Lokalsport

Wie Phoenix aus der Asche

Rückblick auf einen Helden der anderen Art. Von Helge Waider

Symbolbild: pixabay

O­nehundredandeiiiiiighty - sobald Dart ­Caller wie die glatzköpfige Sprecherlegende Russ Bray mit seiner unverwechsel­baren rauchig-krächzenden Stimme das Ergebnis einer perfekten Aufnahme - also drei ­Pfeile auf das Board mit maximaler Punktzahl - herausbrüllt, bekomme ich auch nach unzähligen ­Matches noch Gänsehaut. Wenn dann auch noch Adventszeit, Weihnachten und Jahreswechsel ins Spiel kommen, ist klar: Es ist Darts-WM - seit vergangener Woche laufen bereits wieder die Rundenduelle der Weltmeisterschaft 2021.

Im Gedächtnis geblieben sind aber beeindruckende Szenen vom diesjährigen Neujahrstag, als ein nicht allzu großer, leicht untersetzter 49-jähriger ­Schotte, Spitzname „Snakebite“, mit ­bunter Irokesenfrisur, dazu passendem Hemd und einer Schlangenfigur auf dem seitlichen Schädel über die Bühne des ehrwürdigen Alexandra Palace hüpfte wie ein Gummiball und sich sichtlich ein Loch in den Bauch freute. Es ist die Geschichte von Peter Wright, dem amtierenden Darts-Weltmeister der Professional Darts Corporation (PDC), der so gar nicht dem Stereotyp eines Stars entsprechen will. Zumal er nach etlichen Rückschlägen erst vor knapp fünf Jahren als Profi Fuß fassen konnte.

Der ebenso bescheidene wie sympathische Schotte startete danach durch wie ­Phoenix aus der Asche, gewann nicht nur Premiere-League- und Major-­Turniere, sondern entwickelte, unterstützt von seiner Frau und Managerin Joanne, einer gelernten Friseurin, auch seinen ­eigenen Kleidungs- und Frisurenstil. Beim Einmarsch, dem sogenannten „walk on“, hören die Fans folgerichtig Pitbulls „Don’t stop the party“, wozu der ­Schotte gewöhnlich in einer Art ­Hampelmannschritt über die Bühne tanzt.

Nur im „Ally Pally“ wollte es nicht klappen - bis zur 2020er Weltmeisterschaft. Da ­räumte er im Finale mit Michael van ­Gerwen die Nummer eins der Weltrangliste sensationell mit 7:3 vom Oche, jener Linie, ab der auf die Scheibe geworfen wird, und sicherte sich den Titel - den ­hatte für mich niemand ­anderer so verdient wie der Schotte. Game on, Snakebite!

Die Highlights der Sportredaktion

Rückschau halten ist im Corona-Jahr aus sportlicher Sicht alles andere als einfach - trotz Absagen, Ausfällen und Abbrüchen gab es für die Lokalsportredakteure des Teckboten und die freien Mitarbeiter 2020 auf lokaler und überregionaler Bühne genügend Highlights, an die wir bis Ende des Jahres jeden Tag erinnern.

Anzeige