Lokalsport

„Wir brauchen eine engere Zusammenarbeit mit Schulen“

Der Frauenfußballbeauftragte des Bezirks sorgt sich um die Zukunft

Frauenfußball in der Krise? Der Beauftragte im Bezirk Neckar/Fils, Heinz Thumm (72), sieht der Zukunft nur bedingt zuversichtlich entgegen.

Heinz Thumm
Heinz Thumm

Nach der Frauen-Fußball-WM 2011 in Deutschland war die Anzahl der Teams in allen Regionen explodiert. Was ist davon fünf Jahre später übrig ?

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Heinz Thumm: Wir müssen feststellen, dass selbst in einem im Frauen-Fußball führenden Bezirk wie Neckar/Fils die Anzahl der Frauen- und Mädchenmannschaften zurückgeht. Die Rekordmarke lag einst bei fast 100 Teams, in der neuen Runde werden es wohl nur noch zwischen 60 und 70 sein.

Welche Ursachen gibt es dafür?

Thumm: Wir dürfen nicht vergessen, dass es über viele Jahre hinweg nur aufwärts ging, die Zahl der Teams und Spielerinnen kontinuierlich zunahm. Nun schlagen die geburtenschwachen Jahrgänge immer mehr zu Buche. Zudem befinden wir uns natürlich auch in einer natürlichen Konkurrenzsituation zu vielen anderen Sportarten und Freizeitbeschäftigungen. Und: Es ist es ein Problem, dass dem höherklassigen Frauenfußball im Gegensatz zu den Männern in den Medien nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dies ist mehr als schade.

Wie kann man das ändern?

Thumm: Lasst uns doch alle Erst- und Zweitligisten der Männer-Bundesliga dazu verpflichten, Frauen- und Mädchenfußball anzubieten. Dies klingt vielleicht provokant, könnte uns jedoch weiterhelfen. In den Profivereinen gibt es bereits funktionierende Strukturen wie hochmoderne Trainingsgelände auf professionellem Niveau, die Vereine stehen ja auch bereits im Fokus der Medien.

Wie wollen Sie dem Rückgang der Teams auf lokaler Ebene begegnen?

Thumm: Auf lokaler Ebene benötigen wir unter anderem noch eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen. Wenn wir solche Aktionen wie den Tag des Mädchenfußballs veranstalten, werben wir zuvor nicht nur bei den Vereinen für eine Teilnahme, sondern auch in den Schulen der Region. Letztendlich ist die Resonanz allerdings gering. Die meisten am Fußball interessierten Mädchen sind offenbar bereits in Vereinen organisiert. Aber es gibt hier sicherlich noch Potenzial. Wir haben zum Beispiel im WFV-Gebiet viele Frauen-Freizeitmannschaften. Schön wäre es natürlich, wenn das ein oder andere Team in den offiziellen Ligenbetrieb wechseln würde.

Wie ist es dann zu erklären, dass in manchen Orten speziell der Mädchenfußball trotz allgemein rückläufiger Zahlen boomt?

Thumm: Dies liegt vor Ort in erster Linie an rührigen Vereinsmitgliedern. Das beste Beispiel ist der FV Faurndau. Dort sind Leute wie die Frauenfußball-Abteilungsleiterin Annette Krotz am Ruder, die dem Mädchen- und Frauenfußball seit vielen Jahren eine hohe Priorität beimessen. Durch das Frauen-Oberligateam ist der Klub außerdem weit über die lokalen Grenzen bekannt geworden. Beim TSV Eschenbach haben wir ganz aktuell auch eine großartige Entwicklung, denn im Klub sind mittlerweile drei Mädchenteams gemeldet. Auch dort haben sich rührige Personen gefunden, die mit viel Herzblut an die Sache gehen

Die Zahl der Spielerinnen und Teams geht zurück. Wo geht die Reise hin?

Thumm: Jetzt geht es in erster Linie darum, den Negativtrend zu stoppen. Erst wenn wir wieder Stabilität haben, können wir wieder über Zuwächse nachdenken. Alles andere wäre blauäugig.