Lokalsport

Steimle bleibt keine Zeit für EM-Frust

Radsport Der Weilheimer ist bereits am Mittwoch als Titelverteidiger bei der fünftägigen Slowakei-Rundfahrt am Start. Von Bernd Köble

Ist in der Slowakei als Titelverteidiger am Start: Jannik Steimle.   Foto: pr

Nicht lange drumherum reden, wenn’s mal nicht so läuft – auch das gehört zum Werdegang eines Profis, nicht nur im Radsport. Im Nachgang hätte Jannik Steimle auf einen EM-Start besser verzichtet. Rund um Trento, an den Hängen des Monte Bondone, sind schon Kletter-Giganten auf Zwergenmaß geschrumpft. Am Sonntag überschritt die Zahl der Opfer des anspruchsvollen Kurses durchs Hinterland des Gardasees bei Weitem die Anzahl derer, die das Ziel erreichten. Von den knapp 150 gestarteten Fah­rern erreichten beim Sieg des Italieners Sonny Colbrelli am Ende nur 31 das Ziel in Trento. Steimle gehörte zu jenen, die vorzeitig ausgestiegen sind. Als einziger „Überlebender“ im Trikot des BDR beendete Simon Geschke das Rennen auf Platz 16. „Da braucht man gar nicht lange nach Ausreden zu suchen“, meinte Steimle hinterher. „Dieser Kurs war brutal. Ich hatte heute einfach nicht die Beine.“
Abgehakt, vergessen. Gestern saß der 25-Jährige aus Weilheim bereits im Auto auf dem Weg in die Slowakei, wo am Mittwoch in KoŠice die fünftägige Slowakei-Rundfahrt mit einem 1,6 Kilometer langen Prolog beginnt. Der Pokal, den es zu verteidigen gilt, steht bei ihm daheim im Schrank. Nach Julian Alaphilippe und Ives Lampaert setzte Steimle im vergangenen September die Reihe der Gesamtsieger im Trikot von Quick-Step fort. Es war sein vorerst letzter Erfolg vor seiner sturzbedingten Verletzungspause im Frühjahr. Diese Durststrecke zu beenden, dürfte in den kommenden Tagen allerdings nicht einfach werden. Nicht nur, weil die vier Tages­etappen in diesem Jahr eher den Sprintern in die Karten spielen, mit dem dreifachen Straßenweltmeister und Lokalmatador Peter Sagan und dem vierfachen Toursieger Chris Froome ist auch hochkarätige Konkurrenz am Start.
Zweifel sind dennoch nicht angebracht. Trotz EM-Frust und einer Saison ohne Erfolgserlebnis bisher. Sein erst jüngst verlängerter Vertrag mit Quick-Step gibt Steimle die nötige Sicherheit und Ruhe. Die letzten Monate nach seinem Comeback waren nicht einfach. „Meine Leistungswerte stimmen“, sagt er. Irgendwann kommen auch die Resultate zurück. Wenn nicht jetzt, dann im nächs­ten Jahr.


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