Lokalsport

„Wertlose Titel“ interessieren die Geislinger nicht

Hinrundenbilanz Der Sportclub dominiert die Fußball-Bezirksliga, während sich das Tecktrio achtbar schlägt. In Wiesensteig sieht es nach Abstieg aus. Von Reimund Elbe

Die Skeptiker in anderen Bezirksliga-Klubs haben es kommen sehen: Landesliga-Absteiger SC Geislingen könnte deutlich zu stark für die Konkurrenz sein, war deren Befürchtung nach dem überraschenden Abstieg des spielstarken Sportclubs im Frühsommer 2017. „Diese Einschätzung hat der bisherige Saisonverlauf bestätigt“, bilanziert Markus Schweizer, Spielertrainer des Tabellenvierten VfL Kirchheim, einst selbst beim Sportclub aktiv.

Dabei taten die Teckstädter ihr Bestes, um den Spannungsbogen an der Spitze zu erhalten. Sie brachten die Geislinger zumindest an den Rand einer Niederlage. Ein Kunststück, das außer dem VfL nur noch die TSV Oberensingen fertigbrachte. Die Kirchheimer spielten am 12. November an der Jesinger Allee ebenfalls unentschieden 1:1. „Ein Sieg für uns wäre verdient gewesen“, findet Schweizer nach wie vor. So spazieren die Kicker des Ex-Oberligisten aus dem Eybacher Tal ungeschlagen in die Winterpause, gewärmt von einem Acht-Punkte-Polster auf den Zweitplatzierten TSV Oberensingen. In Geislingen ist trotz des Turbostarts kein Hauch von Spannungsabfall zu spüren. Ob Herbstmeister oder Weihnachtsmeister - „vollkommen wertlos“ seien solche Auszeichnungen, betont SC-Trainer Jasko Suvalic.

Dass die TSV Oberensingen den Kontakt zum Spitzenreiter verloren hat, ist eine der Überraschungen der ersten Saisonhälfte und positiv für den Tabellendritten SGEH und den VfL Kirchheim. Der Aufstiegsrelegationsplatz ist in Schlagweite. Die Kirchheimer mussten mit vier Niederlagen zwar Tiefschläge einstecken, Chefcoach Schweizer ist trotzdem nicht unzufrieden. „Wir stecken in einem Entwicklungsprozess“, sagt er. Um diesen weiter zu gestalten, suchen die VfL-Verantwortlichen in der Winterpause noch nach ein bis zwei Verstärkungen.

Auch der Dritte im Bunde aus der Teckregion blickt auf ein ansprechendes Werk in den vergangenen Monaten zurück. Aufsteiger TV Neidlingen erlebte ein vereinshistorisches Highlight mit der Eroberung des ersten Tabellenplatzes am fünften Spieltag der Bezirksliga-Saison. Es folgte eine Abkühlungsphase im Herbst, die den TVN jedoch nie tiefer als aktuell Tabellenplatz neun fallen ließ.

Neidlingen mit guter Basis

Die 22 bisher erreichten Punkte sind eine ordentliche Basis für eine frühzeitige Sicherung des Klassenerhalts. Zwischen Kirchheim und Neidlingen tummeln sich mit dem FC Donzdorf, der höher gewetteten SGM T/T Göppingen, dem TSV RSK Esslingen und dem FV Neuhausen insgesamt vier Teams. Die nächste Gruppe hinter den Neidlingern bilden mit 17 Zählern der FV Vorwärts Faurndau, der TSV Deizisau und der TSV Neckartailfingen.

Ganz böse schaut es am Tabellenende für den TSV Obere Fils aus. Der Klub, 2016 vom Jesinger Stefan Haußmann als Coach in die Bezirksliga geführt, steht nach dem Klassenverbleib im Sommer mit nur acht Zählern inzwischen vor dem Absturz. Trainer Klaus Fischer kam vor rund einem Jahr als Retter und führte den vermeintlich abgeschlagenen Aufsteiger über die Relegation zum Klassenverbleib. Vor wenigen Wochen trat Fischer als Trainer zurück. Es sei nicht gelungen, „das Ding in eine andere Richtung zu drehen“, wie es TSV-Abteilungsleiter Theo Vels formulierte, der von Fischer trotzdem viel hält. „Einen besseren Trainer kann man so schnell nicht bekommen“, sagt er.

Bis zur Winterpause trainierte Michael Allmendinger die Mannschaft, der schon nach der Trennung von Stefan Haußmann rund ein Jahr zuvor für kurze Zeit das Sagen hatte. Ein Himmelfahrtskommando. Verletzungen und berufliche Verpflichtungen führten dazu, dass beim Training in Wiesensteig häufig kaum mehr als ein Dutzend Spieler zur Verfügung standen. Möglich, dass Allmendinger bis zum Saisonende das Kommando führt.

 

Vorsicht Blaupause!

