Lokalsport

Trostapplaus statt Siegerpokal

Reitsport Für den amtierenden Olympiasieger Michael Jung ist beim S-Springen im Rahmen des Weilheimer Hallenturniers überraschend früh Schluss. Von Reimund Elbe

Michael Jung und Stute Sinderella waren nicht nur in der Reithalle ein Hingucker. Fotos: Markus Brändli
Michael Jung und Stute Sinderella waren nicht nur in der Reithalle ein Hingucker. Fotos: Markus Brändli

Am Sonntagnachmittag um 14.39 Uhr fiel in der Weilheimer Reithalle eine Hindernisstange zu Boden, begleitet von außergewöhnlichem Raunen des Publikums - das Aus für Olympiasieger Michael Jung. Dessen Pferd, die Hannoveraner Stute Sinderella, hatte den Querbalken am sechsten Sprung so stark gestreift, dass Fehlerpunkte nicht mehr zu vermeiden waren.

So blieb für den aktuell erfolgreichsten deutschen Reiter beim Hallenturnier des RFV Weilheim am Ende nur ein Trostapplaus der rund 250 Zuschauer übrig. „Die Qualifikation fürs Stechen mit einer Nullfehlerrunde“ hätte es nach Jungs eigenem Bekunden beim Spontanstart unter der Limburg eigentlich sein sollen. Doch durch den Flüchtigkeitsfehler endete der Auftritt des Reitsportstars im S-Springen bereits im ersten Wettkampfstadium.

Insgesamt 686 Nennungen

Eine Stunde vor dem nicht ganz geglückten Ritt hatte sich der international unglaublich Erfolgreiche erfrischend locker präsentiert. Mitten unter den Besuchern stehend, schaute sich der 36-Jährige die Parcours-Präparation genau an, zeigte sich eloquent und freundlich. Händeschütteln hier, ein Foto da - der prominente Spontanstarter stellte zweifelsfrei eine Bereicherung des mit 686 Nennungen ohnehin stark besuchten Events dar.

Michael Jung mit Sinderella. Foto: Markus Brändli
Michael Jung mit Sinderella. Foto: Markus Brändli


Auch sehr zur Freude von Gregor Küstermann, Zweiter Vorsitzender des veranstaltenden Reit- und Fahrvereins. Dass ein internationaler Reitszene-Topstar beim Weilheimer Frühjahrsturnier meldet - alles andere als alltäglich. Ältere Klubmitglieder könnten sich laut Küstermann noch an den Auftritt des unvergessenen Gerd Wiltfang vor rund 30 Jahren erinnern.

Neues Licht spart Geld

Nicht nur wegen Jungs Besuch sowie der nahezu optimal verlaufenden drei Turniertage sind die Zeiten für die Weilheimer aufregend - im positiven Sinne. Die komplette Beleuchtung auf der Anlage wird aktuell auf energiesparendes LED-Licht umgestellt. „Wir halbieren damit die Energiekosten, die sich bisher auf rund 14 000 Euro jährlich beliefen“, weiß Ulrike Germaschewski, technische Leiterin des RFV Weilheim. „Die bessere Lichtausbeute ist besser für Mensch und Tier“, fasst Germaschewski die Vorzüge zusammen. In etwa drei Wochen soll die Umrüstung abgeschlossen sein.

Mit zwei Reithallen, zwei Außenreitplätzen, einer Reitwiese, einem Longierzirkel und einer Führanlage präsentiert sich der Klub sowieso schon auf einem hohen Standard. Was auch für Michael Jung (siehe Interview) als ein Argument galt, in Weilheim vorbeizuschauen.

Für Lokalmatador Simon Runte vom RFV Weilheim blieb derweil das erhoffte Duell mit Jung aus. Als einziger RFV-Springer hatte der Raidwangener Reiter einen Start im S-Springen anvisiert, doch Pferd „Quintessenz“ laboriert momentan an einer Prellung. „Ab und an treffe ich auch bei kleineren Turnieren auf Michael Jung, wenn er mit Nachwuchspferden antritt“, so Runte, der sich zu gerne am heimischen Egelsberg mit dem Olympiasieger gemessen hätte. Mit der neuen Investition in die Beleuchtung wächst die Reputation der Weilheimer Anlage womöglich weiter - was auch die Chancen erhöht, dass es in absehbarer Zeit doch noch ein Duell zwischen Lokalmatador Runte und dem Olympiasieger am Egelsberg geben könnte.

Impressionen vom Weilheimer Hallenturnier gibt es in der Mediathek der Teckboten-Homepage unter www.teckbote.de

Drei Fragen an Reiter-Star Michael Jung

1. Herr Jung, Ihre Meldung für das Turnier in Weilheim kam überraschend. Was hat den Ausschlag gegeben, unter der Limburg zu starten?

Die Reitanlage in Weilheim bietet gute Bedingungen. Die Hallen sind hell, die Abreitmöglichkeiten gut, und natürlich spielt der Hallenboden eine große Rolle. Der in Weilheim eingesetzte Boden, eine spezielle Mischung aus Sand, Vlies und Fasern, kommt mir sehr entgegen.

2. Welche sportliche Wertigkeit hat für Sie die Teilnahme?

Es geht mir in erster Linie darum, mit Sinderella, einer achtjährigen Hannoveraner Stute, möglichst viel Wettkampfpraxis zu sammeln. Sie benötigt noch einige Erfahrung, um irgendwann womöglich ein höheres Level zu erreichen. Sinderella ist ein Pferd im Aufbau. Deshalb kommt mir ein Turnier wie das in Weilheim mit einem S-Springen sehr entgegen.

3. Wie sieht Ihre weitere Saisonplanung aus?

Bei uns beginnt jetzt die grüne Saison. Ich werde einige Vielseitigkeitswettbewerbe bestreiten, im Springen unter anderem beim Mannheimer Maimarkt-Turnier starten. Saisonhöhepunkt ist natürlich die Europameisterschaft vom 29. August bis 1. September in Luhmühlen. Dort will ich nach Silber vor zwei Jahren möglichst um den Titel mitreiten.rei

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