Lokalsport

„Stricknadelboxer“ haben keine Nachwuchssorgen

Fechten Die zweitkleinste Abteilung des VfL Kirchheim hat etliche Toptalente in ihren Reihen.

Die VfL-Fechtjugend um Toptalent Titus Werner (vordere Reihe, Vierter von links). Foto: Markus Brändli
Die VfL-Fechtjugend um Toptalent Titus Werner (vordere Reihe, Vierter von links). Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Titus Werner ist ein aufgeweckter Junge mit großem Bewegungsdrang. Kinder wie der Zwölfjährige lieben den Sport. Sie spielen Fußball oder Handball. In Kirchheim gern auch Basketball. Oder sie turnen, toben sich auf der Laufbahn aus. Aber Fechten? Zwar eine faszinierende Sportart. Doch seit den glorreichen Siebziger-Jahren, als die Musketiere aus Tauberbischofsheim international alle Medaillen abräumten, scheint das Fechten, zumindest bei uns in Deutschland, etwas aus der Zeit gefallen zu sein.

Da bedarf es gelegentlich schon eines Zufalls, um Anfänger für diese Sportart zu begeistern. Wie den kleinen Titus. Peter Grotz, ehrenamtlicher Fechttrainer beim VfL Kirchheim, organisierte in Ohmden im Rahmen des jährlichen Ferienprogramms einen dreitägigen Anfängerkurs. Titus machte mit - und war gleich Feuer und Flamme.

Inzwischen sind mehr als drei Jahre vergangen, und Titus hat sich zu einem hoffnungsvollen Nachwuchsfechter entwickelt. Zweimal in der Woche trainiert er beim VfL, unter anderem bei Abteilungsleiter Thomas Großstück und bei Diplom-Fechtmeister Matthias Wendland, der aus der TBB- Schule des legendären Fechtgurus Emil Beck kommt. Zweimal ist der Junge auch mit der S-Bahn in die Landeshauptstadt unterwegs, wo er sich im Landesleistungszentrum PSV Stuttgart in die weiteren Geheimnisse des „Stricknadelboxens“, wie seine Sportart scherzhaft genannt wird, einweihen lässt.

Der PSV ist auch der Verein, für den Titus bei Turnieren an den Start geht. Er agiert mit Köpfchen. Studiert den Gegner erst ganz genau, bevor er seine Treffer setzt. Rückwärtsgang ist ein Fremdwort für ihn. Seine bisherigen Erfolge können sich sehen lassen: Sieger beim „Ludwigsburger Barock“, Zweiter in München, Dritter beim Taubertal-Cup, Dritter beim „Stuttgarter Rössle“, Bezirksmeister seiner Klasse. „Er lebt das Fechten“, lobt Trainer Grotz.

Seine Begeisterung wirkt ansteckend. Die VfL-Fechtabteilung erlebt einen regen Zulauf von Anfängern, auch aus den Nachbargemeinden. Unter ihnen die zwölfjährige Sina Schwarz, die ebenfalls die doppelte Ausbildung beim VfL und PSV wie der 16-jährige Noel Pavier in Anspruch nimmt. René Fischer (12) kommt aus der Leichtathletik und spielt im Fechten seine Schnelligkeit aus. Als Neuling, der gerade die Anfängerprüfung hinter sich hatte, überraschte er kürzlich beim „Young Masters“ in Ditzingen mit Platz drei.

Fechten in Kirchheim boomt

Alle Anfänger bevorzugen - wie die meisten anderen der rund 40 Aktiven beim VfL - das Florett. Sie ist die spektakulärste, aber auch komplizierteste Waffe, bei der ein Treffer mit der Klingenspitze nur zählt, wenn vorher ein Angriff des Gegners abgewehrt wird. Trefferfläche ist im Gegensatz zum Degen, wo der ganze Körper gilt, lediglich der Rumpf ohne Arme und Beine. Bei der Hieb- und Stichwaffe Säbel zählen Treffer auf den gesamten Oberkörper einschließlich Kopf und Maske. Alle drei Waffenarten erfordern gute Kondition und die Fähigkeit, Aktivitäten des Gegners rechtzeitig zu durchschauen und taktisch zu nutzen.

Die Voraussetzungen dafür schaffen die Ausbilder in der nach den Ringern zweitkleinsten Abteilung des VfL. Sie tun es mit Erfolg - das Fechten in Kirchheim boomt. „Wir mussten uns sogar schon mit einem Aufnahmestopp befassen“, sagt Thomas Großstück nicht ohne Stolz. Klaus Schlütter

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