Lokalsport

„Wenn der VfB absteigt, bleiben wir treu“

Sie sind zwischen acht und neun, jagen beim TSV Ötlingen in der F-Jugend mit Feuereifer dem Ball nach und bangen mit ihren großen Vorbildern um den Klassenerhalt: Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart ist beim Training im Rübholz Gesprächsthema Nummer eins.

Kirchheim. „Mir schaffen das“ – was der VfB-Anhängerschaft seit geraumer Zeit auf der Vereinshomepage als Mutmacher entgegenspringt, haben die jüngsten Fans bereits verinnerlicht. „Ja klar, die packen das“, sind sich Pascal, Luka, Jona und Liam einig: Ihr absoluter Lieblingsverein wird in den letzten drei Spielen die für den Klassenerhalt benötigten Punkte holen.

Bei den vier F-Jugend-Kickern des TSV Ötlingen ist der VfB Dauerthema. Kaum überraschend haben die Drittklässler auch ihre ganz eigene Meinung zu den Gründen der Talfahrt. „Die Spieler kriegen zu oft kurz vor Schluss eine Rote Karte oder ein Gegentor“, sagt Pascal. „Die machen zu viele Trainerwechsel“, analysiert Liam. „Der VfB müsste mehr auf die Jugend setzen“, findet Luka. „Und irgendwie haben die auch keinen richtigen Stürmer“, kritisiert Jona.

Das heutige Heimspiel gegen Mainz verfolgen sie geschlossen vor dem Fernseher. „Fast alle Väter haben Sky, wir gucken eigentlich alle VfB-Spiele gemeinsam als Team“, erzählt André Krokor, der die Kids zwei Mal die Woche zum Training ins Rübholz bittet – bloß beim vorletzten VfB-Heimspiel guckten sie nicht in die Röhre, im Gegenteil: Die Ötlinger F-Junioren waren gegen Bremen als Einlaufkinder hautnah dabei. „Wir sind ans Stadion gefahren und die Jungs wussten bis eine Stunde vor dem Anpfiff nicht, warum“, muss Krokor immer noch grinsen.

Hand in Hand mit den Vorbildern ins Stadion zu laufen, wo Zehntausende Fans Stimmung machen – für die Kids auch knapp vier Wochen später immer noch ein Gänsehauterlebnis. „Das war einfach klasse“, schwärmen vor allem Pascal und Jona, die mit den VfB-Spielern Sven Ulreich und Daniel Ginczek aufs Feld durften, während Luka und Liam die Bremer Di Santo und Lukimya zugelost bekamen, „Schade, ein Stuttgarter wäre mir schon lieber gewesen“, lacht Liam, der die Vorliebe für die „Roten“ bereits in die Wiege gelegt bekam: Papa und Trainer André hat ihn schon kurz nach der Geburt als Mitglied beim hiesigen VfB-Fanclub Rot-Weiß Leberkäs angemeldet.

Krokor junior gehört, wie nicht anders zu erwarten, zur überwältigenden Mehrheit von Stuttgart-Sympathiesanten in Reihen der Rübholz-Youngsters. Drei wackere Dortmund-Fans werden mit ihren gelben Trikots im Training zwar geduldet, bloß bei einer Mannschaft verstehen die TSVÖ-Kids keinen Spaß. „Bayern-Fans gehen gar nicht“, schütteln die vier grinsend den Kopf.

Und wenn‘s doch nichts wird mit dem Klassenerhalt? „Wenn der VfB absteigt, bleiben wir trotzdem treu“, sagt Liam im Brustton der Überzeugung.

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