Lokalsport

Starthilfe für den Coconut-Fighter

Olympia Der Skilanglaufexot Pita Taufatofua aus Tonga hat Sportgeschichte geschrieben – auch dank freundlicher Unterstützung aus der Teckregion. Von Bernd Köble

Die Fahne aus Tonga, die Stöcke aus Kirchheim: Pita Taufatofua nach dem Zieleinlauf in Pyeongchang.Foto: Franck Fife/afp
Die Fahne aus Tonga, die Stöcke aus Kirchheim: Pita Taufatofua nach dem Zieleinlauf in Pyeongchang.Foto: Franck Fife/afp

Dass man keine Medaille gewinnen muss, um sich einen Platz in den olympischen Annalen zu sichern, ist bekannt. Bobpiloten aus Jamaika, ein verschrobener Skiadler von der britischen Insel - das gab es alles schon. In der Kategorie Sport-Exoten gehörte die Bühne in Pyeongchang diesmal Pita Taufatofua aus Tonga. Die Geschichte des Mannes vom Südsee-Atoll, der am vergangenen Freitag im 15-Kilometer-Langlaufrennen als Viertletzter seinen persönlichen Olympia-Triumph feierte, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Was nur wenige wissen: Dass der 34-Jährige seinen Überlebenskampf in der Loipe mit erstklassigem Material gewann, hat er Unterstützern aus Lenningen und Kirchheim zu verdanken.

Hilfsangebot am Flughafen

Es war bei der Nordischen Ski-WM Anfang März im finnischen Lahti, als sich die Wege von Gunter Kirchgeorg und Pita Taufatofua im vergangenen Winter zum ersten Mal kreuzten. Der eine startete im hohen Norden gerade seine Mission Olympia 2018, der andere folgte als eingefleischter Wintersportfan einer Einladung der österreichischen Skispringer und deren Co-Trainer Harald Rodlauer, mit dem er eng befreundet ist. „Am Flughafen-Gate standen sie plötzlich vor mir“, erinnert sich Kirchgeorg. Zwischen dem 67-Jährigen Einzelhändler aus Oberlenningen, dem Langläufer aus dem polynesischen Königreich und seinem Manager Steve Grundmann entwickelte sich ein Small Talk und ein spontanes Hilfsangebot. Der als „Coconut-Fighter“ bekannt gewordene Taekwondo-Kämpfer, der 2016 schon bei den Sommerspielen in Rio am Start war und sein Traum von der Winter-Olympiade - eine Geschichte, die zündete und die an einem nicht scheitern sollte: am fehlenden Ausrüster. Kirchgeorg, in offiziellen Wintersportkreisen gut vernetzt, fand in der Kirchheimer Leki-Chefin Waltraud Lenhart und einem österreichischen Ski-Hersteller willige Mitstreiter. Ein Support in der Warteschleife, denn bis zum letzten Quali-Rennen am 18. Januar auf Island war unklar, ob Taufatofua es überhaupt bis nach Südkorea schaffen würde. Der Rest ist bekannt: Nach nur zwölf Wochen Schneetraining mit seinem Pfullendorfer Coach Thomas Jacob hat Tongas einziger Loipen- star sein Ziel erreicht: Ihm wurde mehr Aufmerksamkeit zuteil als manchem Medaillengewinner. Als halbnacktem Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier und als Langläufer, der ins Ziel kommen wollte, „ohne einen Baum zu treffen“. Vielleicht wird ja irgendwann ein Film draus. In der Nebenrolle: ein Blumen- und Gemüsehändler aus Oberlenningen.

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