Lokalsport

Spielgemeinschaften als Modell der Zukunft

Die Fußballerinnen der SGM Wendlingen/Ötlingen haben sich innerhalb kürzester Zeit einen Namen erspielt

Die SGM Wendlingen/Ötlingen ist im Mädchenbereich die größte Spielgemeinschaft im Fußballbezirk Neckar/Fils. Dank gelungener Jugendarbeit und Nachwuchsförderung mangelt es weder an Kickerinnen noch an Erfolg.

Immer einen Schritt voraus: Die SGM Wendlingen-Ötlingen (am Ball Anna Haussmann im Spiel gegen die SGM Schlierbach/Baltmannsweil
Immer einen Schritt voraus: Die SGM Wendlingen-Ötlingen (am Ball Anna Haussmann im Spiel gegen die SGM Schlierbach/Baltmannsweiler) ist innerhalb des Bezirks Neckar/Fils eine echte Hausnummer.Foto: Genio Silviani

Wendlingen. „Zum Aufwärmen gibt es eine Schneeballschlacht“, scherzt Reno Eichhorst, Trainer der B-Juniorinnen der SGM Wendlingen-Ötlingen. Auf dem schneebedeckten Spielfeld, das von Flutlichtstrahlern beleuchtet wird, laufen sich 20 Fußballerinnen für das Training warm. Trotz Osterferien, Schneefall und eiskaltem Wind haben sich gut zwei Drittel der B-Juniorinnen und der Frauenmannschaft auf dem Sportplatz im Speck in Wendlingen eingefunden. Den regen Trainingsbetrieb erklären sich die Trainer damit, dass „die Mädels richtige Sportlerinnen sind.“ Sie beziehen sich dabei auf ihre Disziplin, ihre Fitness und den Ehrgeiz, die Rückrundenspiele möglichst gut zu meistern. Die B-Jugend-Mädchen der SGM spielen in der höchsten württembergischen Liga, der Verbandsstaffel. Dort stehen sie mit nur einem verlorenen Spiel auf dem ersten Tabellenplatz. Die Frauenmannschaft spielt in der Bezirksliga und führt dort ebenfalls die Tabelle an. Allerdings mit zwei Spielen mehr als der direkte Konkurrent und Aufstiegsfavorit, die SGM Jebenhausen/Betzgenriet.

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Erfolgsrezept der vor zwei Jahren gegründeten SGM ist die Nachwuchsarbeit, die seit den Anfängen des Mädchenfußballs in Ötlingen vor acht Jahren dazugehört. Damals haben fußballbegeisterte Mädels gemeinsam mit den Buben bei den Bambinis trainiert. Allerdings hatten sich schon ab der E-Jugend genug Fußballerinnen gefunden, um eine reine Mädchenmannschaft zu gründen. Ein Großteil der Bambinis von damals spielt heute in der Frauenmannschaft. „Früher mussten wir den Mädels noch die Schuhe binden“, erinnert sich Martin Bestenlehner, neben Reno Eichhorst der zweite Trainer der B-Juniorinnen. Heute haben die meisten der 17- und 18-Jährigen vor allem ein Thema: Nach den Osterferien stehen die Abiturprüfungen an. Fast alle SGM-Kickerinnen kamen durch Freundinnen, Schulkameradinnen oder Bekannte zum Fußball.

So rund wie bei der Spielgemeinschaft des TSV Wendlingen und TSV Ötlingen läuft es längst nicht überall. Der VfL Kirchheim hat seine Frauenmannschaft erst vor ein paar Wochen wegen Spielerinnenmangels abgemeldet. Heinz Thumm, Frauen-Referent des WFV für den Bezirk Neckar/Fils, bezeichnet den Wegfall der Kirchheimer Mannschaft als „sehr bitter.“ Dennoch ist es kein Einzelfall, denn „nach dem großen Boom durch die WM 2011, haben mittlerweile einige Vereine ihre Mannschaften zurückgezogen.“ Frauen- und Mädchenfußball ist trotz Weltmeisterschaft im eigenen Land immer noch kein Selbstläufer. Die SGM bemüht sich deshalb, dem Personalmangel vorzubeugen und den Mädchen den Einstieg in den Fußball zu erleichtern: „Letztes Jahr haben wir Flyer an Schulen verteilt und sind direkt auf Sportlehrer zugegangen“, erzählt Martin Bestenlehner. Sotiris Suck, Trainer der Frauenmannschaft, ergänzt: „Unsere sportlichen Erfolge ziehen natürlich auch Spielerinnen an.“ Außerdem gab es im Zuge des Eröffnungsturniers der neuen Anlage im Speck im Juli 2012 einen Schnupperparcours für die ganz Kleinen.

Der Zusammenhalt der Mädels ist groß, obwohl oder vielleicht gerade weil das Projekt Mädchenfußball zu Beginn gemischte Reaktionen hervorrief: „Am Anfang haben wir ganz schön zu kämpfen gehabt, da sind wir gern mal belächelt worden“, gibt Reno Eichhorst zu. Mittlerweile werden die Sportlerinnen respektiert, zu ihren Spielen kommen sogar Zaungäste aus der Männermannschaft des TSV Ötlingen. Zur Etablierung beigetragen hat auch, „dass die Betreuer und Trainer selbst schon lange Zeit im Verein tätig sind und viele kennen“, fährt er fort.

Die SGM ist im Mädchenbereich der größte Verein im Bezirk Neckar/Fils und „auch der einzige, der durchgängig in allen Altersklassen Mannschaften stellt. Sieben Mannschaften im weiblichen Bereich zu haben, ist gewaltig“, sagt Heinz Thumm. Das funktioniert auch nur, weil die SGM für ihre 100 Spielerinnen 13 Betreuer hat. Zukunftssorgen wegen möglicher Abgänge der Abiturientinnen haben die drei Trainer nicht: „Aus der B-Jugend kommen nächste Saison neun Spielerinnen zu den Frauen und in der C-Jugend haben wir momentan über 30.“ Spielgemeinschaften sehen die drei Trainer als das Modell der Zukunft, denn „nur so kann vernünftiger Betrieb gewährleistet werden.“