Lokalsport

Von nun an nur noch Sensationen

Basketball Der Halbfinaleinzug der Knights gilt schon jetzt als das Meisterstück. Gegen den MBC lautet das Minimalziel: ein Abgang erhobenen Hauptes. Von Bernd Köble

Es war in dieser Saison nicht die einzige, aber vielleicht die beeindruckendste Botschaft an alle Zweifler unter den Basketball-Beobachtern im Kirchheimer Umfeld. Gut möglich, dass es nicht die letzte war. Von wegen, der kleine Kader werde am Ende dem Gegner in die Karten spielen. Von wegen, die Mannschaft sei müde, ausgelaugt und kaum mehr motiviert. Und letztlich: Wer hatte behauptet, die Finalserie sei nur eine Farce, weil die fehlende Aufstiegsperspektive jeden Reiz verschlinge? Am Sonntag waren 1100 Zuschauer in der Halle, die das wohl anders sahen, und mit ihnen die Mannschaft. Eine Mannschaft, die den Gegner niederrang, obwohl der die größeren Reserven hatte. Fast keiner auf den Rängen erlebte die Schlussphase im Sitzen, und als das Spiel vorbei war und der ohrenbetäubende Lärm in rhythmisches Klatschen überging, dauerte es viele Minuten, ehe sich die Ersten auf den Weg ins Foyer machten, um zu hören, was beide Trainer zu sagen hatten.

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Knights-Coach Michael Mai genoss angesichts des sicheren Vorsprungs die letzte Spielminute sichtlich. Was ihm der Einzug ins Halbfinale nach dem abrupten Aus im Vorjahr persönlich bedeute? „Eine ganze Menge“, gesteht er. Er habe die letzten Tage bei Spaziergängen viel Zeit mit sich verbracht. „Das durfte sich diesmal einfach nicht wiederholen.“

Nicht nur die Zweifler sahen sich widerlegt, auch Gäste-Trainer Frenkie Ignjatovic, der zuvor mehrfach betont hatte, die tiefere Bank werde am Ende wohl den entscheidenden Unterschied ausmachen. Stattdessen musste er feststellen: „Wir haben das Spiel heute auf Position vier verloren.“ Dem Arbeitsplatz von Jonathon Williams und Seth Hinrichs, die gemeinsam mit Center Andreas Kronhardt für die entscheidende Statistik im Spiel sorgten: 19:6 Offensivrebounds aus Sicht der Kirchheimer. „Damit kann man kein Spiel gewinnen“, lautete das bittere Fazit von Heidelbergs Trainer.

Das Ende leiteten die Neckarstädter allerdings schon am Samstag in eigener Halle ein. Anders als bei den Kirchheimern, die nach der verheerenden Niederlage drei Tage zuvor den Hebel umgelegt hatten, löste die knappe Heimniederlage bei den Academics keinen Energieschub aus. Im Gegenteil: Die nervös beginnenden Gäste gerieten vom Start weg ins Hintertreffen, gaben durch erneute Foulprobleme den personellen Vorteil zudem frühzeitig aus der Hand.

Die Ritter hatten nicht nur mehr vom Spiel, sie hatten sichtlich Lust. Ohne Zweifel: Einige nutzen die Play-offs, um die eigene Marke noch einmal kräftig auf Hochglanz zu trimmen. Von nun an gibt es keine Siege mehr, nur noch Sensationen. Wenn die Knights am Freitag um 19.30 Uhr in Weißenfels ins vermeintlich aussichtslose Duell mit dem MBC starten, sind zwei mit an Bord, die die wichtigsten Kategorien in der Liga anführen: Jona­thon Williams und Carrington Love. Der eine als Topscorer, der andere als bester Vorbereiter. Mit durchschnittlich 10,2 Assists in der Finalserie dürfte sich Love wohl mit Erfolg für höhere Aufgaben beworben haben. Länger als die beiden stand zudem kein Spieler der Liga pro Spiel auf dem Parkett.

Für Kapitän Andreas Kronhardt, seit Wochen die Inkarnation von Kampfgeist im Team, ist das Spiel noch nicht aus. Dasselbe gilt für seinen Trainer: „Auch Außenseiter haben Chancen“, sagt Michael Mai und tippt auf eine lange Serie. „Ich wette nie gegen meine Mannschaft.“