Lokalsport

Traumaussicht inklusive

27. Hohenneuffen-Berglauf: Tekle und Pletzer als Erste im Burghof

Yossief Tekle aus Eritrea hat am vergangenen Sonntag mit einer beeindruckenden Vorstellung den 27. Hohenneuffen-Berglauf gewonnen. Am Start des regionalen Sport-Klassikers waren auch rund 60 Läufer aus der Teckregion.

Einsames Rennen hinauf auf den Hohenneuffen: Dem Eritreer Yossief Tekle konnte am steilen Anstieg keiner mehr folgen.Foto: Niels
Einsames Rennen hinauf auf den Hohenneuffen: Dem Eritreer Yossief Tekle konnte am steilen Anstieg keiner mehr folgen.Foto: Niels Urtel

Beuren. Als sich ein Großteil des Teilnehmerfeldes noch in den Steigungen hinauf in den Burghof abplagte, stand der Sieger nach erfolgreich bewältigten 9,3 Kilometern bereits an den Verpflegungsständen, die traumhafte Aussicht auf das Neckartal genießend. Es war ein Erfolg mit vielen Umwegen. 2010 Junioren-Weltmeister im Berglauf, folgten für Yossief Tekle weniger rosige Zeiten. Als der junge Langstreckenläufer aus Eritrea einige Zeit später vom heimischen Verband nicht für die Crosslauf-Weltmeisterschaften nominiert wurde und er sich traute, über die Gründe nachzufragen, wanderte er schnurstracks ins Gefängnis, wie sein deutscher Trainer Franz Herzgsell berichtet.

Nach der Haftentlassung nutzte der neue Hohenneuffen-Champion einen Wettkampf im Ausland, um sich abzusetzen. Über Norwegen führte sein Weg im Mai 2014 in eine Asylbewerberunterkunft im bayerischen Zusmarshausen. Dort wurde er von Herzgsell auf den Tipp eines Trainerkollegen hin entdeckt. Inzwischen ist Tekle bei Läufen in ganz Süddeutschland am Start. Beim Hohenneuffen-Berglauf blieb er am Sonntag in 36,03 Minuten nur 74 Sekunden über dem 20 Jahre alten Streckenrekord. Selbst der mehrfache deutsche Berglaufmeister Timo Zeiler („ich bin momentan nicht optimal in Form“) konnte am Anstieg zur Beurener Skihütte zur Hälfte der Strecke nicht mehr folgen, wurde am Ende Gesamtzweiter.

Beurens Bürgermeister Erich Hartmann hatte das Feld um 9.30 Uhr am Bahnhof Linsenhofen pünktlich auf die Hatz geschickt. Mit insgesamt 463 Teilnehmern (344 beim Hauptlauf, 21 Walker und 98 beim Schülerlauf), war der Zuspruch beim Klassiker allerdings zum zweiten Mal hintereinander leicht rückläufig. „Daran habe ich schon ein wenig zu knabbern“, sagte Organisationsleiter Frank Klass, „wir müssen detailliert prüfen, woran dies liegen könnte.“

Bestplatzierter männlicher Teilnehmer aus der Teckregion war Sven Meyer vom TSV Ötlingen in 47,15 Minuten, bei den Frauen Claudia Volz (VfL Kirchheim) als Zehnte. Hier siegte Monika Pletzer aus Frickenhausen in persönlicher Streckenbestzeit (45,25 Minuten). Es ist ihr zweiter Triumph am Hohenneuffen. Alle Ergebnisse und Zeiten gibt es unter www.tsv-beuren.de/berglauf.

Ein Ochse macht den Weltmeister

Der Hohenneuffen-Berglauf hat in den vergangenen 27 Jahren schon viele skurrile Geschichten geschrieben. Am Sonntag kam eine weitere hinzu. Wenn ein Vater in Eritrea, einem der ärmsten Länder der Welt, schweren Herzens einen Ochsen verkauft, um seinem Sohn die Teilnahme an den Junioren-Berglauf-Weltmeisterschaften im fernen Europa zu ermöglichen, ist das allein schon eine Story wert. Dass dieser Tierhandel letztlich den Grundstein legt für den bisher größten sportlichen Erfolg des Sohnes, ist die nächste. Yossief Tekle wurde 2010 in Slowenien auf Anhieb Junioren-Weltmeister im Berglauf. Seit Sonntag steht sein Name auch in der ewigen Siegerliste des Berglaufs auf den Hohenneuffen.rei

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