Lokalsport

Wer legt vor?

Die Knights starten gegen Trier in die Play-offs – Duell auf Augenhöhe

Das Busunternehmen Bader Reisen aus Grafenberg stellt neuerdings die Sänften, um Kirchheims Zweitliga-Basketballer bequem zu Auswärtsspielen zu befördern. Das Foto, auf dem die Knights vergangene Woche für den Sponsor posierten, könnte auch als Titel fürs morgen beginnende Play-off-Programm herhalten: Weiter reisen oder baden gehen?

Nach vier Spielen Pause morgen wieder am Ball: Besnik Bekteshi hat seine Knöchelverletzung auskuriert. Knights-Coach Michael Mai
Nach vier Spielen Pause morgen wieder am Ball: Besnik Bekteshi hat seine Knöchelverletzung auskuriert. Knights-Coach Michael Mai (kleines Foto) macht seine Mannschaft heiß auf das erste Duell der Finalserie.Fotos: Genio Silviani

Kirchheim. Eins zu null für Trier. Zumindest was den perspektivischen Vergleich angeht, liegen die Pfälzer vor der morgen beginnenden Finalserie in der Pro A in Führung. 15 Jahre in Folge besetzte der TBB einen Stammplatz in der ersten Liga, ehe vergangenes Frühjahr der wirtschaftlich begründete Abstieg folgte. Eine Geschichte, die hinter einem anderen Selbstverständnis steht, als das unter der Teck der Fall ist. Dennoch sagt Triers Manager Michael Lang: „Die Zusatzschicht ist für uns reiner Bonus.“ Mit einem Platz unter den besten Acht konnte nach dem radikalen Schnitt vor Saisonbeginn keiner rechnen. Und trotzdem: Sollte sich das Märchen fortsetzen und womöglich erst im Finale enden, meint Lang, „dann werden wir uns mit unseren Partnern zusammensetzen und neu entscheiden.“

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Das ist eine Option, die man in Kirchheim nicht kennt. Der Aufstieg ist kein Thema, und trotzdem verneint jeder, dass dies mit Blick auf morgen einen Unterschied macht. Klubführung, Trainer, Mannschaft. Der Erfolg allein zählt. Schließlich geht es auch darum, die eigene Marke zu bewerben. „Wir sind bereit“, sagt Kirchheims Headcoach Michael Mai, der in den vergangenen zehn Tagen den passenden Mix aus Spannung und Entspannung in seiner Mannschaft finden musste. Eine mentale Grundmüdigkeit am Ende einer langen Saison ließ sich zuletzt nur schwer verbergen. Ein paar Tage abschalten, das erste freie Wochenende nach Monaten, seit Beginn der Woche heißt es wieder: schwitzen, schuften, ackern.

Ein Heimsieg morgen wäre zwar keine Garantie fürs Weiterkommen, aber „eine klare Botschaft“, sagt Michael Mai, die auch einen vor Selbstbewusstsein strotzenden Gegner zweifeln ließe. Keine Frage, die Trierer sind auf der Zielgeraden ins Rollen gekommen. Die Abläufe passen, die im Sommer komplett neu formierte Mannschaft hat sich nach einer langen Verletzungsserie gefunden. Mit Justin Raffington, Simon Schmitz, Alex Engel und Kilian Dietz fielen in der ersten Saisonhälfte gleich vier Stammkräfte aus. Seit Jahresbeginn zeichnet die Trierer vor allem ihre Ausgeglichenheit aus. Smit, Raffington, Spearman und der alles überragende Dwayne Evans sind allesamt Spieler, die regelmäßig zweistellig punkten. Mit den beiden Amerikanern John Egglestone, im November aus Heidelberg gekommen, und Kwadzo Ahelegbe, der seit Januar an Bord ist und beim Sieg in Kirchheim fehlte, haben die Gladiators auf breiter Front an Qualität gewonnen. Elf ihrer insgesamt 17 Siege holten die Pfälzer im neuen Jahr.

Die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt. Ein Merkmal, das beide Gegner verbindet. Nicht nur Triers Manager Michael Lang geht von einem engen Rennen aus, auch sein Kirchheimer Kollege Christoph Schmidt sagt: „Das ist vermutlich das ausgeglichenste Duell der ganzen Serie.“ Entscheidend wird sein, wie gut es Richie Williams und seinen Mitstreitern gelingt, Dwayne Evans in den Griff zu bekommen. „Wenn man ihm Raum lässt, ist er nicht mehr zu kontrollieren“, weiß Michael Mai. In Trier gelang das größtenteils, drei Monate später in Kirchheim lief es völlig aus dem Ruder. Mit einer ganzen Reihe brillanter Schützen ist der Tabellensechste in der Lage, ein regelrechtes Offensiv-Feuerwerk abzubrennen. Für die Knights bedeutet das: an das aggressive Defensivspiel anzuknüpfen, mit dem man über weite Strecken der Saison das Publikum zu Hause von den Sitzen riss.

Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Sollte sich im heutigen Abschlusstraining keiner mehr verletzen, wird die Mannschaft morgen in Bestbesetzung auflaufen können. Besnik Bekteshi, der kurz vor der geplanten Rückkehr gegen Rhöndorf erneut umgeknickt war, hat seine Knöchelverletzung weitgehend auskuriert. Auch Richie Williams brennt auf einen Einsatz, nachdem er im letzten Heimspiel eine Regenerationspause verordnet bekam. Eine Maßnahme, die ihm sichtlich wenig schmeckte und die morgen Abend vermutlich ihren Teil zur Motivation beitragen wird. Bis gestern gab es nur noch wenige Karten für das Spiel. Triers Sprecher Stefan Kölbel rechnet mit 50 Fans. Am Sonntag werden es einige mehr sein: Die Trierer Arena ist mit 2 400 Plätzen so gut wie ausverkauft.