Lokalsport

Warum Micky auf Donald hofft

Leichtathletik Der VfB um Trainer Corucle droht auf den Kosten für ein Trainingslager in den USA sitzenzubleiben.

Wendlingen statt Florida: Micky Corucle trainiert mit seinen Söhnen Philipp (links) und Julian derzeit auf Waldwegen. Foto: Mark
Wendlingen statt Florida: Micky Corucle trainiert mit seinen Söhnen Philipp (links) und Julian derzeit auf Waldwegen. Foto: Markus Brändli

Wendlingen. Micky Corucle ist kein Freund von Donald Trump. Aber eine Entscheidung des US-Präsidenten wäre ganz im Sinne des Kirchheimer Leichtathletik-Trainers: wenn er das 30-tägige Einreiseverbot für Menschen aus Europa über den 13. April hinaus verlängern würde.

Warum? Corucle wollte sich mit seinen beiden Söhnen Philipp und Julian sowie zwölf weiteren Leichtathleten des VfB Stuttgart vom 21. April an in einem dreiwöchigen Trainingslager in Florida auf die kommende Saison vorbereiten. Gebucht wurde der Trip vor Ausbruch der Coronakrise. Kosten für Flug und Aufenthalt: 20 000 Euro.

Beim VfB sind sich inzwischen jedoch alle einig, dass unter den gegebenen Umständen ein Trainingscamp in den USA zu riskant wäre und deshalb im geplanten Zeitraum keinen Sinn macht. Deshalb ist für Corucle klar: „Wir gehen da jetzt nicht hin. Andernfalls würden wir unsere Gesundheit leichtfertig aufs Spiel setzen.“ Das heißt: Hebt Trump die Aufenthaltssperre für EU-Bürger nach dem 13. April wieder auf und die VfB-Leichtathleten verzichten auf die im Voraus bezahlte Reise, hat man rechtlich keinen Anspruch mehr auf die 20 000 Euro.

Trainingslager Ende des Jahres?

Gerettet wäre das Geld nur, wenn das Einreiseverbot verlängert wird - was aufgrund der explosionsartig ansteigenden Anzahl der Coronafälle in den Staaten nur allzu logisch wäre. Corucle: „Das würde uns die Möglichkeit eröffnen, umzubuchen, ohne das Geld zu verlieren. Dann würden wir unser Trainingslager auf Ende des Jahres verlegen.“ Nun warten alle gespannt, wie sich Trump entscheidet.

Aktuell ist für die VfB-Athleten bis auf Weiteres individuelles Heimtraining angesagt. Corucles Söhne sprinten durch den Wald beim Wendlinger Freibad, wo sich einst auch „Schwabenpfeil“ Tobias Unger auf seine Wettkämpfe vorbereitete. Oder sie machen Krafttraining im eigenen Sportgeschäft in Köngen, das wegen der Krise geschlossen ist. Der Vater hat den Verkaufsraum in einen Kraftraum umfunktioniert.

Wenn ein geeigneter Impfstoff gefunden ist und das Sportverbot wieder aufgehoben wird, will Micky Corucle beim VfB umgehend vereinsinterne Wettkämpfe organisieren: „Damit wir ganz schnell wieder in den Rhythmus kommen“, wie er sagt. Klaus Schlütter

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