Lokalsport

Wenn Hübbe steht, dann laufen die Spieler

Nur noch 50 Getreue in Weilheim – SV Ebnat hat wenig Freunde – Nacktkicker kommen wieder – Spitzenkampf spannender denn je

Aufstiegschance verpasst, Saison gelaufen für den TSV Weilheim? „Nicht mit mir“ sagte sich Alexander Hübbe. Der scheidende Chefcoach stellte sich entgegen seiner jüngsten Gepflogenheit neben die Trainerbank und peitschte seine Mannschaft lautstark 45 Minuten nach vorn.

Weilheim. „So konnte es auch nicht weitergehen. Es musste etwas geschehen“, pflichtete ihm der Sportliche Leiter Günther Friess bei. Denn die erste Halbzeit gegen den Tabellenletzten SV Ebnat war eine schläfrige Nullnummer. Gähnend langweilig für die letzten 50 Getreuen rund um den Rasenplatz. Bis Hübbe den Wecker gab. Er riss die Spieler aus ihrer Lethargie, und der TSV wurde mit dem 2:0 seiner Favoritenrolle gerecht. Zum ersten Mal im siebten Spiel des neuen Jahres erzielte Weilheim mehr als einen Treffer.

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In der Partie (Spielszene/Foto: Markus Brändli) hätten es gut und gern doppelt so viele Tore sein können gegen einen Gegner, der wenig bis gar nichts zu bieten hatte. Ebnat hinterließ den Eindruck, dass innerhalb der Mannschaft die Chemie nicht mehr stimmt. Seit der Abstieg zu gut wie feststeht, haben sich die Reihen gelichtet. Auf der Bank saßen nur noch zwei Feldspieler. Einer davon: der 47-jährige Spielertrainer Branko Okic, der sich in der Endphase selber einwechselte, nichts bewegte und nach dem Abpfiff gefrustet den Linienrichter beleidigte: „So blind, wie du warst…“

Der SV Ebnat wird als Eintagsfliege dorthin zurückkehren, wo er hergekommen war. Und kaum ein Landesligaklub wird ihm eine Träne nachweinen. Mit oft übertriebener Härte, bisher 82 Gelben, sieben Gelb-Roten und zwei Roten Karten haben sich die Ostälbler wenig Freunde gemacht. Ihren Platz aus der Staffel Kocher/Rems wird wohl wie 2014/15 die SG Bettringen einnehmen, die sechs Punkte Vorsprung hat. Wir erinnern uns: Das ist die Mannschaft, die sich auf einem überdimensionalen Werbeplakat für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd komplett nackt präsentierte.

Aus der Bezirksstaffel Neckar/Fils klopfen ebenfalls zwei alte Bekannte an die Landesliga-Tür. Im Moment liegt der 1. FC Eislingen die Nase fünf Punkte vor dem TSV Deizisau, der Friess wegen des Derby-Charakters lieber wäre. Im Bezirk Donau/Iller liefern sich der TSV Neu-Ulm und FV Senden ebenfalls ein spannendes Aufstiegsduell. In der Region Stuttgart hat der TSV Weilimdorf drei Zähler Rückstand auf N.A.F.I. Stuttgart, den heimlichen Ballkünstlern der Landeshauptstadt. Ihre Wurzeln liegen nur ein Jahrzehnt zurück. Erst waren sie eine Hobbymannschaft, dann unter dem Namen Hilalspor eine erfolgreiche Futsal-Truppe, die es bis ins DM-Endspiel schaffte. Steigt N.A.F.I. (benannt nach dem Sponsor) auf, wird man sich den Namen Adnan Akcan nicht nur unter der Limburg merken müssen. Der Türke brachte es in bisher 22 Bezirksliga-Spielen auf sagenhafte 44 Torerfolge.

Wer die Landesliga in Richtung Verbandsliga verlässt, ist offener denn je. Spitzenreiter SV Ebersbach leistete sich gegen den TSV Köngen einen Seitensprung (0:0) und hat nur noch ein klitzekleines Pünktchen Vorsprung vor Calcio Leinfelden-Echterdingen. „Wir haben das souverän verteidigt“, freute sich Köngens Sportchef Joachim Dienelt. Calcios 1:0 in Waldstetten war gegen diesen Gegner der erste Sieg im vierten Aufeinandertreffen. Er wurde errungen ohne Christopher Paurevic. Das Verbandssportgericht lehnte den Einspruch gegen die Zehn-Spiele-Sperre nach einem Ellbogenschlag gegen Stammheim ab. Den Vogel des Wochenendes schoss der SV Bonlanden ab – 6:0 in Nürtingen. Trainer Klaus Kämmerer freute sich über das Geschenk zum 55. Geburtstag, der fünfte Dreier im sechsten Spiel, seit er Klaus Fischer abgelöst hat.