Lokalsport

Überm Hardtwald geht die rote Sonne auf

Fußballszene Die SGEH überrascht mit dem Sieg gegen den VfL nicht nur den Gegner.

SG Erkenbrechtsweiler (blau) gegen VFL Kirchheim (gelb), Bezirksliga…Trainer SG Erkenbrechtsweiler Dieter Hiller beim Jubeln
Ein echter Fingerzeig(er): SGEH-Coach Dieter Hiller macht der Konkurrenz klar, wer aktuell die Nummer eins der Bezirksliga ist. Foto: Mirko Lehnen

Erkenbrechtsweiler. Die, die oben sind, waren früher immer unten. Oft vier bis fünf Spielklassen tiefer. Seit gestern hat sich die Perspektive verschoben. Die SGEH, die Mannschaft von der Albhochfläche (702 Meter über dem Meeresspiegel), ist nach dem 2:1-Sieg über die „Blauen“ aus Kirchheim (312 Meter) alleiniger Spitzenreiter der Bezirksliga Neckar/Fils - endlich steht das Wappen der 2 100-Seelen-Ortschaft Erkenbrechtsweiler mit dem 700-Einwohner-Anhang Hochwang auch einmal symbolisch für deren Fußballer. Das farbige Abzeichen der Gemeinde zeigt eine rote Sonne, die über einem grünen Berg mit silberner Felsspitze aufgeht.

„Wenn wir verletzungsfrei sind, können wir jeden schlagen“, sagt Abteilungsleiter Sven Laderer im Überschwang der Gefühle. Dabei fehlt Stürmer Martin Kamradek nach einem Kreuzbandriss. Marc-Kevin Theimer ging nach Weilheim, Dennis Weger hat seine Laufbahn beendet. „Ich spreche nicht über die, die nicht da sind. Wir müssen die Abgänge im Kollektiv auffangen“, forderte Trainer Dieter Hiller.

Das ist gelungen. Der VfL Kirchheim hatte zwar mehr Spielanteile, biss sich aber an der kompromisslosen SG-Abwehr fest. Die Hochkaräter gab‘s auf der Gegenseite. VfL-Keeper Daniel Zirn musste noch einen Handelfmeter von Markus Kronewitter unschädlich machen, sonst wäre das Spiel bereits vor der 85. Minute (Tor durch Hakan Demir) entschieden gewesen. Hiller: „Wir hatten deutlich mehr Torchancen. Der Sieg ist verdient. Dass wir nach drei Spielen mit der Maximalausbeute von neun Punkten vorne stehen, genießen wir. Das ist jedoch nur eine Momentaufnahme. Ab Dienstag konzentrieren wir uns auf den nächsten Gegner.“

Der Hingucker für die 200 Zuschauer im Hardtwaldstadion war das Tor zum 1:0. Biran Darboe, ein Strich in der Landschaft, schweißte mit seinen Spinnenbeinen einen Fallrückzieher unhaltbar ins Netz. Der U19-Nationalspieler von Gambia wirbelt seit der Rückrunde für die SGEH.

Kräftig durcheinandergewirbelt wurde der TSV Obere Fils vom TV Neidlingen. Sieben auf einen Streich für den Aufsteiger - und es hätten leicht noch mehr werden können. „Wir hatten einen guten Tag, der Gegner einen schlechten“, so die Kurzanalyse des Derbys in Wiesensteig von TV-Abteilungsleiter Marlon Lamour. Der zweifache Torschütze und Spielertrainer Patrick Kölle: „Spätestens nach dem 0:2 war es eine einseitige Angelegenheit.“ Die 0:4-Schlappe gegen die SGEH ist verdaut, das Lehrgeld gezahlt. Kölle: „Wenn mir jemand gesagt hätte, wir holen sechs Punkte aus den ersten drei Spielen, hätte ich sofort unterschrieben.“

Sechs Punkte stehen auch auf dem Landesliga-Konto des TSV Weilheim. Aber das war schon vor einer Woche so. Diesmal leisteten sich einige Spieler zu viele individuelle Fehler und die wurden mit einer 2:5-Packung bestraft. Es war die erste Niederlage gegen Bettringen im fünften Punktspiel gegeneinander.

„In den ersten 20 Minuten waren wir noch nicht auf dem Platz“, analysierte Chris Eisenhardt die bittere Pille. Der Trainer weiter: „Als wir uns gefangen hatten, gab der Schiedsrichter einen Handelfmeter, der keiner war. Wir haben uns trotzdem nicht hängen lassen. Doch Bettringen war aggressiver. Ich bin jetzt gespannt, wie unsere Mannschaft gegen Frickenhausen reagiert. Es wird Veränderungen geben.“ Die Heimpartie findet am kommenden Donnerstag statt.

Yannik Kögler und Dominic Mader waren die Matchwinner in den beiden mit Spannung erwarteten Lokalderbys. Ausgerechnet der gebürtige Nürtinger Kögler erzielte beide Frickenhauser Treffer zum 2:0 gegen den FV 09 Nürtingen. Ebenfalls zweimal erfolgreich war Mader, einst Juniorenspieler beim VfL Kirchheim (2004 bis 2006), beim 3:1 des 1. FC Heiningen in Bad Boll. Die Platzherren mussten allerdings ab der 45. Minute mit zehn Mann auskommen - Anastasios Kivotidis sah nach seinem zweiten derben Foul Gelb-Rot.Klaus Schlütter

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