Lokalsport

Vorsicht, zerbrechlich!

Vor dem Saisonstart beschäftigt die Knights nur eine Frage: Schlägt das neue Team ein?

Kirchheims Zweitliga-Basketballer wagen den radikalen Neubeginn in der Pro A. Zehn neue Kräfte, auch wenn viele davon schon einmal das Kirchheimer Trikot trugen. Coach Michael Mai steht im zweiten Jahr bei den Knights vor seiner härtesten Bewährungsprobe.

Schock vor Saisonbeginn: Dennis Tinnon (am Ball) fällt verletzt für mehrere Wochen aus. Fotos: Deniz Calagan
Schock vor Saisonbeginn: Dennis Tinnon (am Ball) fällt verletzt für mehrere Wochen aus. Fotos: Deniz Calagan

Kirchheim. Ob Michael Mai jemals Aristoteles gelesen hat, ist nicht bekannt. Dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, gehört auch ohne Studium der Philosophie zum Basiswissen eines jeden Trainers. Dennoch dürfte der Amerikaner in schwäbischen Diensten in den zurückliegenden Wochen intensiver als sonst über diesem Grundproblem gebrütet haben.

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Zehn neue Spieler, nur der im Vorjahr lange verletzte Jordan Wild nimmt dem Bild vom radikalen Neubeginn etwas die Schärfe. Für Geschäftsführer Christoph Schmidt und den Trainer wird die am Samstag beginnende Saison zur Feuertaufe: Zum ersten Mal seit Michael Mais Dienstantritt vor einem Jahr und dem Rückzug von Sportchef Karl Lenger ist dieses Duo alleine verantwortlich für die Mannschaft. Beide starten mit viel Kredit in die Saison. Mutig, stimmig, durchdacht – selten lieferte Expertenmeinung in der Vergangenheit mehr Vertrauensvorschuss für Personalpolitik, selten war das Urteil einhelliger.

Eine Restschuld, die zu begleichen noch ansteht, nachdem die Vorbereitung einige Fragen unbeantwortet ließ. Zwei knappe Siege gegen Pro-A-Aufsteiger Hanau, zwei deutliche Niederlagen gegen die Erstligisten aus Crailsheim und Ludwigsburg. Der Rest: Futter fürs Selbstvertrauen. Jedenfalls keine Gegner, die nah genug am Ernstfall gelegen hätten, um als Muster durchgehen zu können. „Für uns war wichtig, mit der neuen Mannschaft möglichst schnell einen Rhythmus zu finden“, begründet Coach Michael Mai sein Testprogramm gegen eine ganze Reihe von Aufbaugegnern. „Das Ergebnis ist dabei völlig Nebensache.“

Alles andere als nebensächlich ist hingegen das, was sich vor zwei Wochen in Crailsheim ereignete: Die Verletzung von Dennis Tinnon ist deshalb so gravierend, weil das Team in der Vorbereitung vor allem ein Reboundproblem offenbarte und der US-Neuzugang gerade rechtzeitig in Fahrt zu kommen schien. Jetzt drohen sechs Wochen Pause wegen eines Bänderrisses im Ellbogen. Tinnon in Normalform ist in dieser Mannschaft nicht zu ersetzen, auch wenn Jordan Wild derzeit so konstant agiert, wie er das ohne Verletzung wohl schon vergangene Saison getan hätte. Christoph Schmidt hat diese Woche bereits angedeutet, dass man noch einmal reagieren werde. „Das Risiko, auf dieser entscheidenden Position unterbesetzt in die Saison zu gehen, ist uns zu hoch.“ Eine endgültige Entscheidung soll noch in dieser Woche fallen.

Diejenigen, die man schon kennt, machen Mut. Nach drei Spielzeiten in der unteren Tabellenhälfte melden die Knights wieder zaghafte Ansprüche auf das Erreichen der Play-offs an. Der Kader ist klein aber fein und damit zerbrechlich, was sich jetzt schon rächt. Dafür lässt er ein geringeres Leistungsgefälle erwarten als zuletzt. Besonders wichtig: Die Chemie im Team scheint zu stimmen. Williams und Tinnon, zwei Spieler mit Ausnahmestatus in der Pro A, auch wenn beide nach jeweils schwierigen Jahren den Beweis ihrer Klasse aufs Neue liefern müssen. Dazu der Ex-Crailsheimer Andreas Kronhardt als einziger echter Center. Fürs Kirchheimer Wir-Gefühl sorgen Bekteshi, Joos und Koch, das Trio aus der Ludwigsburger Talentschmiede. Für Besnik Bekteshi ist es die Rückkehr an den Ort, wo alles begann. Der 22-Jährige verkörpert aus Kirchheimer Sicht das bisher einzige Erfolgsmodell in Sachen Nachwuchsarbeit, das im Profibereich sichtbare Spuren hinterlässt.

Bereits Ende Juli war der Stammkader komplett. So früh wie noch nie. Cuxhavens Ex-Kapitän Dennis Nawrocki, der für den abtrünnigen Steffen Harvey kam, war der letzte Baustein im System. Ein selbstbewusster Typ und bissiger Verteidiger, der trotz seiner erst 22 Jahre eine Führungsrolle beansprucht. Was jetzt noch fehlt, sind Punkte. Am Besten gleich am Samstag beim Aufsteiger in Rhöndorf. Danach warten Chemnitz, Jena und Vechta. Ein aufschlussreiches Startprogramm für all diejenigen, die gerne wüssten, ob die Knights wirklich ein Play-off-Kandidat sind.