Lokalsport

Strömungen in der Fuchsgrube spülen Rueff fort

Köngens Coach nimmt am Saisonende seinen Hut – Weilheimer Parallele zum VfL anno 2013

Die Weilheimer Freitagspleite in Ebersbach hat Folgen: Die Limburgstädter rutschen nach dem Sieg des TSV Bad Boll von Platz drei auf vier und spüren dort bereits den Atem der ebenfalls siegreichen Geislinger. Dabei war in Ebersbach mehr drin.

Ebersbach. So gleichen sich die Bilder: Am 16. August 2013 war mit dem damaligen VfL-Trainer Andreas Gerstenberg schon einmal der Trainer eines Teckvereins nach einer Niederlage freitagsabends ratlos über das Ebersbacher Sportgelände geschlichen. Zugegeben: Das damalige 1:6 der Kirchheimer im Landesligaduell mit dem SVE war deutlich schlimmer als die 0:3-Pleite der Weilheimer am vergangenen Freitag – zumal Gerstenberg drei Tage später von Abteilungsboss Fabian Preuß an die Luft gesetzt worden war.

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Doch auch das Trainertriumvirat des TSVW mit Alex Hübbe, Chris Eisenhardt und Danell Stumpe konnte vor drei Tagen nur den Kopf schütteln. „Klar war Ebersbach besser, aber wir haben es ihnen auch zu leicht gemacht“, ärgerte sich Eisenhardt stellvertretend für seine coachenden Kollegen darüber, dass die Weilheimer fast eine Stunde lang wie das Kaninchen vor der Schlange agierten.

Kaum zufällig analysierte auch Ebersbachs Trainer Dinko Radojevic, dass „wir ein bis zur 60. Minute sehr gutes Spiel von uns verdient gewonnen haben.“ Soll heißen: Die letzte halbe Stunde waren die Limburgstädter am Drücker, hätten den Tabellenführer vor allem mit einem verwandelten Elfmeter in der 65. Minute nochmals unter Druck setzen können. Doch weder Schütze André Kriks noch Felix Hummel im Nachschuss konnten SVE-Goalie Timo Schurr überwinden, der im weiteren Verlauf noch zwei Großchancen von Lennart Zaglauer und Tim Sternemann vereitelte und so zum Ebersbacher Matchwinner wurde.

Die Zaungäste des Spitzenspiels im Ebersbacher Strut waren so zahlreich wie illuster. Über VfL-Torwartlegende Werner Hund, seine Kirchheimer „Fußball-Nachkommen“ Kai Hörsting, Nicolo Incorvaia, Michael Schweizer und Markus Schweizer bis hin zu Köngens Coach Ralf Rueff (Foto: Rudel)waren etliche Szene-Kenner unter den rund 400 Zuschauern.

Apropos Ralf Rueff: Seit vergangener Woche ist bekannt, dass der Vater von Weilheims Defensivmann Robin Rueff am Saisonende seinen Hut in der Fuchsgrube nehmen wird. Nach vier erfolgreichen Jahren haben sich Abnutzungserscheinungen ergeben. „Der Trainer ist hoch motiviert. Aber es gab Strömungen im Team, die neue Impulse von außen wünschten. Nun ist die Mannschaft gefordert Charakter zu zeigen. Es gibt kein Alibi mehr“, macht Köngens Urgestein Joachim Dienelt eine klare Ansage. Potenzielle Rueff-Nachfolger gebe es laut Dienelt zwei, Namen nennt er freilich keine. Rueff selbst, der eine couragierte Leistung seiner Elf sah, hat noch keine Entscheidung über einen neuen Trainerjob getroffen. „Es gibt zwei bis drei Anfragen, aber momentan zählt erst noch Köngen. Wir müssen den Kreislauf durchbrechen, der uns zur Zeit nach unten bringt.“ Nach der 0:1-Pleite in Waldstetten ist der TSVK auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht.

Die Weilheimer Niederlage in Ebersbach ausnutzen konnte der TSV Bad Boll. Die Elf von Benjamin Geiger gewann beim TV Echterdingen und kletterte auf Rang drei. Ambitionen in Richtung der beiden Spitzenteams Ebersbach und Calcio Leinfelden-Echterdingen, das trotz 40-minütiger Überzahl (der ehemalige VfL-Kicker Patrick Siegert hatte wegen einer Notbremse Rot gesehen) beim 0:0 in Nürtingen patzte, hegen die Kurörtler allerdings nicht. „Wir sind sehr zufrieden, wie die Runde bislang verläuft. Platz drei zu verteidigen wäre schon ein Riesen-Erfolg. Wir schauen eh immer nur von Spiel zu Spiel“, konstatiert Bolls Abteilungsleiter Günther Ascherl. Ins gleiche Horn stößt Trainer Geiger. „Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Wichtig war, dass wir wieder einmal drei Punkte mitgenommen haben und nach hinten endgültig nichts mehr passieren kann.“

Dass dies so ist, verdankten die Boller am gestrigen Sonntag Siegtorschütze Michael Heilemann. Der Mittelfeld-Mann mit Kirchheimer Vergangenheit sorgte in Unterzahl, Top-Torjäger Daneil Zuljevic (18 Saisontreffer) hatte in der 70. Minute Gelb-Rot gesehen, zehn Minuten vor Schluss für das entscheidende 3:2, und damit auch für Katzenjammer in Echterdingen.

„Wir machen einfach zu viele individuelle Fehler. So haben wir auch unsere Führung bis zur Pause verspielt“, klagte TVE-Coach Aleksandar Kalic. Seine Kabinenpredigt brachte immerhin das 2:2 durch Max Knoll hervor. Trotz Spiel auf ein Tor reichte es am Ende freilich nicht zum Sieg. Somit bleibt der Turnverein von den Fildern eine Mannschaft, „die jeden schlagen und auch gegen jeden verlieren kann“ (Kalic), und steht permanent an der Schwelle Plätze nach oben gut machen zu können oder sich noch Sorgen um den Klassenerhalt machen zu müssen. „Wir haben genug Qualität, um noch zwei Siege zu holen. 35, 36 Punkte werden in dieser Saison zum Klassenerhalt reichen“, orakelt Kalic, der im Derby gegen Bonlanden am kommenden Spieltag mit dem 100. Spiel auf der TVE-Bank ein Jubiläum feiern wird.

Jene Bonlandener werden jedoch eine harte Nuss für Kalics Elf. Der Aufwärtstrend nach dem Trainerwechsel von Klaus Fischer zu Klaus Kämmerer hält weiter an. Mit dem 3:1-Erfolg in Dorfmerkingen steht der SVB bereits auf Relegationsrang zwölf.