Lokalsport

Williams im Bett - der Rest auf der Hut

Basketball Die Knights meistern die nächste Krise, weil nicht mehr alles auf dem Spielfeld an Einzelnen hängt. Die zweite Reihe drängt nach vorne. Von Bernd Köble

Seit vergangenen Montag zum ersten Mal Papa: Knights-Spielmacher Carrington Love schien davon am Samstag wie beflügelt: 14 Assis
Seit vergangenen Montag zum ersten Mal Papa: Knights-Spielmacher Carrington Love schien davon am Samstag wie beflügelt: 14 Assists gingen am Ende auf sein Konto.Foto: Tanja Spindler

Wer ohne nennenswerte Schwächephasen durch die Saison spazieren will, der braucht Qualität und Tiefe auf der Bank, wie sich das beim unangefochtenen Tabellenführer der Pro A aus Weißenfels beobachten lässt. Doch auch in Kirchheim kann man in dieser Saison Entwicklungen verfolgen, die nicht minder beeindruckend sind. Der Umgang mit Krisen macht die Ritter in Gelb zum ernsthaftesten Konkurrenten zweier Teams an der Spitze, die eigentlich in einer anderen Liga spielen. Das war nach Weihnachten so und zeigt sich nun wieder. Auch ohne den unbestrittenen Star der Mannschaft kann man Spiele gewinnen. Diese Haltung sprach am Samstag aus jeder Aktion, nachdem Jonathon Williams mit Fieber das Bett hüten musste. Gegen einen Gegner, der über weite Strecken zugegebenermaßen harmlos wirkte, der aber weiter um seine Chance auf die Play-offs kämpft.

Wenn Michael Mai behauptet, dass man für jede Krise dankbar sein sollte, dann spricht daraus nicht nur Religiosität, für die Kirchheims Trainer bekannt ist. „Jeder Rückschlag“, sagt er, „hat uns stärker gemacht.“ Das Pech eines Einzelnen ist Ansporn für andere. In anderen Worten ausgedrückt: So geht Teamplay. Noch ist die Saison nicht zu Ende. Noch ist gut möglich, dass die Knights angesichts des harten Restprogramms einschließlich der bereits gebuchten Finalrunde sich erneut sang- und klanglos aus der Saison schleichen werden. Doch die Art und Weise, wie die Mannschaft am Samstag reagierte, lässt auf ein packendes Restprogramm hoffen. Gut möglich, dass die Knights ins Duell mit Spitzenreiter MBC in zwei Wochen erstmals seit langem werden in Bestbesetzung gehen können. Williams wird schon in Trier wieder mit dabei sein können. Von Preston Medlin wird nach vierwöchiger Pause wegen einer Bänderdehnung im Sprunggelenk erwartet, dass er sich gegen den MBC zum Dienst zurückmeldet.

Gegen Hanau sprangen andere in die Bresche. Brian Wenzel, der spät, aber umso wichtiger zur nötigen Sicherheit findet, ein Jonathan Maier, der eine knappe Viertelstunde Spielzeit nach seiner Verletzung nutzte, um im Schlussviertel so richtig aufzudrehen. Aber auch die etatmäßigen Regionalliga-Kräfte Shkelzen Bekteshi und Justin Hedley, die seit Wochen demonstrieren, welche Kraftreserven sich allein durch Selbstvertrauen wecken lassen.

Ein Weckruf ganz anderer Art versetzte Spielmacher Carrington Love, der am Wochenende unglaubliche 14 Assists verteilte, offenbar in Gala-Stimmung. Seit vergangenem Montag ist er Vater eines Mädchens, das auf den bezaubernden Namen Harper Beatrice Joy hört. Dass Vater und Tochter momentan noch tausende Kilometer und ein Ozean trennen, daraus zieht er seine ganz persönlichen Schlüsse für den Rest der Saison: „Wenn schon so eine harte Prüfung, dann soll es das wenigstens wert gewesen sein.“

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