Lokalsport

Totgesagte leben länger

Fußballszene In der Landesliga gelingen Köngen und Echterdingen Befreiungsschläge im Abstiegskampf.

"Ich hasse es zu verlieren": TSVW-Trainer Chris Eisenhardt. Foto: Markus Brändli
"Ich hasse es zu verlieren": TSVW-Trainer Chris Eisenhardt. Foto: Markus Brändli

Köngen. So sehen Sieger aus: Der TSV Köngen und der TV Echterdingen haben in der Fußball-Landesliga am Pfingstwochenende mit nicht unbedingt erwarteten Auswärtssiegen überrascht.

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Für das Husarenstück des Wochenendes zeichneten sich dabei die Kicker des TSV Köngen verantwortlich. Bereits am Freitagabend gewannen die Mannen um das Trainerduo Alexander Thomas und Marcel Süßer 2:0 beim drittplatzierten SV Ebersbach - und gaben damit ein eindrucksvolles Lebenszeichen von sich. Seit dem zweiten Saisonspieltag dümpeln die Köngener in der Abstiegszone - verloren aber nie den Glauben. Joachim Dienelt, sportlicher Leiter in der Fuchsgrube: „Wir haben Erfahrung im Abstiegskampf. Und bei uns galt und gilt eine klare Parole: Solange ein Ligaverbleib noch rechnerisch möglich ist, nimmt niemand das Wort ‚Abstieg‘ in den Mund.“ Tatsächlich verkürzte der TSV, bei dem das Trainergespann ligaunabhängig auch in der neuen Saison weitermacht, mit dem Sieg an der Fils den Abstand zu Relegationsplatz zwölf auf zwei Zähler.

Für Gegner SV Ebersbach geht’s nunmehr um die sprichwörtliche „Goldene Ananas“. Jürgen Schorstädt, Sportlicher Leiter beim SVE: „Der Köngener Sieg geht in Ordnung. Die wollten den Erfolg mehr als wir. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, den dritten Platz zu festigen.“ Zudem kam dem TSVK zugute, dass SVE-Goalie Timo Schurr bereits in der 14. Minute wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte des Unparteiischen gesehen hatte und die Ebersbacher entsprechend umstellen mussten.

Den Aufstieg machen seit dem Wochenende der 1. FC Heiningen (am Freitag 7:0-Sieger über den feststehenden Absteiger FV 09 Nürtingen) und der TSGV Waldstetten unter sich aus. Der aktuell zweitplatzierte Turn-, Sport- und Gesangverein besiegte den nur vier Kilometer entfernten Nachbarn aus Bettringen 3:1 und rangiert nur einen Zähler hinter Leader Heiningen.

Ebenfalls für Furore sorgte am Wochenende der TV Echterdingen. In einem sogenannten „Sechs-Punkte-Spiel“ siegten die Filderkicker 2:1 beim 1. FC Germania Bargau und schlossen tabellarisch bis auf einen Zähler zu diesem auf. Den Grund für die Leistungssteigerung der Echterdinger hatte TVE-Fußballboss Philipp Wunsch schnell parat: „Wir waren eine geschlossene Einheit: Die Mannschaft, die Trainer, die Funktionäre und die vielen Fans, die uns begleitet und lautstark unterstützt haben.“

Einer der Erfolgsgaranten auf dem Platz war David Hertel. Der Echterdinger Kapitän, der die Kickstiefel einst auch für den VfL Kirchheim schnürte, war nach langer Verletzungspause wieder 90 Minuten an Bord und erzielte das entscheidende Tor für das Team von Interimscoach Martin Kittelberger. Der möchte die Mannschaft zum 1. Juli zu gerne als Landesligist an den aktuellen Weilheimer Trainer Chris Eisenhardt übergeben.

Eisenhardt selbst war nach der Weilheimer Niederlage beim TSV Weilimdorf bedient: „Ich hasse es, zu verlieren. Unsere Leistung in Weilimdorf hatte nichts mit Landesliga-Fußball zu tun.“ Ungewohnt hart ging „Eise“ mit seinen Akteuren ins Gericht: „Mit Ausnahme von Tobias Heim und Mike Tausch haben sich alle in der Mannschaft den Schneid abkaufen lassen und versagt.“ Besonders die Hintermannschaft stand in der Kritik des Trainers: „Wenn Du drei Gegentreffer durch berechtigte Elfmeter bekommst, sagt das schon viel aus.“ Tatsächlich zeigte Schiedsrichter Danny Kapell von der SGM Höchstberg/Tiefenbach insgesamt rekordverdächtige fünf Mal auf den ominösen Punkt.

Freilich hatte Eisenhardt sein Team vor dem Anpfiff defensiv nochmals kräftig umbauen müssen. Verletzungsbedingt mussten Christoph Bauer, Anastasios Ketsemenidis, Michael Heilemann und Emrah Polat passen. Der zweite Anzug tat dies nicht. Eisenhardt, dessen Vertrag beim TV Echterdingen ligaunabhängig gilt, flüchtete sich derweil in Galgenhumor: „Es kann nun nur noch besser werden.“

Regelmäßig ist Eisenhardt übrigens schon in Doppelfunktion tätig. Neben dem Coaching des gesicherten TSV Weilheim ist er im ständigen Austausch mit TVE-Interimcoach Martin Kittelberger. Der einstige Oberligaakteur spielte Anfang der 1990er Jahre unter anderem bei der Spvgg. 07 Ludwigsburg und beim 1. FC Pforzheim und ist pikanterweise der Onkel von Weilheims Torspieler Ben Brenken.

Mit umgekehrten Vorzeichen stellt sich derzeit die Situation für den TSV Bad Boll und den gleichfalls in der beschriebenen Doppelbelastung steckenden Trainer Benjamin Geiger dar. Mit dem TSVB steckt der Coach, der bekanntermaßen in der neuen Saison den TSV Weilheim trainieren wird, noch mitten im Abstiegskampf, kann aber im Gegensatz zu Eisenhardt davon ausgehen, auch in der nächsten Saison einen Landesligisten zu coachen.

Am Samstag reichte es für Geiger und den TSV Bad Boll stark ersatzgeschwächt zu einer Nullnummer beim TSV Blaustein. Geiger: „Wir hatten uns mehr erhofft, aber sieben Ausfälle waren nicht zu kompensieren.“ Vor dem schweren Restprogramm (Ebersbach, Hofherrnweiler, Waldstetten) der abwehrstarken Boller ist Geiger nicht bange: „Wir tun uns leichter gegen gute, offensive, spielstarke Mannschaften.“Helge Waider