Lokalsport

Spielabbruch erhitzt die Gemüter

Kreisliga-Fußball Die Schiedsrichterin sorgt in Reudern für Diskussionsstoff​, während der TSV Ötlingen den höchsten Spieltag-Sieg landet und Catania den besten Kreisliga-A-Start der Vereinsgeschichte hinlegt. Von Helge Waider

Das Spielobjekt in Schiedsrichterobhut - so geschehen gestern beim Abbruch der Kreisliga-B-Partie in Reudern. Symbolbild: Markus
Das Spielobjekt in Schiedsrichterobhut - so geschehen gestern beim Abbruch der Kreisliga-B-Partie in Reudern. Symbolbild: Markus Brändli

Eigentlich war die Kreisliga-B6-Partie der SG SV Reudern/TSV Oberensingen III gegen den TSV Jesingen II eine ganz normale. Animositäten waren nicht bekannt, zumal die Spielgemeinschaft erst ins Leben gerufen wurde. Dennoch kochten nach rund einer Stunde in Reudern die Emotionen hoch, und die Sicherungen bei dem ein oder anderen Akteur durch.

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Was war passiert? Nach einem Jesinger Foulspiel gab es vor dem fälligen Freistoß zuerst einen Disput, dann ein Gerangel, in deren Folge Schiedsrichterin Natalie Bloss vom SC Altbach dem Jesinger Soner Celkin die Rote und dem Reuderner Spieler die Gelbe Karte zeigte. Zehn Minuten später zog die Unparteiische nach einem Foulspiel und einer vorgeblichen Spielerbeleidigung erneut den Roten Karton gegen die Gerstenklopfer. Diesmal betroffen: Marco Marcen. Die folgende Rudelbildung von Akteuren beider Teams deutete Schiedsrichterin Bloss als Bedrohung durch Jesinger Spieler und brach die Partie beim Stand von 2:0 ab.

Die Pikanterie des Vorgangs erschließt sich freilich erst auf den zweiten Blick. Schiedsrichterin Bloss pfeift für den SC Altbach, wird aber beim SV Reudern als Jugendleiterin geführt. Steffen Müller, Schiedsrichter-Einteiler der Schiedsrichtergruppe Nürtingen: „Das Spiel war eine Tauschpartie mit der Schiedsrichtergruppe Esslingen. Wen die Kollegen einteilen, erfahre ich nicht.“ Fingerspitzengefühl wäre also gefragt gewesen, wurde aber offenbar nicht angewandt. Doch der Pikanterie noch nicht genug. Der zuerst vom Platz gestellte Jesinger Akteur Soner Celkin ist selbst Schiedsrichter in der Schiedsrichtergruppe Nürtingen und pfeift bis hinauf in die Landesliga. Kein Wunder, dass die Telefondrähte am frühen Abend in den beiden Schiedsrichtergruppen glühten. Das Ende ist offen - die Jesinger hoffen freilich auf ein Wiederholungsspiel.

Während in Reudern diskutiert wurde, holte sich in der gleichen Liga der TSV Ötlingen den höchsten Spieltag-Sieg. 12:0 fegten die Kirchheimer Teilörtler die SGEH II aus dem Rübholz. „Wir hätten auch 17 oder 18 Tore schießen können“, beschrieb Spielleiter Marco Geißler die Szenerie gegen einen völlig überforderten Gegner. Des Spielleiters Vater und TSV-Urgestein, Klaus Geißler, konnte sich an keinen höheren Sieg seiner Farben erinnern.

Viele Tore und eine seltene aber regelkonforme Schiedsrichterentscheidung gab es in Notzingen. Beim Spiel gegen die TG Kirchheim lief TG-Akteur Amadou Minteh zum Strafstoß an, verzögerte aber den Anlauf. Schiedsrichter Alexander Wille vom TSV Laichingen pfiff ab und entschied auf Freistoß für den TSV Notzingen. Am Ende siegte die Turngemeinde 8:1, weshalb sich über die Entscheidung wohl auch kaum jemand echauffierte.

Kurzfristig das Team gewechselt hat gestern Dettingens Torjäger Tim Lämmle, da sein Dienst als Wahlhelfer (wir berichteten) mit der Anstoßzeit der ersten Mannschaft kollidierte, spielte der Goalgetter kurzfristig in der Zweiten und führte das Team trotz eines verschossenen Elfers mit drei Toren zum Sieg beim KSV Nürtingen.

In der Altkreisstadt siegte in der Kreisliga A auch der AC Catania. 10:2 watschten die Kirchheimer den FV 09 Nürtingen II ab. Spielleiter Maurizio Latte: „Wir haben in der Kreisliga A noch nie zweistellig gewonnen.“ Die Rezeptur zum Siegen gab Spielertrainer Michel Forzano vor der Partie: einfach an die Pokalleistung gegen den VfL Kirchheim anknüpfen. Die Pokalpartie verlor der ACC bekanntermaßen, zeigte aber eine gute Leistung. In Nürtingen saß nach abgelaufener Sperre auch Sasa Lukic wieder auf der Bank, wurde zwar nicht eingewechselt, freute sich hinterher aber mit den Kameraden über den Kantersieg. Latte: „Wir haben den besten Kreisliga-A-Start der Vereinsgeschichte hingelegt. In der Saison 2009/10 hatten wir nach sechs Spielen 15 Punkte. Jetzt haben wir bereits 16 Zähler.“

Zählbares brachte endlich auch wieder Catania-Ligakonkurrent TSV Jesingen mit nach Hause. In Grötzingen gelang ein 3:2-Sieg. Coach Stefan Haußmann: „Wir lagen 0:2 zurück - da war am Ende der Sieg durch eine sehr gute zweite Halbzeit wie eine Befreiung.“ Trainertandem-Kollege Gaetano Caruana spielte im zweiten Spielabschnitt mit, ordnete und verteilte Bälle im zen­tralen Mittelfeld und gab den jungen Akteuren die notwendige Sicherheit. Grötzingens Spielleiter Olav Sieber goss freilich selbstbewusst etwas Wasser in den Jesinger Siegerwein: „Bei uns haben neun Spieler gefehlt. In Bestbesetzung spielen wir normal um Platz zwei oder drei mit.“