Lokalsport

„Um das Team zu halten, brauchen wir zusätzliche Mittel“

Christoph Schmidt setzt auf die Solidarität der Basketball-Fans

Mit der Fan-Sponsoringaktion „500 x 100 – gemeinsam in die Playoffs“ haben Kirchheims Zweitliga-Basketballer vor Weihnachten eine Werbeoffensive gestartet. Was genau dahinter steckt, erklärt Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt.

„Wir müssen uns besser ­verkaufen:“ Christoph Schmidt.
„Wir müssen uns besser ­verkaufen:“ Christoph Schmidt.

Die Knights brauchen Geld. So zumindest lässt die jetzt gestartete Aktion vermuten. Erklären Sie uns wofür?

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Schmidt: Wir müssen jedes Jahr sehr früh, das heißt im Frühsommer, entscheiden, mit welchem Etat wir in die Saison gehen. Wir haben uns dieses Jahr entschieden, mit dem gleichen Budget zu planen wie im Vorjahr. Kurz vor Saisonbeginn stand dann fest, dass wir den Ausfall eines größeren und mehrerer kleiner Sponsoren zu verkraften haben. Dies auszugleichen ist uns teilweise gelungen. Nach der Verletzung von Dennis Tinnon mussten wir nochmals schnell reagieren und mit Keith Rendleman Ersatz verpflichten, der im Mannschaftsetat nicht eingeplant war. Jetzt sind beide fit und bringen Leistung. Dies alles hat zu der Entscheidung geführt, dass wir unsere Akquise noch einmal verstärken müssen.

Wie groß ist die Deckungslücke?

Schmidt: Ich möchte hier nicht mit Zahlen operieren. Es ist auf jeden Fall so, sollte sich an dieser Front nichts verändern, wären wir zu Sparmaßnahmen gezwungen, die auch die Mannschaft treffen würden. Ich möchte nicht konkreter werden, einfach weil wir zuversichtlich sind, dass wir das schaffen werden.

Das klingt dramatisch.

Schmidt: Dramatisch nicht. Formulieren wir es anders: Um die bestehende Mannschaft bis Saisonende zu halten, brauchen wir zusätzliche Mittel.

Das heißt, zum Jahreswechsel oder im Januar müsste – Stand jetzt – einer gehen?

Schmidt: Das kann man, so hart es ist, sagen. Ja.

Wachse oder stirb – Dieser Grundsatz gilt in der Pro A seit Jahren. Wie hat sich der Kirchheimer Etat seit 2012, der bisher erfolgreichsten Saison, verändert?

Schmidt: Der Basketballsport insgesamt nimmt eine rasante Entwicklung. Ich sehe das aber nicht als Zwang. Wir haben uns entschieden, diesen Weg mitzugehen, in unserem Tempo. Als wir 2012 Vizemeister wurden hatten wir noch keinen Festangestellten. Mittlerweile sind wir zu dritt im Büro. Fast alle Abläufe haben sich professionalisiert, auch was die Betreuung der Mannschaft betrifft. Ich glaube, wir haben uns stark weiterentwickelt in den vergangenen drei Jahren. Wo es uns nicht im gleichen Maß gelungen ist, ist bei der Akquise neuer Sponsoren. Unser Gesamtetat hat sich im Jahr nach der Vizemeisterschaft nach oben entwickelt, ist aber seitdem kontinuierlich am Schrumpfen. Leider auch in diesem Jahr.

Die vergangenen drei Jahre waren sportlich eher schwierig. Der momentane Erfolg scheint sich aber dennoch nicht auszuzahlen.

Schmidt: Ich glaube, uns ist es bis jetzt nicht gelungen, unser Produkt in der Öffentlichkeit so zu transportieren, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir haben eine tolle Mannschaft, die begeistert. Wir haben tolle Fans. Wir müssen das besser nach außen tragen, uns besser verkaufen. Vieles hat sich in Sachen Marketing im vergangenen Jahr schon entwickelt. Das alles braucht Zeit und ich hoffe, dass wir die ersten Früchte bald ernten können. Entscheidend ist, dass wir unseren Sponsoren klar sagen können, wo wir hin wollen.

Und wohin?

Schmidt: Das Wort BBL wird von mir jetzt keiner hören. So etwas muss von sehr langer Hand geplant werden, auch wenn jeder von uns natürlich den Wunsch hat, diesen Weg zu gehen, wenn sich die Möglichkeit irgendwann ergeben sollte. Wir müssen kurzfristiger planen. Das heißt, uns finanziell und als Unternehmen strukturell weiterentwickeln. Dafür müssen wir Partner finden, die an diese Inhalte glauben und uns vertrauen. Es ist nicht allein damit getan, eine neue Halle zu bauen.

Man braucht auch eine erstklassige Jugendarbeit. Davon sind die Knights weiter entfernt denn je.

Schmidt: Ich glaube, dass im Bereich der Jugend sehr gut gearbeitet wird. Wir würden das gerne intensivieren und stärker unterstützen, aber wir können momentan nicht an jeder Stelle mit der gleichen Intensität arbeiten, sondern müssen uns auf Bereiche konzentrieren. Das war bisher der organisatorische, der sportliche Bereich und das Marketing. Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch. Trotzdem glaube ich, dass wir uns in einem Tempo entwickeln, das man als gesundes Maß bezeichnen könnte. Das sieht man in diesem Jahr auch an der Mannschaft. Der momentane Erfolg bestätigt das ein Stück weit.