Lokalsport

Viel Wirbel um einen „Muckenschiss“

Fußballszene Der drohende Punktabzug sorgt für schlaflose Nächte beim VfL Kirchheim.

Kirchheim. „Ich kann nächtelang nicht mehr schlafen“, stöhnt Oliver Klingler vom VfL Kirchheim. Verständlich, die missliche Gemütsverfassung des Fußballabteilungsleiters. Ein minimaler Formfehler, ein „Muckenschiss“ auf dem großen Schaufenster des Fußballs, hat nicht nur ihm die Nachtruhe geraubt. Der Verein ist in Aufruhr, sieht Leistung und Arbeit einer ganzen Saison infrage gestellt.

Drei Punkte Abzug, weil - wie berichtet - der Name des eingewechselten Waldemar Hechler nicht auf dem Online-Spielberichtsbogen der Partie gegen Faurndau vor eineinhalb Wochen stand. Damit war er nach den WFV-Statuten nicht spielberechtigt, obwohl er einen gültigen Pass besitzt. Der 4:2-Sieg gegen Faurndau wurde am Grünen Tisch in eine 0:3-Niederlage umgewandelt.

Die Folgen für die Bezirksligaklubs sind höchst unterschiedlich. Ein paar Mitkonkurrenten werden sich die Hände reiben. Fatal sind die Auswirkungen für den VfL. Der hat gleich einen Anwalt eingeschaltet. Wird sein Einspruch abgeschmettert, wäre das ein herber Rückschlag im Vierkampf um die angepeilte Aufstiegsrelegation. Bis zur endgültigen Entscheidung, die die WFV-Spruchkammer in zehn Tagen fällen will, wird der VfL in der offiziellen Tabelle mit 39 Punkten als Tabellenzweiter geführt. Den Punktabzug mitgerechnet, stehen die Kirchheimer allerdings auf Platz fünf.

Entsprechend groß der Ärger an der Jesinger Allee. Gegen Nellingen schoss sich der VfL gestern mit 6:0 schon mal ein bisschen Frust von der Seele. „Die Mannschaft ist wieder gut drauf“, sagt Klingler. „Donnerstag spielen wir in Berkheim, am Montag danach zu Hause gegen Neidlingen. Dann sehen wir weiter.“

Vom Lapsus der „Blauen“ hat unter anderem die SGEH profitiert, empfindet aber keine Schadenfreude. Fußballchef Sven Laderer, der mit dem Fahrrad von der Alb zum 2:2 nach Neuhausen gefahren war, versichert: „Wir schauen nur auf uns.“ Er erinnert aber an ein härteres Urteil 2015. Damals wurden der SG T/T Göppingen acht Punkte abgezogen, weil auf einem Spielerpass eine Unterschrift fehlte. Trainer Dieter Hiller fand das Unentschieden „unterm Strich gerecht“. Es war der sechste Punkt im vierten Auswärtsspiel nacheinander. Mit dieser Ausbeute ist er zufrieden. Denn: „Wir konnten wochenlang nicht auf eigenem Platz spielen und nur auf Schnee trainieren, was uns spielerisch nicht vorangebracht hat.“

Donzdorf macht Dampf

Bei der mit Sponsoren-Euros aufgepeppten TSV Oberensingen ist seit Beginn der Rückrunde mächtig Sand im Getriebe. Gegen Abstiegskandidat Eislingen reichte es gerade noch zu einem mageren 1:0. Dagegen macht der 1. FC Donzdorf mächtig Dampf - 6:0 gegen den TSV Obere Fils mit vier Toren von Alexander Simperl. Klammheimlich hat sich der TV Neidlingen mit einem 7:1 gegen Berkheim hinter die Verfolger von Spitzenreiter SC Geislingen geklemmt. Auf Tuchfühlung Richtung Relegation? Davon will Patrick Kölle, der dreifache Torschütze, nichts wissen. „Wir schauen eher nach unten. Wir brauchen noch drei Siege, dann haben wir 40 Punkte. Das würde reichen“, sagt der erfolgreiche Spielertrainer.

Womit man wieder beim Eingangsthema landet - der FV Vorwärts Faurndau kämpft gegen den Abstieg. Für die Göppinger wären drei geschenkte Ostereier Gold in Form der Punkte aus dem Gastspiel in Kirchheim wert, zum Leidwesen der anderen Kellerkinder wie Berkheim, Nellingen, Neckartailfingen oder Kuchen, die im Kampf gegen den Abstieg so wieder stärker in Zugzwang geraten würden.Klaus Schlütter

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