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Verkehrte VfL-Welt

Kunstturnen In der zweiten Kunstturn-Bundesliga der Frauen muss sich der VfL Kirchheim trotz überraschend guter Leistungen am Stufenbarren mit Tagesplatz sechs begnügen

Musste als 12-jährige Bundesliga-Debütantin in Stuttgart gleich viel Verantwortung übernehmen: VfL-Turnerin Nele RüpingFoto: Hri
Musste als 12-jährige Bundesliga-Debütantin in Stuttgart gleich viel Verantwortung übernehmen: VfL-Turnerin Nele RüpingFoto: Hrivatakis

Dass einmal die Geräte Balken und/oder Boden für die Kirchheimer Zweitbundesliga-Turnerinnen zu Schwachstellen werden könnten und man dafür am Stufenbarren ein sehr gutes Ergebnis erzielen würde, war in der Vergangenheit unvorstellbar. In der Stuttgarter Scharrena war genau dies der Fall: VfL-Kunstturnen verkehrt.

Das Kirchheimer Aufgebot hatte sich durch Bundesliga-Debütantin Nele Rüping noch einmal verjüngt. Mit ihren zwölf Jahren lag es an ihr, den Wettkampf der acht Zweitliga-Teams in der Stuttgarter Scharrena zu eröffnen. Ihre tollen Tsukahara-Sprünge vom Einturnen konnte sie im Wettkampf jedoch nicht wiederholen. Trost: Sie hat noch viel Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Teamkollegin Pia Pohl machte es einst vor: Die zwischenzeitlich fast 23-Jährige schnupperte ebenfalls mit zwölf Jahren zum ersten Mal Bundesliga-Luft. Sowohl Sarina Maier als auch Pia Pohl punkteten danach am Sprung, bevor Joana Varro ihren Überschlag mit Salto zum Stand brachte. Die KTG Hannover, ebenfalls am Sprung beginnend, erturnte sich einen Vorsprung von drei Punkten.

Die Stufenbarrenbesetzung war vielversprechend. Doch der Schreck kam mit der ersten Übung. Im VfL-Dress legte Joana Varro vor, kam nach einer gekonnten Vorstellung beim Abgang von der Matte und zog sich eine Knieverletzung zu. Die Ungewissheit, ob sie am Boden nochmals antreten könnte, begleitete die nächsten Auftritte am Stufenbarren und Schwebebalken. Den optimalen Zeitpunkt erwischte Nele Rüping mit auf den Punkt geturnten Felgen und ihrem neuen Saltoabgang. Viel Mut brachte Sarina Maier mit ihren beiden Flugteilen auf, kämpfte für sich und das Team und wurde hierfür bestaunt. Einen glänzenden Auftritt war Kim Ruoff vergönnt. Gehandicapt durch eine Fußverletzung, konnte sie nur hier ins Geschehen eingreifen. Dies tat sie mit Bravour. Alle Flugteile meisterte sie mit scheinbarer Leichtigkeit – was ihr eine glatte Zwölferwertung einbrachte.

Gespannt wechselte das siebenköpfige VfL-Team zum – erwartet – entscheidenden Schwebebalken, immer unterstützt von Maike Brey, die der Mannschaft großen Rückhalt bot, zumal noch immer Joana Varros‘ Start am Boden ungewiss war. Die Spannung stieg, nachdem die beiden sehr kurzfristig nachgerückten Turnerinnen Nele Rüping und Pia Pohl beachtenswerten Teamgeist bewiesen, indem sie am Balken Verantwortung übernahmen. Dabei verfehlten die beiden jedoch die 10-Punkte-Marke. Lea Voith kam etwas besser durch, und Sarina Maier hatte den Balken voll im Blick. Bei ihr gab es nur kleinste Unsicherheiten zu verzeichnen.

Nun galt es, den KTV Ries am Boden zu überholen, um letztendlich den vierten Tabellenrang zu sichern, denn das Mittelfeld um die TG Breisgau, den SSV Ulm und den VfL Kirchheim verdichtete sich.

Im Einturnen am Boden konnte Joana Varro den Test antreten und sich davon überzeugen, dass sie am Boden würde springen können. Dabei reduzierte sie ihr Programm, wartete dennoch mit dem Doppelsalto in der ersten Reihe auf. Als zweite ging Lea Voith auf die Bodenmatte und kam enttäuscht über den Sturz in der letzten Akrobatikreihe in die Arme ihrer Teamkollegen zurück. Kein Risiko ging das VfL-Team mehr ein, Pia Pohl entschied sich für die leichtere, aber sichere Akrobatik mit Schraubensalti und konnte das Kirchheimer Punktekonto ausbauen. Die höchste Wertung und großen Applaus von den zahlreichen VfL-Fans gab es für Schlussturnerin Sarina Maier.

Es gelang, die KTV Ries auf den siebten Platz zu verdrängen. Der SSV Ulm schob sich noch vor den VfL Kirchheim auf den fünften Platz, und die KTG Hannover konnte ihren zweiten Sieg einfahren. Deutlich gestärkt ging der Dresdner SC auf Rang zwei aus diesem zweiten Wettkampftag hervor. Die Dresdner haben nun genauso wie der VfL 16:12 Tabellenpunkte, schoben sich jedoch durch die höhere Gesamtpunktzahl knapp vor den VfL Kirchheim in der Tabelle auf Rang drei. Der Heidenheimer SB liegt vor dem letzten Wettkampftag an zweiter Stelle und kann in anderthalb Wochen vor heimischem Publikum einen Platz im Aufstiegskampf klar machen.mp

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