Lokalsport

Wer hat Angst vor dem fremden Mann?

Die Karate-Abteilung des VfL Kirchheim lehrt Kinder, mit brenzligen Situationen richtig umzugehen

Was tun, wenn man von einem körperlich stärkeren Gegner bedroht wird? In Kursen des VfL Kirchheim lernen Kinder, wie man sich gewaltfrei behauptet.

Selbstbewusst bleiben und klare Signale aussenden: Richtiges Verhalten in Konfliktsituationen können auch Kinder erlernen.Foto:
Selbstbewusst bleiben und klare Signale aussenden: Richtiges Verhalten in Konfliktsituationen können auch Kinder erlernen.Foto: Ralf Just

Kirchheim. Verschüchtert steht der kleine Junge in der Ecke an der Wand. Die Hände auf dem Rücken verschränkt wartet er, bis er von der Schule abgeholt wird. Sein Blick fällt auf einen Mann, der das Foyer betritt. Der groß gewachsene Blonde stellt sich vor dem Jungen auf. Ein nervöser Blick auf die Uhr. „Hallo, wartest du auch hier?“ Der Junge bringt ein leises „Ja“ hervor, ehe der Mann fortfährt: „Ich könnte dich doch heimfahren.“ Kopfschüttelnd lehnt der Schüler das Angebot ab, doch der Fremde bleibt hartnäckig: „Na, komm schon mit!“

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Vor Situationen wie diesen sind Kinder grundsätzlich nicht gefeit, und die wenigsten wissen, wie richtig darauf zu reagieren ist. Neun Kinder und Jugendliche von Klasse 1 bis 8 haben genau dies im Gewaltschutzkurs der VfL-Karateabteilung erlernt. Unter der Leitung von Matthias und Ann-Kathrin Tausch wurde den Schülern gezeigt, wie sie sich in unangenehmen oder bedrohlichen Situationen richtig verhalten. Der ehemalige Karatekämpfer im deutschen Nationalteam betreibt mit seiner Frau eine Sportschule in Heidelberg. Eines der Kernthemen dort: Selbstbehauptung im Alltag.

Mit einer geschickten Bewegung zwischen Wand und Mann manövriert sich der Junge aus der Gefahrenzone. Er positioniert sich in stabilem Stand und brüllt: „Stopp! Lassen

sie mich in Ruhe!“ Erschrocken über die heftige Reaktion, weicht der Erwachsene einen Schritt zurück. „Das hast du super gemacht“, lobt Matthias Tausch und erklärt den Schülern, warum es wichtig ist, in diesem Moment auch einen ernsten und entschlossenen Gesichtsausdruck zu zeigen.

„Ziel der Übungen ist es, dass die Kinder ihre Sicherheit zurückerlangen“, sagt Matthias Tausch. Seine Frau nimmt sich derweil viel Zeit, um mit den Kindern über die Bedeutung von Intuition zu sprechen. „Aus einem komischen Gefühl darf kein schlechtes werden,“ sagt sie. Es geht auch darum, das eigene Bauchgefühl zu nutzen. Ein Lächeln huscht über die gespannten Gesichter, ehe das nächste Rollenspiel beginnt.

Der Gewaltschutzkurs soll die entscheidenden Impulse setzen. Danach sollen die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern zu Hause üben. Dabei geht es nicht nur um körperliche Gewalt. Auch Mobbing in der Schule gehört dazu. Spielerisch erfahren die Kinder, welche Tricks hinter vermeintlich unverfänglichen Situationen stecken. Dass Kinder und Eltern eine vertrauensvolle Basis verbindet, ist die entscheidende Voraussetzung, damit alle Themen offen besprochen werden können.

Zum Abschluss gibt es noch kleine Büchlein mit Tipps, mit denen die Kinder freudestrahlend zu ihren Eltern rennen: „Und, wie war‘s?, fragt eine Mutter. „Hat voll Spaß gemacht. Ich hab‘ ein gutes Gefühl.“