Lokalsport

„Wenn wir das Halbfinale erreichen, ist alles möglich“

Bei Spielmacher Martin Strobel wächst die Vorfreude auf Rio

Martin Strobel gehört zu den 14 deutschen Handballern, die nach Rio fahren. Am Rande des Owener SV-Cups sprach er über seine Erwartungen bei Olympia.

Ihre Freude war groß, als bekannt wurde, dass Sie zum Aufgebot in Rio zählen. Haben Sie wirklich gezweifelt?

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Strobel: Wir waren alle sehr angespannt, erst nach dem Tunesien-Spiel, aber auch noch am Donnerstag, an dem wir noch einmal trainiert haben. Ganz sicher konnte sich keiner sein. Klar gab es Stimmen in der Öffentlichkeit, die immer wieder behaupteten, die und die Spieler seien gesetzt. Wer den Trainer kennt, der weiß, dass er sehr intuitiv entscheidet. Deshalb wussten wir bis zum Schluss nicht, wer die 14 sind. Wenn von 21 Spielern im erweiterten Kader auf 14 reduziert werden muss wie bei Olympischen Spielen ist das natürlich auch besonders hart.

Sie sind nach fünf Jahren in Lemgo seit 2014 wieder bei ihrem Heimatverein in Balingen. Seitdem läuft‘s wieder, auch in der Nationalmannschaft. Zufall?

Strobel: Zufall, weiß ich nicht. Der Schritt nach Lemgo war auf jeden Fall wichtig für mich. Es war auch der richtige Zeitpunkt. Ich habe für mich extrem viel sportlich gelernt, extrem viel persönlich gelernt. Viele meinten, die Rückkehr nach Balingen sei jetzt ein Rückschritt. Ich sehe das anders. Ich bin der Meinung, wenn man sich darauf besinnt, wo man herkommt, die Werte leben kann, für die man steht und in einem Umfeld sich bewegt, in dem man sich wohlfühlt, dann bringt man auch die optimale Leistung.

Der HBW steckt im Umbruch – mal wieder. Gerade wurde mit Pascal Hens spektakulär neu verpflichtet. Was sind die Erwartungen für die neue Saison?

Strobel: Das mit dem Umbruch ist richtig. Wir haben zehn neue Spieler insgesamt. Wenn man als Verein regelmäßig im Abstiegskampf steckt und oft sehr lange nicht weiß, wo die Reise hingeht, ist ein Planungsprozess natürlich schwierig. Mit Pascal Hens haben wir jetzt einen älteren und sehr erfahrenen Spieler dazubekommen, der uns enorm gut tut. Es gibt wenige mit so viel internationaler Erfahrung wie er. Er passt auch menschlich sehr gut in die Mannschaft. Das Gute ist: Er muss gar keine zehn Tore im Spiel schießen, damit wir von ihm profitieren.

Sie waren 2006 und 2007 Europameister und Vizeweltmeister mit den Junioren, im Januar jetzt der erste große Titel bei der EM in Polen. Was würde eine olympische Medaille für Sie persönlich bedeuten?

Strobel: Es wäre sicher der Höhepunkt. Der EM-Titel im Januar war schon das Nonplusultra. Schon deshalb, weil mit dieser jungen Mannschaft niemand so richtig gerechnet hat. Um eine olympische Medaille kämpfen zu dürfen, diese Chance erhält man nicht allzu oft in einem Handballerleben.

Die Alternative in der Rückraummitte in Rio heißt Paul Drux, der mit 20 Jahren als Riesentalent gilt. Was unterscheidet Sie beide?

Strobel: Unterschiede gibt es natürlich viele. Meine Stärke ist vielleicht, dass ich ein Spiel auch mal beruhigen kann, dazu beitragen, in einer hektischen Phase wieder runterzukommen. Ich sage nicht, dass Paul das nicht kann. Er hat eine Riesenentwicklung genommen und bringt sehr viel Athletik mit, wie eigentlich alle jungen Spieler, die jetzt neu dazukommen. Das ist sehr erfreulich und bringt uns langsam vielleicht dorthin, wo Frankreich vor drei oder vier Jahren war.

Ex-Bundestrainer Heiner Brand hat nach dem EM-Titel gesagt, in dieser Mannschaft stecke noch viel mehr. Was heißt das für Olympia?

Strobel: Wir haben bei der EM die eine oder andere Mannschaft auf dem falschen Fuß erwischt, weil man uns vielleicht auch unterschätzt hat. Das wird in Rio anders sein. Das Gute ist, dass in dieser Mannschaft keiner abhebt. Wir haben seit Januar hart und konzentriert gearbeitet.

Das Minimalziel in Rio heißt Viertelfinale. Als Europameister will man aber sicher mehr?

Strobel: Es ist ja gut, wenn die Offiziellen solche Zielvorgaben formulieren. Für die Mannschaft ist es immer müßig, darüber zu diskutieren. Wir planen immer nur von Spiel zu Spiel. Ich meine, wenn wir das Halbfinale erreichen, ist alles möglich.