Lokalsport

Urlaub von der Krise

Griffins Sehnsucht nach dem Ball

Der erste Gang nach dem Frühstück führte gestern schnurstracks ins Rathaus. Keine Audienz bei Kirchheims Oberbürgermeisterin, die – wie man weiß – bekennender Basketballfan ist. Brandon Griffin und die Knights hatten es eilig, leidigen Papierkram zu erledigen. Viel Zeit, den Jetlag zu verarbeiten, blieb dem neuesten US-Import nach seiner Ankunft am Donnerstag nicht.

Basketball 2. Bundesliga Saison 2005 - 2006BBC Bayreuth gegen TV LangenBBC Bayreuth Spieler Nr.: 15 Brendan Griffin  mitteTV Lan
Basketball 2. Bundesliga Saison 2005 - 2006BBC Bayreuth gegen TV LangenBBC Bayreuth Spieler Nr.: 15 Brendan Griffin mitteTV Langen Spieler Nr.: 9 Mike Baron rechtsFotograf Peter Kolb

Kirchheim. Sollte dies ein Vorgeschmack gewesen sein auf das, was ihn erwartet, dann dürfte Kirchheims Neuzugang schon mal gewarnt sein: Der Wind jedenfalls war äußerst rau, der Brandon Griffin bei seiner Ankunft in Echterdingen am Donnerstag entgegenschlug. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und eisige Böen aus Nordost – beim Start in New Orleans hatte die Sonne bei angenehmen 24 Grad Celsius noch Stunden zuvor vom fast wolkenlosen Himmel gebrannt. Warm anziehen wird sich der 29-Jährige in den kommenden Tagen auf jeden Fall müssen, denn eine Erkältung wäre das Letzte, das er sich zum Einstand wünschte.

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Am Neujahrstag um 15 Uhr wird es ernst. Etwas aufgeregt sei er schon, gesteht der Mann aus Louisiana. Sechs Monate ohne Ball, nur Lauftraining und die eine oder andere Einheit im Fitnessstudio; das war‘s, seit er im Juni bei den Giants Bergen in den Niederlanden die Saison beendet hat. Das Kontrastprogramm im vergangenen halben Jahr hieß einfach nur: Geld verdienen. Er hat Versicherungen verkauft und als Servicekraft in einem Seafood-Restaurant im 5 000-Einwohner Städtchen Amite, rund 120 Kilometer nördlich von New Orleans, gearbeitet. „Die Krise in den Staaten“, sagt er, „macht es dir verdammt schwer, wenn du eine Familie durchzubringen hast.“ Die familiäre Situation sagt viel aus über die Zerrissenheit eines Basketball-Legionärs zwischen zwei Welten. Der eine Sohn ist gerade mal 19 Monate alt und lebt bei der Mutter in der Heimat, der andere im Alter von vier mit einer Freundin in Bayreuth, wo Griffin zwei Spielzeiten lang für den BBC am Ball war. Beide kommen ihn zu Silvester besuchen. Der Kleine sei schon ganz aufgeregt, freut sich auch der Papa.

Ab Neujahr ist der Fokus dann vollständig auf den Sport gerichtet. Er fiebert der Pro A entgegen, die klar stärker sei als die erste Liga in den Niederlanden, wo er zuletzt im Einsatz war. Dass er sich seinen Platz im Team erst wird hart erkämpfen müssen, auch das ist ihm bewusst. Er sei es gewohnt, hart für den Erfolg zu arbeiten, und er glaubt fest daran, dass ihn die kommenden Monate in seiner sportlichen Karriere einen Schritt nach vorn bringen werden.

Ob er schon am 6. Januar in Jena auf dem Spielfeld stehen wird, hängt von den ersten Trainingseindrücken ab und vom Tempo, das die Behörden im neuen Jahr an den Tag legen werden. Gestern noch ging es zum Einwohnermeldeamt und zur Ausländerbehörde, die über die Arbeitserlaubnis zu entscheiden hat. Danach zu einer zweistündigen Trainingseinheit ins Fitnessstudio. „Wir sind guter Dinge, dass rechtzeitig zum 6. Januar alle Formalitäten erledigt sind und Brandon damit spielberechtigt wäre“, sagt Knights-Sprecherin Bettina Schmauder. Das letzte Wort hat dann wie immer der Trainer.