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Gruppenmodus oder K.o.-Spiele? Das Teckbotenpokalturnier in Neidlingen löst Diskussionen aus

Das 51. Teckbotenpokalturnier ist gerade erst abgepfiffen worden, da denken manche Vereins-Verantwortlichen schon an das nächstjährige Meeting in Weilheim (26. Juli bis 3. August 2014). In Neidlingen präsentierte der Ausrichter mutig einen bis dahin unbekannten Spielmodus, der stark polarisierte. Die Frage ist, ob der beim Zeitungscup 2014 wiederholt wird oder wieder in der Schublade verschwindet.

Durch den Wegfall der Achtelfinal- und Viertelfinalspiele im K.o.-System gab es beim Turnier in Neidlingen ein einziges Elfmeter
Durch den Wegfall der Achtelfinal- und Viertelfinalspiele im K.o.-System gab es beim Turnier in Neidlingen ein einziges Elfmeterschießen: das um Platz drei. Foto: Deniz Calagan

Neidlingen. Ein Teckbotenpokalturnier ohne ein im K.o.-System ausgespieltes Viertelfinale hat es seit der Erweiterung auf eine Turnierwoche im Jahr 1996 noch nie gegeben – ebenso wenig stand jemals eine Zwischenrunden-Qualifikation mit dem Zwangsausscheiden des in der Vorrunde jeweils schwächer platzierten Gegners bei einem Unentschieden-Resultat im Programm. Spielplantechnisch war es deshalb eine kleine Revolution, die der TV Neidlingen und sein Modus-Austüftler Christoph Maier da angezettelt hatten. Doch das komplexe Regelwerk polarisierte. Viele Beobachter fanden es auf Anhieb gut, andere fanden das berühmte Haar in der Suppe.

Als glühender Fan des neuen Spielsytems outet sich Weilheims Cotrainer Danell Stumpe. „Der Modus mit den Zwischenrundengruppen am Samstag ist gut. Erstens, weil er einen gerechteren Turnierverlauf garantiert, zweitens wegen wirtschaftlicher Vorteile. Mehr Spiele bedeuten, dass mehr Zuschauer kommen.“ Mit seiner Einschätzung ist der frühere SGEH-Spieler im übrigen einig mit seinem Chef Alexander Hübbe, der ebenfalls für die Beibehaltung des Neidlinger Turnierplans plädiert.

Hin - und hergerissen vom TVN- Regelwerk ist Sven Flegel, Betreuer des VfL Kirchheim II. „Ein Vorrunden-Gruppenzweiter muss nicht stärker sein als ein Drittplatzierter, weil die Gruppen ja völlig unterschiedliche Leistungsniveaus haben können, insofern ist das automatische Weiterkommen des Besserplatzierten bei unentschiedenem Spielausgang einfach nicht gerecht“, kritisiert er das neue System. Die Einführung einer Zwischenrunde im Gruppenmodus anstatt üblicher K.o.-Spiele empfindet er dagegen als positiv: Seiner Meinung nach fällt der mögliche Glückssieg eines Underdogs über einen Turnierfavoriten weniger ins Gewicht, weil ja noch ein zweites Gruppenspiel ansteht.

Einen konträren Standpunkt nimmt Jesingens Trainer Marc Augustin ein, der dem Neidlinger Modell überhaupt nichts Gutes abgewinnen kann. Bezirksliga-Aufsteiger SGEH hätte seinen Endspiel-Vorstoß auch der Tatsache zu verdanken, dass er nach dem Vorrundensieg am Mittwoch zwei Tage Verschnaufpause gehabt hätte und deshalb ausgeruht in die heiße Turnier-Endphase eingestiegen sei. „Im Gegensatz dazu musste der TSV Jesingen in dieser Zeit zwei Spiele bei Gluthitze von über 30 Grad bestreiten“, mokiert sich Augustin. Sehnlichst wünscht er sich den alten Modus zurück, der durch die vielen K.o.-Spiele, Verlängerungen und Elfmeter den Zuschauern auch mehr Spannung biete.

Letztgenanntes Argument hat sich auch Heiko Blumauer in der System-Debatte zu Eigen gemacht: „Alle Zuschauer, die den klassischen Modus beibehalten wollen, kann ich verstehen.“ Nichtsdestotrotz würde der Holzmadener Trainer, in Neidlingen Vorrunden-Dritter mit seiner Mannschaft („mit dem alten System wären wir vorzeitig ausgeschieden“), den neuen Turniermodus liebend gerne ein zweites Mal erleben. Er sei „nicht ungerecht“ und hätte eine Neuauflage verdient.

Auch Horst Koch sieht die Bewährungsprobe des TVN-Spielplans als geglückt an, obgleich er ihn eigentlich hätte verfluchen müssen: Das 3:3-Unentschieden gegen den TSV Jesingen II in der Zwischenrunden-Qualifikation bedeutete für sein Ötlinger Team das Turnier-aus. „Dafür sind wir mit nur einem Vorrundensieg weitergekommen. Wir haben in Neidlingen Glück gehabt“, bilanzierte Koch, der für Türkei-Urlauber Birant Sentürk als Trainer eingesprungen war. Auch für ihn hat das neu aufgelegte Spielplanmodell beim Teckbotenpokal 2014 eine zweite Chance verdient.

Derweil haben Notzingens Trainer Daniel Denk und Weilheims Abteilungsleiter Martin Koch in der System-Debatte noch keine abschließende meinung – Ersterer mangels geeigneter Vergleichsmöglichkeiten („für mich war das alles neu“), Koch, weil er die Vor- und Nachteile des Neidlinger Modells erst ausführlich im Weilheimer Teckbotenpokal-Ausschuss ausdiskutieren wird. Die Debatte wird ergebnisoffen geführt.

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