Lokalsport

Wer hat an der Uhr gedreht?

Hanau legt Protest gegen Spielwertung ein – Drei Minuten Spielzeit fehlen

Kürzer war der Weg zum Erfolg noch nie für Kirchheims Zweitliga-Basketballer. Weil am Ende der Partie gegen Hanau am Samstag drei Minuten fehlten, haben die Hessen Protest gegen die Spielwertung eingelegt. Wegen eines Bedienfehlers bei der Zeitnahme bleibt der erste Heimsieg der Knights einer unter Vorbehalt.

Trainer Michael Mai (links) und sein Assistent Benjamin Zieker im Gespräch mit dem Schiedsrichter. Beide Unparteiischen reagiert
Trainer Michael Mai (links) und sein Assistent Benjamin Zieker im Gespräch mit dem Schiedsrichter. Beide Unparteiischen reagierten nicht nachdem bekannt wurde, dass die Spielzeit nicht korrekt angezeigt wurde.Foto: Genio Silviani

Kirchheim. Ein Basketballspiel wird in der Regel binnen 40 Minuten entschieden. Nicht so am Samstag in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte, wo das Gastgeberteam im Eiltempo, sprich nach 37 Minuten Nettospielzeit, mit 78:61 als Gewinner vom Parkett ging. Drei Minuten, die keinem wirklich fehlen, die aber Folgen haben könnten. Der unerklärliche Zeitsprung ereignete sich Ende des ersten Viertels, als noch 3:13 Minuten zu spielen waren. Plötzlich standen nur noch 13 Sekunden auf der Uhr und die Zuschauer in der Halle waren es, die den Fehler zuerst bemerkten.

Ein Bedienfehler am Zeitnehmertisch, der dazu führen könnte, dass das Spiel wiederholt werden muss. Was genau passiert ist, konnte Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt auch gestern noch nicht erklären. Techniker sollen nun herausfinden, auf welchem Weg oder mit welcher Tastenkombination der Fehler geschehen konnte. Schmidt sucht erst gar nicht nach Ausflüchten. „Was immer passiert ist, die Gewährleistung eines regulären Spielverlaufs liegt grundsätzlich in unserer Verantwortung“, räumt er ein.

Das Ganze wäre vermutlich ohne Folgen geblieben, hätte der eine Fehler nicht weitere nach sich gezogen. Weil der Zeitnehmer das Spiel nicht sofort unterbrach, machte erst Knights-Coach Michael Mai nach einer späteren Spielunterbrechung die Schiedsrichter auf das Problem aufmerksam. Doch die reagierten nicht, ließen das Viertel irregulär zu Ende spielen und verzichteten auch anschließend darauf, per Scouting oder Videomitschnitt festzustellen, wie viel Zeit fälschlicherweise unterschlagen wurde. Die hätte im Anschluss einfach wieder drangehängt werden können und alles wäre gut gewesen.

So blieb es ein Spiel, das nur 37 Minuten dauerte und das der Aufsteiger aus Hanau nun offiziell beanstandet. Für die Knights ist es ein Ärgernis. Vor allem deshalb, weil der Fehler aus Sicht beider Teams keinerlei Einfluss auf den Spielverlauf hatte. Zum Zeitpunkt des Malheurs lagen die Knights mit 8:14 zurück, schafften erst Mitte des zweiten Viertels beim 18:18 den Ausgleich. Die spielentscheidende Phase folgte nach der Pause, als die Kirchheimer nach Rückkehr aus der Kabine mit einem 9:2-Lauf das Ruder an sich rissen und danach auch nicht wieder aus der Hand gaben. Eine Wiederholung des Spiels daher angemessen? „Ich denke, das wäre nicht fair“, urteilt Kirchheims Trainer. „Der Fehler hat uns in dieser Phase mehr geschadet als dem Gegner,“ meint Michael Mai.

Die Knights, so scheint es, werden das Thema nicht los. Vergangene Saison streikte immer wieder die Hallentechnik, jetzt sind es Bedienfehler, die den Spielbetrieb gefährden. Dabei hatte man im Sommer alles unternommen, um genau solche Fälle zu vermeiden. Zusätzliches Personal angeworben und durch die Liga geschult. Acht Personen kommen inzwischen für einen Einsatz am Kampfgericht infrage. Eine Gruppe, die sich den ehrenamtlichen Job je nach zeitlicher Verfügbarkeit teilt. Ohne diese freiwilligen Helfer gäbe es keinen Zweitliga-Basketball in Kirchheim. Wo Menschen am Werk sind, passieren Fehler. Wenn sie zur Regel werden, muss man handeln.

Generalversagen mehrerer Leute

Herr Böhmcker, worauf müssen sich die Knights nach der Panne am Samstag gefasst machen?

Böhmcker: Beide Verein werden von uns erst einmal angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Das läuft gerade. Danach müssen wir sehen, wie man weiter vorgeht. Ich bin jetzt seit 30 Jahren in dem Geschäft. Ein vergleichbarer Fall ist mir aber nicht bekannt.

Lässt sich der Fall klar rekonstruieren?

Böhmcker: Tatsache ist, dass im ersten Viertel drei Minuten fehlen. Das geht auch klar aus dem Video-­Livestream und dem Liveticker hervor. Der Begriff des Generalversagens gleich mehrerer Leute steht im Raum. Mindestens drei Personen hatten die Chance einzugreifen, haben es aber nicht getan. Seitens der Knights gibt es einigen Erklärungsbedarf. Auch in der Frage, was da am Kampfgericht überhaupt geschehen ist

Die Schiedsrichter haben, als der Fehler bekannt wurde, weiterspielen lassen. Kann man dies als Tatsachenentscheidung werten?

Böhmcker: Nein, eine Tatsachenentscheidung ist klar definiert. Schiedsrichter müssen dabei auf ihre eigene Beobachtung reagieren können. Das war hier nicht der Fall. Die Schiedsrichter haben den Fehler ja zunächst gar nicht mitbekommen.

Müssen die Knights nun sogar befürchten, dass die Punkte weg sind?

Böhmcker: Nein, so weit wird es nicht kommen. Dafür müsste klar sein, dass absichtlich manipuliert wurde. Es muss nun die Frage geklärt werden, wie schwerwiegend der Fehler war. Keiner kann sagen, was ohne diesen Fehler passiert wäre. Man kann aber sagen, wir wollen ein Spiel ohne Fehler.

Das würde bedeuten, das Spiel muss wiederholt werden.

Böhmcker: Die Möglichkeit ist zumindest nicht auszuschließen.

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