Lokalsport

Über Hagelschaden, Hitzestau und Haarverlust

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Schmuckbild , Übersicht
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Turnierresümee von Neidlingens Fußball-Abteilungsleiter Marlon Lamour: „Wir sind hochzufrieden. Alles hat super geklappt, und für die kurzfristigen Rückzüge des AC Catania und des TSV Schlierbach wegen Personalmangels kann ja niemand etwas.“ Das Schönste für ihn waren die „strömenden Zuschauermassen, mit denen wir nicht gerechnet haben.“ Lamour: „Wir haben die 10 000er-Marke geknackt. Die Abendgäste sind darin nicht mitgerechnet.“

Erholung gibt‘s später. Nach einer Woche Turnierstress ging für den neben Lamour und Harald Hepperle dritten TVN-Abteilungsleiter Patrick Hitzer bereits heute in aller Herrgottsfrühe der Joballtag weiter. Der 28-jährige Produktmanager ist am Montag um 6 Uhr mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz im schweizerischen Frauenfeld aufgebrochen, für den er drei Tage die Woche vor Ort und zwei Tage von zu Hause tätig ist. „In Urlaub geht‘s erst in zwei Wochen“, stöhnte Hitzer.

Cevin, Fabian, Marcus – die Herren Rieke (TV Unterlenningen), Morisco (TV Hochdorf) und Prettner (SV Nabern) werden die falsche Schreibweise ihrer Vornamen in der Torjägerliste unter der Woche sicherlich verzeihen, waren sie doch jeweils einer allzu schludrigen Eintragung auf den Spielberichtsbögen geschuldet. „Das kann ja keine Sau lesen“, war nicht nur einmal ob so manch krakeliger Funktionärshandschrift aus dem Turnierleiterturm zu hören. Verantwortlich für die unleserlichen Einträge waren die Vereine.

Kontrast erwünscht: Die große musikalische Bandbreite der Pausenmusik zwischen den Spielen war beileibe kein Zufall. „Da sollte einfach für jeden etwas dabei sein“, erklärte der für die Titelauswahl verantwortliche Marco Kunze vom TVN, warum direkt nach Rockklassikern wie „Hells Bells“ die Volksmusikhymne „Dem Land Tirol die Treue“ über die Lautsprecher dudelte.

Bollahoiß wie en dr Sauna: So beschrieb TVN-Funktionär Norbert Vögele die klimatischen Verhältnisse im aufgeheizten Erdgeschoss des Turnierleiterturms, in dem er eine Woche lang mit Verbandsaufsicht Stefan Cserny Spielerpässe abglich, Meldebögen überprüfte und Mannschaftsaufstellungen notierte. Immerhin: Das fleißige Duo hatte einen Kühlschrank mit wohltemperierten Getränken stets in Griffweite.

Ohne Krawall, Schlägerei oder sonstige Zwischenfälle ist die bei jedem Turnier berühmt-berüchtigte Players Night zu Ende gegangenen. Laut Lucia Ruff von der Esslinger Security-Firma, die der TVN engagiert hatte, blieb‘s am Donnerstagabend ruhig. „So eine friedliche Stimmung habe ich bei einer Party dieser Größe noch selten erlebt“, lobte Ruff, die mit ihrem Team bereits Neidlingen-Erfahrung hat: Die Esslinger sorgen alljährlich beim Zwetschgenfest für Sicherheit.

Turniersprecher mal zwei: Mit Werner Heilemann und Peter Kaiser hatte sich ein Duo den Job am Mikro geteilt. Während Heilemann bereits beim letzten Neidlinger Turnier 2004 Erfahrungen als Sprecher sammeln konnte, war Kaiser waschechter Debütant: „Ich bin eigentlich kein TVN-Mitglied, aber mein Sohn Felix kickt in der ersten Mannschaft, und als man mich gefragt hat, ob ich mit Werner den Turniersprecher gebe, war es Ehrensache, dass ich mitmache.“

Erstmals ohne Ausrichter? Dieses Szenario droht theoretisch im nächsten Jahr: Sollte der TSV Weilheim kommende Saison in die Verbandsliga aufsteigen, darf er laut dem ungeschriebenen Gesetz, wonach nur Teams bis zur Landesliga melden dürfen, nicht am eigenen Turnier teilnehmen. „So weit sind wir noch lange nicht“, winkte TSVW-Abteilungsleiter Martin Koch lachend ab, „und wenn‘s doch so kommt, melden wir halt eine zweite Mannschaft mit Spielern der Ersten.“ Fest steht laut Koch momentan nur, dass das Turnier 2014 in Weilheim am letzten Juli-Wochenende beginnen wird.

