Lokalsport

Star ohne Starallüren​

Ex-Nationalspieler David Odonkor entpuppte sich bei der Einweihung eines Kirchheimer Wettbüros als Mann, der keine Starallüren kennt. Zwei extra eingekaufte Security-Leute hatten wenig zu tun.

Nachdenklich und ganz ohne Starallüren: Ex-Nationalspieler und Big-Brother-Sieger David Odonkor kam in Kirchheim bestens an.Foto
Nachdenklich und ganz ohne Starallüren: Ex-Nationalspieler und Big-Brother-Sieger David Odonkor kam in Kirchheim bestens an.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Als David Odonkor trotz 500-Kilometer-Anfahrt fast von der niederländischen Grenze früher als geplant in der Schwab­straße 19 ankommt, ist noch keiner seiner Fans da. Auch später, als seine Autogrammstunde beginnt, füllt sich die Stube anfangs kaum, doch gegen 19 Uhr ist sie mit 50 Mann und einigen Frauen rappelvoll. Kein Wunder, denn die Losziehung für einen nagelneuen 15 000 Euro-Kleinwagen, spendiert von der Wettspielkette eigens zur Neueröffnung des Kirchheimer Wettbüros, steht kurz bevor. Als Stargast Odonkor die rund 5 000 Stimmzettel im Minicontainer durchwühlt, einen herauszieht und den Namen des Adressaten verliest, macht er den Bosnier Adis Mujagie zum glücklichsten Menschen des Abends. Der Mann ist Kanalarbeiter, lebt in Kirchheim und spricht kaum Deutsch. Jetzt hat er mal richtig Dusel gehabt und künftig etwas zum Vorzeigen daheim: den Zweitwagen aus Südkorea.

Anzeige

David Odonkor (31) ist Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen, 16-facher Nationalspieler und lebt zusammen mit Ehefrau Suzan (28) und Töchterchen Adriana (6) in Bielefeld. Seit er nach zwölf Knieoperationen 2013 Schluss mit der Profi-Karriere machte, ist er zu verschiedenen Anlässen viel unterwegs. Mal als Veranstaltungs-Promi, mal mit der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund, mal als Markenbotschafter für eine Schweizer Kaffeefirma („wir produzieren die weltweit erste kompostierbare Kaffeekapsel“), mal in der TV-Serie Big Brother. Oder, wie jetzt, als Zugnummer bei einer Geschäftseröffnung im Schwäbischen. Vermittelt hat ihn der befreundete Stuttgarter Rechtsanwalt Herakles Dimitriadis, der den früheren BvB-Flügelflitzer auch schon mal wegen überhöhtem Tempo juristisch vertreten hat. Wer wie Odonkor Kilometerfresser ist, übersieht schon mal ein Warnschild.

Wie viel Euro sie ihm bezahlen für seinen aufwändigen Tages-Trip ins Schwäbische, bleibt naturgemäß Betriebsgeheimnis, doch sicher ist eins: Der Modellathlet, der mit seiner spektakulären Torvorlage im WM-Spiel 2006 gegen Polen (1:0) in die Fußball-Geschichte einging, kommt in Kirchheim wegen fehlender Starallüren bestens an, bei Spielern und der Crew um Wettbüro-Geschäftsführerin Dana Engletzer. Odonkor, der keine Starallüren kennt, bleibt stets locker und ist schnell mit allen per Du – kein Schwätzchen mit den Fußball-, Pferde- und Windhunde-Wettern schlägt er aus. Sein zweiwöchiges Engagement in der nicht unumstrittenen Sat1-Show „Promi Big Brother“ im Sommer verteidigt er („ich wollte den Leuten mal zeigen, wie ich wirklich bin“), seinem BvB wünscht er die Vizemeisterschaft und später allen einen schönen Abend: In Stuttgart wartet auf den viel gefragten Odonkor am selben Tag noch ein zweiter Termin.

Als der dunkelhäutige Fußball-Vip die Wett-Location nach getaner Arbeit unbeschadet verlässt, haben schließlich auch Panagiotis Panagiotidis und dessen Kollege Feierabend. Extra wegen des Odonkor-Gastspiels waren die beiden Stuttgarter Security-Leute vom Wettbüro-Betreiber eingekauft worden. Panagiotidis, bei politischen Veranstaltungen auch schon mal Leibwächter von Ministern und anderen wichtigen Leuten, sah Gefährdungspotenzial durchaus vorhanden: „Es hätte ja sein können, dass irgendjemand mit David Odokonrs Hautfarbe oder seiner Persönlichkeit ein Problem hat. Für solche Fälle sind wir da“, sagte er.

Doch es blieb alles ruhig an diesem Abend – der „Dortmunder Jung“ Odonkor geriet in der VfB-Hochburg nicht zur Reizfigur, sondern zum Sympathieträger.