Lokalsport

Stuhlkreis statt Strafarbeit

Basketball Mannschaft und Trainer der Knights haben ein schwarzes Wochenende gestern in zahlreichen Gesprächen zu verarbeiten versucht. Von Bernd Köble

Auf der Suche nach dem eigenen Ich auf dem Spielfeld: Knights-Spielmacher Carrington Love steckt nach einer Reihe herausragender
Auf der Suche nach dem eigenen Ich auf dem Spielfeld: Knights-Spielmacher Carrington Love steckt nach einer Reihe herausragender Spiele im Formtief.Foto: Tanja Spindler

Irgendwann endet jede Party. Die erste Heimniederlage gegen starke Trierer, die zweite Niederlage überhaupt erst in dieser Saison. Kirchheims Basketballer, noch immer Zweiter mit vier Punkten Vorsprung auf Platz drei. Wer soll sich da grämen? Wenn keiner so recht weiß, was als normal zu gelten hat, wo die Mitte liegt zwischen Anspruch und Wirklichkeit, tut man sich mit harscher Kritik tatsächlich schwer. Kirchheims Chefcoach Michael Mai dürfte seit Samstag dennoch in verschärfter Alarmbereitschaft stehen.

Nicht aufgrund der ersten Heimniederlage, vielmehr wegen des zweiten schwachen Auftritts seiner Mannschaft in Folge. Was gegen die U20 aus Baunach gerade noch gut ging, haben ausgebuffte Trierer am Samstag schließlich gnadenlos bestraft. Gegen eine nachlässige Kirchheimer Abwehr, die im Dreier-Gewitter der Gladiators den letzten Halt verlor. Während auch in der Offensive alles beim Alten blieb: einfachste Bälle einfach verlegt. In Zahlen liest sich das so: 34 zu 66 Prozent der Würfe aus dem Feld, nur vier erfolgreiche Dreier bei 17 Versuchen. Der Gegner traf 13 von 25.

„Wir haben keinen Grund, in Panik zu geraten“, sagt Headcoach Michael Mai, der gestern nicht zur Peitsche griff, sondern das Gespräch mit der Mannschaft suchte. Die außerplanmäßige Teamsitzung dauerte lange. Erst Einzelgespräche, dann in versammelter Runde. Nach elf Siegen und zwei schwachen Spielen muss man nicht gleich alles über Bord werfen. „Wir müssen den Fokus neu schärfen und neue Energie sammeln“, übt sich der Trainer in der Rolle des Psychologen. Das gilt vor allem für die Defensive, die in dieser Woche den Trainingsalltag bestimmen und wohl auch darüber entscheiden wird, ob das Top-Duell in Weißenfels am Samstag der Genesung dient oder den nächsten Rückschlag bringt. Mehr Energie, mehr Entschlossenheit. Das ist, was Mai fordert. An der Ausgangslage hat sich vor dem Gang zum Tabellenführer aus Trainersicht ohnehin nichts geändert. „Wir haben dort nichts zu verlieren,“ sagt der Coach.

Eine knappe Woche bleibt Zeit, um neues Selbstvertrauen zu wecken. Der 23-jährige Spielmacher Carrington Love und selbst ein erfahrener Kapitän wie Andreas Kronhardt wirkten zuletzt völlig verunsichert. Love scheint die Balance zwischen gesundem Egoismus und Führungsrolle auf dem Parkett noch nicht gefunden zu haben. Für seinen Trainer ist das Teil der Entwicklung. „Es ist sein erstes Jahr in Deutschland“, wirbt Michael Mai um Geduld. „Wir arbeiten mit Menschen und nicht mit Robotern.“

Das vergangene Wochenende in der Pro A hatte immerhin auch positive Seiten: Mit Crailsheim und Hanau haben zwei direkte Verfolger ebenfalls Federn gelassen. Gegen beide Teams geht es in den beiden verbleibenden Spielen vor Weihnachten. So vermessen es nach dem Wochenende klingen mag: Die Knights haben es selbst in der Hand, dass die Tabelle so bleibt, wie sie ist.

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