Lokalsport

Trier eiskalt

75:82 – Knights ohne Mumm gegen treffsichere Pfälzer

Die Tafel war festlich gedeckt, doch die Gäste mussten hungrig nach Hause. Der mit Spannung erwartete Start in die Play-offs geriet für Kirchheims Zweitliga-Basketballer gestern Abend gegen Trier streckenweise zum Albtraum.

Böses Erwachen am späten Freitagabend, doch schon morgen darf weiter geträumt werden. Kirchheims Fans lassen sich den Spaß an de
Böses Erwachen am späten Freitagabend, doch schon morgen darf weiter geträumt werden. Kirchheims Fans lassen sich den Spaß an den Play-offs nicht nehmen.Fotos: Genio Silviani

Kirchheim. Am Ende war es nicht mehr als Kosmetik, auch wenn alle Erfahrung lehrt, dass ein Acht-Punkte-Rückstand zwei Minuten vor Schluss im Basketball nicht mehr als eine Marginalie ist. Doch gestern Abend war alles anders. Die Mannschaft bäumte sich noch einmal auf, doch eine echte Chance, das hatten die vorangegangenen 38 Minuten gezeigt, die gab es nie. Als Knights-Coach Michael Mai seine Mannschaft am Mittelkreis um sich versammelte, hatten sich viele von den Rängen schon auf den Weg ins Foyer gemacht. Der Trainer – sichtlich aufgewühlt – griff nach Spielschluss ins für ihn ungewöhnliche Vokabelfach: „Wir haben heute nicht wie Männer gespielt.“ Mehr Analyse brauchte an diesem Abend keiner.

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Trier war von der ersten Sekunde an die physisch stärkere, entschlossenere und deutlich kaltschnäuziger agierende Mannschaft auf dem Parkett. Einen frühen Rückstand hatte man in der Sporthalle Stadtmitte in dieser Saison schon häufiger erlebt, doch diesmal gab es kein Erwachen. Wie die Katze, die sich die Maus immer wieder zurecht legt, holten die Trierer in engeren Phasen eiskalt zum nächsten Schlag aus. Eine Dreier-Bilanz von 64 gegenüber 30 Prozent zugunsten der Gäste drückte die Effizienz vor der Halbzeitpause in Zahlen aus. Spearman, Smit und Ahelegbe verwandelten sieben von elf Versuchen. Von Dwayne Evans, dem Kirchheimer Schreckgespenst aus der Hauptrunde war bis dahin noch vergleichsweise wenig zu sehen. Kirchheim wirkte geschockt, streckenweise hilflos. Richie Williams, mit 23 Punkten und 15 Vorlagen der Alleinunterhalter im Ritter-Trikot, hielt seine Mannschaft so gut es ging im Spiel. Eineinhalb Minuten vor Ende des dritten Viertels betrug der Rückstand erstmals über zwanzig Punkte.

Als eigentlich niemand mehr damit rechnete, wachten die Ritter doch noch auf und mit ihnen die 1300 Zuschauer in der restlos ausverkauften Halle. Gut zwei Minuten vor dem Ende brachte Keith Rendleman per Tip-in zum 68:76 die Halle zum Toben. Doch Evans antwortete postwendend mit einem Drei-Punkte-Spiel nach einem Fastbreak. Ein Dreier von Besnik Bekteshi zum 74:79 ließ in einem immer zerfahreneren Spiel, das nun auch zunehmend härter wurde, noch einmal Hoffnung aufkommen. Doch da standen nur noch elf Sekunden auf der Uhr.

Knights-Coach Michael Mai zeigte sich am Ende als fairer Verlierer: „Wir haben gegen ein Team verloren, das in allen Belangen besser war,“ musste der Trainer anerkennen. „Vielleicht waren Nürnberg und Rhöndorf zuletzt die falschen Gegner.“ Bis morgen bleibt Zeit, die richtigen Lehren aus diesem Spiel zu ziehen. Noch ist nichts passiert. Mit der passenden Antwort am Sonntag in Trier (17 Uhr) sitzen die Ritter wieder mit am Tisch.