Lokalsport

„Wir hatten die Chance und haben den Job nicht erledigt“

Basketball Die Niederlage der Knights gegen Gotha ist kein Grund zur Zerknirschtheit. Sie zeigt vielmehr: Der Abstand zu den Besten ist geringer als vermutet. Von Bernd Köble

Trotz des entscheidenden Ballverlusts im Schlussviertel: Knights-Spielmacher Carrington Love bot eine starke Partie.Foto: Sascha
Trotz des entscheidenden Ballverlusts im Schlussviertel: Knights-Spielmacher Carrington Love bot eine starke Partie.Foto: Sascha Fromm

Die Fallhöhe ist beträchtlich – allerdings nur auf dem Papier. Als Tabellenführer der Pro A sind die Knights am Sonntagabend in Gotha ins Spiel gegangen. Als Tabellensiebter haben die Kirchheimer knapp zwei Stunden später das Parkett wieder verlassen. Kein Absturz, der zur Sensationsmeldung taugt, schließlich sind erst vier Spieltage absolviert. Mit Ausnahme der schwach gestarteten Teams aus Hamburg und Köln, fast alles wie erwartet. Die geringe Aussagekraft der Tabelle mit sieben punktgleichen Teams an der Spitze unterstreichen Frenkie Ignjatovic und seine Heidelberger, denen ein 46:84-Debakel am Samstag in Trier auf scheinbar wundersame Weise die Tabellenführung einbrachte.

Wo das Tableau wenig Erhellendes beschert, tut dies der Blick aufs Spielfeld umso mehr. Gründe, mit dem Schicksal zu hadern, hätte es in der Erfurter Messehalle aus Kirchheimer Sicht am Sonntag einige gegeben. Angesichts der dritten knappen Niederlage gegen die Gothaer in Folge etwa oder wegen des erneut schwachen Starts in die zweite Spielhälfte, der das Spiel zugunsten der Gastgeber drehte. Bis dahin war der klare Favorit sichtlich beeindruckt von kaltschnäuzig agierenden Schwaben, die sich auch durch ein regelrechtes Dreier-Gewitter nicht aus der Fassung bringen ließen und sich ihrerseits aus der Mitteldistanz gnadenlos effektiv zeigten.

Das Erste von zwei Duellen gegen die Granden der Liga, es wurde mit Spannung erwartet, weil es zum ersten Mal eine bessere Orientierung bieten sollte. Viel Glück beim Aufsteiger in Dresden, danach viel Glanz gegen fehl gestartete Kölner und abermals gewaltig Dusel gegen das aktuelle Tabellen-Schlusslicht aus Essen. Das macht sechs Punkte, hinterlässt aber ein schales Gefühl der Unsicherheit. Jetzt ist die Glückssträhne gerissen, dafür hat sich der Eindruck vertieft: Man kann mit den Großen durchaus mithalten. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Für Kirchheims Coach Michael Mai war es deshalb schwierig, ein nüchternes Fazit zu ziehen. „Wir hatten gegen ein Topteam die Chance, das Spiel zu gewinnen, das ist das Gute“, sagt er. „Das Schlechte ist, wir haben den Job nicht erledigt. Deshalb können wir nicht zufrieden sein.“

Dennoch: Sollte es gute und schlechte Niederlagen geben, die am Sonntag wäre sicher eine der besseren gewesen. Zum wiederholten Mal punkteten gleich vier Kirchheimer zweistellig. Gegen eine Mannschaft, die 55 Prozent aus dem Feld traf, war es auch defensiv ein Schritt nach vorne. 18 erzwungene Ballverluste aufseiten der Thüringer waren ein Ergebnis Kirchheimer Bissigkeit. Was den Trainer dennoch wurmt: „Gotha hatte zu viele offene Würfe, da waren wir den entscheidenden Schritt zu spät,“ sagt Michael Mai und setzt nach: „Das muss besser werden.“ Vor allem einen hatten die Gäste an diesem Tag nicht auf dem Zettel: Jaysean Paige, mit 22 Punkten und einer 77-prozentigen Wurfquote Topscorer des Abends. Der Amerikaner machte erst sein zweites Spiel und war beim Saisonauftakt in Essen eher unauffällig geblieben.

Macht Gotha nun Lust auf Crailsheim? Zumindest haben die württembergischen Rivalen aus Hohenlohe gezeigt, dass sie von vier Tagen schon mal einen ausgesprochen schlechten erwischen können. Und die Duelle mit den Teckrittern – daran haben auch zwei Jahre Liga-Abstinenz der Merlins wenig geändert – sind noch immer ganz besondere. Das lässt sich auch an Zahlen festmachen. „Wir rechnen am Samstag mit rund 200 Fans aus Crailsheim“, sagt Knights-Geschäftsführer Christoph Schmidt. Die Nachfrage nach Tickets in der Geschäftsstelle ist so groß wie bei keinem anderen Spiel.

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