Lokalsport

Täles-Derby taugt nicht zum Magneten

Kreisligafußball Während der Nachmittag in Dettingen mit Wartezeit verbunden war, ging es beim Derby Unterlenningen gegen Owen eher gelassen zu. Von Helge Waider

Faire und freundschaftliche Geste beim ausgesprochen gelassen geführten Tälesderby TV Unterlenningen gegen den TSV Owen. Foto: M
Faire und freundschaftliche Geste beim ausgesprochen gelassen geführten Tälesderby TV Unterlenningen gegen den TSV Owen. Foto: Markus Brändli

Schiedsrichter, so sollte man meinen, sind ebenso wie vielleicht Polizisten, Feuerwehrleute oder Schwimmmeister höchst verlässliche Personen. In Dettingen kamen an dieser These gestern Nachmittag vorübergehend Zweifel auf.

Der Reihe nach: 13 Uhr – das Kreisliga-B-Spiel SF Dettingen II gegen den TSV Ötlingen steht auf dem Spielplan. Alle sind da – bis auf Schiedsrichter Wolfgang Herb vom TSV Denkendorf. 13.15 Uhr – die Verantwortlichen der SF Dettingen kontaktieren Steffen Müller, den Schiedsrichterbeauftragten der Gruppe Nürtingen. 13.45 Uhr – Daniel Geywitz vom VfL Kirchheim pfeift als eilends engagierter Ersatz-Unparteiischer die Partie an. Die (wenigen) Zuschauer nehmen es gelassen – schließlich steht später noch die Kreisliga-A-Partie der Dettinger gegen den TSV Neckartenzlingen auf dem Programm. Gegen 14.30 Uhr wird der Schiedsrichter dieses Spiels erwartet.

Als Bülent Keser vom FC 07 Albstadt um 15 Uhr noch nicht vor Ort ist, klingeln die Alarmglocken in Dettingen ein zweites Mal. Und täglich grüßt das Murmeltier? Weit gefehlt. Die Antwort lieferte erneut der Schiedsrichterbeauftragte: Keser hatte auf der nicht unerheblich weiten Strecke aus dem Zollernalbkreis unter die Teck einen Verkehrsunfall, der ihn durch die notwendige Unfallaufnahme aus dem angedachten Zeitfenster kippte. Um 16 Uhr schließlich pfiff der Unfallgeschädigte, aber gottlob unverletzte Schiedsrichter die Partie an. Die verlief im Gegensatz zur Vorgeschichte übrigens eher unspektakulär: zwei Lämmle-Treffer, ein Yilmaz-Tor, business as usual in Dettingen.

Und doch: Irgendetwas war anders: Auf der Ersatzbank saß nach längerer Zeit wieder einmal Christian Renz. Der ist bekanntermaßen nicht nur Fußballabteilungsleiter in Dettingen und Führungsspieler der zweiten Mannschaft, sondern eben auch ein gefährlicher Offensivspieler, auf den Trainer Heiko Blumauer angesichts der angespannten Personalsituation nicht verzichten wollte. Am Ende reichte es für Renz zwar nicht zu einem Treffer, aber doch noch zu einer Viertelstunde Einsatzzeit.

Apropos Einsatz: Den suchte mancher Zuschauer bei den Pro­tagonisten auf dem Bühl gestern erfolglos. Dabei stand das Derby TV Unterlenningen gegen den TSV Owen auf dem Programm, welches sich im Nachhinein als eher fade Standardpartie herausstellte. Auch die Kulisse enttäuschte – oder passte sich, je nach Sichtweise, dem Niveau auf dem Platz an: Nur 150 Derby-Interessierte hatten bei bestem Fußballwetter den Aufstieg auf den Berg-Sportplatz in Angriff genommen. TSVO-Sprecher Harry Streicher: „Ausgerechnet beim Derby haben wir unsere schlechteste Saisonleistung abgerufen.“

Mit einem Kraftakt gelang dem AC Catania hingegen ein 3:3 bei Germania Schlaitdorf. Kraftakt deshalb, weil Spielertrainer Michel Forzano nach rohem Spiel die Rote Karte sah und seinem Team damit einen Bärendienst erwiesen hatte. Forzano wird erstmal vom Sportgericht in die Pause geschickt, während Vater Giuseppe „Pippo“ Forzano wieder voll eingestiegen ist. Seit drei Wochen ist der 57-jährige Co-Trainer seines ehemaligen VfB-Trainerkollegen Ilija Aracic beim Bayern-Regionalligisten (und früheren württembergischen Oberligisten) FV Illertissen. Den 90-Kilometer-Trip absolviert Forzano viermal pro Woche zum Training – wahrer Sportsgeist.

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