Lokalsport

„Sofortiger Wiederaufstieg“

Kirchheimer Fußballer nach dem Abstieg am Boden zerstört, doch der Trainer ballt die Fäuste

Nach der Schlimmer-geht‘s-nimmer-Befindlichkeit am Sonntag nun die Trotzreaktion mit geballten Fäusten: „Ganz klar: Unser Ziel ist der sofortige Wiederaufstieg“, sagte Spielertrainer Markus Schweizer zwei Tage nach dem 1:3-Desaster gegen den VfB Oberesslingen/Zell im entscheidenden Relegationsduell.

Ballbesitz für die Blauen - doch die in Orange gedressten Spieler des VfB Oberesslingen/Zell gewinnen in Weilheim das Spiel. Neb
Ballbesitz für die Blauen - doch die in Orange gedressten Spieler des VfB Oberesslingen/Zell gewinnen in Weilheim das Spiel. Neben dem VfL-Abstieg sorgen sie für den größten Tiefpunkt in der Kirchheimer Fußballgeschichte.Foto: Genio Silviani

Kirchheim. Rund 1 300 Augenpaare im Weilheimer Lindachstadion staunten nicht schlecht, wie Underdog VfB Oberesslingen/Zell am Sonntag Fußball-Goliath VfL Kirchheim trotz 0:1-Pausenrückstand vom Sockel stürzte. Mit den Zuschauern staunte Markus Schweizer. „Unsere schwache Leistung in der zweiten Halbzeit ist unerklärlich für mich“, sagte Markus Schweizer. Als das Trauerspiel schließlich beendet war und der historische VfL-Abstieg in die Kreisliga A feststand, sei er nur noch „fassungslos“ gewesen.

Während der anschließende VfL-Saisonausklang in Kirchheim für Sponsoren und Spieler anfänglich zur Trauerfeier wurde, flippte die Mannschaft des VfB Oberesslingen/Zell förmlich aus. Mittendrin: Dreifach-Torschütze Egemen Altindil (29). Diebisch über den Erfolg, der die Rückkehr in die Bezirksliga brachte, freute sich VfB-Trainer Avdo Smajic. Es war eine besondere Genugtuung für ihn, dem ungeliebten Gegner eins ausgewischt zu haben. Tags später war Smajics gute Laune vorübergehend weg, als er in der Zeitung vom angeblichen unfairen Schlussgong seiner Mannschaft in Weilheim las. Sein Dementi („meine Spieler haben niemals ‚Scheiß VfL‘ gerufen“) entpuppte sich per Video-Nachweis als richtig. Tatsächlich hatten Smajics Schützlinge nach Spielschluss lediglich „Wer ist VfL?“ skandiert und keinen verbalen Giftpfeil abgeschossen. Nachdem beide Sprüche phonetisch meilenweit auseinanderliegen, blieb schließlich das Rätsel, wie der Spruch von einem Edelfan verwechselt und in Umlauf gebracht werden konnte. Doch den siegreichen VfB-Spielern war der vorübergehende Stimmungsdämpfer schließlich egal. „Hauptsache, dass die Sache aufgeklärt ist und mein Team nicht als unfaire Mannschaft in der Öffentlichkeit dasteht“, erklärte Smajic gestern.

Während die VfB-Wiederaufstiegsfeierlichkeiten in den nächsten Tagen weitergehen, hat Oliver Klingler für Trauerarbeit über den tiefsten VfL-Absturz in der Nachkriegszeit nur wenig Zeit – Bis zum Transferschluss 30. Juni will der Abteilungsleiter noch zwei oder drei Lücken im Kader füllen. Aktueller Zwischenstand der Personalgespräche: Sieben Abgängern stehen bislang neun Neuzugänge gegenüber. Wobei Weilheims Landesliga-Torjäger Kai Hörsting der bekannteste VfL-Zuläufer ist. Umgekehrt ist der Verbleib von Sascha Beck vorerst ungeklärt, weil sich der Mannschaftskapitän Bedenkzeit erbeten hat. „Die Chance, dass er bleibt, steht 50 zu 50“, glaubt Klingler. Der neue Spielerkader soll 20 Kicker umfassen.

Quantitativ hätte Schweizer damit optimale Voraussetzungen. Qualitativ? Momentan verhandelt der VfL mit zwei weiteren potenziellen Neuzugängen, doch das Gerippe des Kaders steht. Der Spielertrainer ist sich ziemlich sicher, dass er und Kollegen in der Kreisliga A 2 die dominierende Rolle spielen können. „Der direkte Wiederaufstieg wird unser erklärtes Saisonziel sein“, sagt er. Klingler formuliert die Sehnsucht nach dem sofortigen Wiederaufstieg anders. „Wir werden eine Mannschaft auf die Beine stellen, die vorne mitspielen kann“, sagt er in typischem Funktionärsdeutsch.

Wer kommt und geht beim A-Kreisligisten VfL Kirchheim?

Abgänge Patrick Siegert (FV 09 Nürtingen), Sandra Capano (Ziel unbekannt), Max Renn (SV Ebersbach), Sven Rathgeb (Laufbahnende), Yasin Bozkurt (SC Altbach), Pascal Herrmann (TSV Köngen), Tobias Guillard (TSV Köngen) Neuzugänge Kai Hörsting (TSV Weilheim), Gabriele Rizzo (TG Kirchheim), Alexander Zydek (FC Heiningen II), Dino Scroppo (SF Dettingen), Martin Habram (TSV Weilheim II), Jonas Theile (VfL-A-Junioren), Marco de Oliveira (TSV Boll II), Timo Webinger (TSV Boll II), Joachim Kehl (TSV Owen) Wackelkandidaten Sascha Beck (Bedenkzeit), Marvin Kreck (Umzug nach Kempten) Kaderzahl 20 Spieler sind das Ziel – die Idealzahl für Spielertrainer Markus Schweizer, dessen Vertrag soeben um ein weitere Spielzeit verlängert wurde.top

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