgewinner ein wie seine Kameraden Kobarg, Scharpf und Dröge, die ihre Duelle ziemlich glatt verloren. Am Ende war mit null Einzelsiegen gegen den schwäbischen Rivalen das schier Unmögliche passiert: der Bundesliga-Abstieg nach zwei Jahrzehnten.

„In Ludwigsburg ist alles gegen uns gelaufen, was gegen uns laufen kann“, haderte Poppek auch am Tag danach noch mit dem Fiasko in Ludwigsburg. Konsequenz: Der Abstieg betrifft auch die zweite TSV-Mannschaft – als Württembergliga-Meister bleibt Daniel Barner, Susi Scharpf, Nicola Gach und K.o. der Weg in die Zweitliga-Aufstiegsrunde nun verbaut.

Mit dem sportlichen Absturz fällt der (Bundesliga-)Saisonetat von bisher rund 12 000 Euro künftig weg und reduziert sich auf mehr als die Hälfte. Als Tränentrockner taugt diese Ersparnis für Poppek gleichwohl nicht: Lieber heute als morgen will Ötlingens Schützen-Macher seine Mannschaft wieder oben sehen. „In den nächsten zwei Wochen werden wir intern eine Sitzung abhalten und die Weichen für die neue Saison stellen“, sagt er. Seine Hoffnung ist, dass alle in der Abteilung mitziehen.

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