1. FC Eislingen

Der 1. FC Eislingen läuft Gefahr, in die Niederungen der Kreisliga abzutauchen. Bei nur drei Siegen und elf Punkten aus 15 Spielen herrscht Alarmstufe eins im Eichenbachstadion. Der Abstieg wäre das vorläufige Ende einer rasanten Talfahrt, wie sie zuvor schon dem VfL Kirchheim widerfahren ist. Die zwei großen Traditionsvereine sind so etwas wie Brüder im Geiste. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen diesen beiden Klubs. In grauer Vorzeit zählten sie zur Crème des württembergischen Fußballs, gehörten lange Jahre zum festen Stamm der Amateurliga. Beide schmückten sich zweimal mit dem Titel eines WFV-Pokalsiegers, Eislingen 1956 und 1978, Kirchheim 1961 und 2003. Doch die Nachkommen von Fußballgrößen wie Albert Sing, Gunnar Weiß oder Danny Schwarz auf der einen sowie Andy Buck, Wolfgang Frank oder Rüdiger Kauf auf der anderen Seite konnten deren spielerisches Niveau nicht halten. Finanzielles Fehlverhalten tat ein Übriges, und am Ende standen/stehen beide tatsächlich am Ende. Der VfL hat sich inzwischen wieder aufgerappelt. Auch die Eislinger versuchen verzweifelt, den Reset-Knopf zu drücken, egal wie die Saison ausgeht. „Den Wahnsinn mit den Gehältern machen wir nicht mehr mit“, betont Sportvorstand David Hilger, vor vier Jahren Abwehrspieler im Kirchheimer Trikot. Der Kader wurde bereits radikal umgebaut. 16 Abgängen stehen rekordverdächtige 17 neue Spieler gegenüber. „Nicht alle haben gezündet“, sagt Hilger. „Wir hatten ein hartes Auftaktprogramm und gerieten in eine Abwärtsspirale, aus der wir uns nur schwer befreien können.“ In der Winterpause sollen noch zwei oder drei erfahrene Spieler geholt werden, die der jungen Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von kaum mehr als 21 Jahren mehr Stabilität geben sollen. Die Unterstützung der Stadt ist dem Verein gewiss. OB Klaus Heininger kickte einst selbst beim SV Hussenhofen und bringt aus seinem Wohnort Waldstetten täglich ein bisschen Landesliga-Euphorie mit an die Fils.

 


Höhenluft macht süchtig

SGEH

Das Hardtwaldstadion - ein heißes Pflaster. Das gilt in der zweiten Bundesliga und in der Bezirksliga Neckar/Fils. Der SV Sandhausen, der im deutschen Fußball nicht gerade zu den Großkopferten zählt, hat in der Hinrunde zu Hause 16 Punkte erkämpft - beachtlich. Die Spielgemeinschaft Erkenbrechtsweiler-Hochwang brachte es in der Spielstätte gleichen Namens sogar auf 19 Punkte - großartig. Eigentlich kein Wunder. Der Rasenplatz auf der Albhochfläche liegt 700 Meter über dem Meeresspiegel. Ist damit der höchstgelegene im ganzen Bezirk. In der sauerstoffärmeren Höhenluft geht den „Flachlandtirolern“ mit zunehmender Spieldauer regelmäßig die Puste aus. Frag nach bei den Spielern des TSV RSK Esslingen. Nach einer 1:0-Führung bei Halbzeit schleppten sie sich am Ende mit hängender Zunge und einer 2:4-Schlappe vom Platz. Höhenluft als Verbündete einer Elf, die sich im dritten Jahr nach dem Wiederaufstieg unter Trainer Dieter Hiller noch mal weiterentwickelt hat. Vor allem im Passspiel und im Abschluss. „Wir sind selber überrascht über Platz drei“, sagt Stammspieler Florian Lenuzza. Hinten halten Kapitän Marc Weger und Co. den Laden dicht. Für die vielen Tore, für die bisher der nach Weilheim abgewanderte Marc Theimer verantwortlich war, sorgen nun Ingo Schäfer, Marco Parrotta und Dennis Oswald im Verbund. Und einer, den es vor einem Jahr aus Gambia auf die Schwäbische Alb verschlagen hat: Biran Darboe. Schnell wie eine Antilope, ballsicher und abschlussstark, was seine bisherige Ausbeute von einem Dutzend Toren unterstreicht. Irgendwelche Gedanken an einen weiteren Aufstieg verschwendet trotzdem keiner. Bei der SGEH gibt es wenig Träumer. „Die Meisterschaft machen Geislingen und Oberensingen unter sich aus“, ist sich Lenuzza sicher. Abteilungsleiter Sven Laderer pflichtet ihm bei: „Ich denke, wenn wir Fünfter oder Sechster werden, wäre das auch schon ein Erfolg.“ Klaus Schlütter

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