Neuer Look der Hitze wegen: Kaum waren nach den beiden Hagel- und Regentagen zum Turnierauftakt die Temperaturen wieder über 30 Grad gestiegen, passte Turnierleiter Klaus Moll seine Frisur kurzerhand der Hitze an. „Wenn‘s so warm ist, müssen die Haare kurz sein, dann schwitzt‘s sich besser“, lachte der seiner „Matte“ entledigte Moll.

Popovic pragmatisch: Dass Vorjahresausrichter TG Kirchheim in Neidlingen nicht am Start war, wunderte viele und ärgerte manche. Als Grund nannten die Verantwortlichen personelle Engpässe. „Ich hatte zwei Verletzte und acht Urlauber während der Turnierwoche“, so Trainer Goran Popovic, „das Verletzungsrisiko für den Rest war uns einfach zu groß. Die Saison hat Vorrang.“

Online top: In Sachen Internetpräsenz haben die Neidlinger die Latte für künftige Ausrichter auf jeden Fall höher gelegt: Turnier-Homepage mit Liveticker, Facebook-Seite, App – alles klappte dank des von Christoph Maier und Christoph Hepperle betreuten Web-Teams mit Marco Kunze, Peter Pfauth, Michael Härtel, Marcel Hitzer, Steffen Kuch und Jan Mehlstäubl bestens. „Ohne Hans Spielvogel hätten wir das aber nicht geschafft“, hob Maier den für die tägliche Statistik zuständigen Kirchheimer besonders hervor.

Knights müssen bangen: Basketball-Zweitligist Kirchheim Knights sollte Ausschau nach einem Ersatz-Hallensprecher halten. Der etatmäßige Mann am Mikro plagt sich aktuell mit einer Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen herum, konnte deswegen auch nicht beim Teckbotenpokal in seinem zweiten „Sport-Job“ aktiv werden: Holzmadens Keeper Daniel Zirn (26) musste in Neidlingen notgedrungen verletzt zuschauen: „Wenn ich den Arm zu früh wieder belaste, muss er vielleicht operiert werden.“ In dem Fall droht das Vorrunden-Aus im TSVH-Tor und eine Hallensprecher-Hinrunde bei den Knights mit Gips.

Alles im Griff hatte die einzige Schiedsrichterin des Turniers, die am Samstag die Zwischenrundenpartie des TV Neidlingen gegen den TSV Jesingen II leitete: Shirin Groh (18) aus Wernau war beinahe schon enttäuscht, dass sie nur ein Mal in Neidlingen zur Pfeife greifen musste. „Jetzt hab ich ja schon wieder Feierabend“, lachte sie nach dem (eigenen) Schlusspfiff.

Lustiger Dialog zwischen dem als leutselig bekannten Schiedsrichter Ralf Schmidt (Schlaitdorf) und einem Spieler mitten in der Partie. Schmidt (nach einer Szene erstaunt): „Heilandsack!“ – Spieler: „Schiri, man darf nicht fluchen.“ – Schmidt: „Heilandsack, das ist kein Fluchen.“

2 ältere Neidlinger im Wirtschaftsbereich unter sich. Sagte der eine zum anderen: „Ernschd, hosch doine Kirscha vom Baum scho ronderg‘holt?“ – „Noi, aber jetzt send se ronder“ (aufgeschnappt nach dem Hagelunwetter am Sonntag).

0 Tore, 0 Punkte, 16 Gegentreffer: Für die TSG Zell endete der Teckbotenpokal 2013 mit dem kompletten Bilanz-Kontrast zum letzten Auftritt in Neidlingen: 2004 hatten die Zeller, damals unter der Regie des heutigen sportlichen Leiters des SV Nabern, Axel Maier, das Turnier beim TVN gewonnen.

1 Cocktail war in Neidlingen der absolute Verkaufsschlager: Der „Hagelschaden“, ein just nach dem sonntäglichen Wetterchaos von den Schankleuten Heike Ruoss, Susanne Drexler und Armin Hägele improvisiert zusammengemixter Longdrink, ging in der Turnierwoche mehr als 2 000 Mal über den Ladentisch. Auch die TVN-Idee, zerstörte Neidlinger Zwiebeln rasch zu Zwiebelkuchen zu verarbeiten und sie den Teckbotenpokal-Gästen anzubieten, entpuppte sich als gewinnbringend.

3 Platzverweise in 58 Spielen – das ist in Sachen Fair Play ein respektabler Schnitt. Die einzige knallrote Karte gab‘s für Hochdorfs Keeper Adrian Trabold wegen groben Foulspiels im Zwischenrundenmatch am Samstag gegen Wernau, mit Gelb-Rot mussten Holzmadens Steffen Braig unter der Woche und Nicolo Incorvaia vom TSV Weilheim II in der Zwischenrunde vom Platz.

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